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Freitag, 23. März 2007

Google Grid (4): Groups

siehe auch:
(0): Google Grid
(1): Orkut
(2): Checkout
(3): Base


Diese Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1979. Denn da begann die Geschichte der Newsgroups im Usenet. Das Usenet und andere, später hinzugekommene Newsgroup-Netze verwenden eigentlich ein spezielles Internetprotokoll namens NNTP, und zur Nutzung ist ein NNTP-Client erforderlich, ein sogenannter Newsreader. Das typische Usenet-Publikum hatte zunächst auch wenig mit dem typischen Web-Publikum gemein. In akademischen Kreisen enstanden, entwickelte es im Laufe der Jahre ein eigenes Regelwerk für die Kommunikation. Als in den 90er Jahren das Web seinen Siegeszug begann, war das Usenet schon lange eine etablierte Institution und pflegte eine gewisse Abschottung gegenüber diesem „neumodischen“ Web.

Das Web war also noch jung, als eine texanische Internet-Firma namens Deja News 1995 erstmals das riesige Forumsarchiv des Usenet über HTTP in HTML-Form auslieferte. Damit wurden die Inhalte des Usenet im Browser zugänglich. Zwar konnten Web-Benutzer zunächst nur lesend zugreifen, später war es jedoch gegen Anmeldung auch möglich, Beiträge in Newsgroups übers Web zu posten. Bemerkenswert war weiterhin, dass über Deja News das gesamte Usenet-Archiv im Volltext durchsuchbar war. Außerdem gehörten die News-Server von Deja News zu den ersten im Usenet, die alle Daten dauerhaft speicherten.

Deja News wurde jedoch wenige Jahre später ein Opfer der Dotcom-Blase. Unbeliebt machte sich der Anbieter etwa dadurch, massiv Werbung in der Web-Schnittstelle zum Usenet einzublenden. Dazu kamen Verwicklungen in rechtliche Auseinandersetzungen mit Newsgroup-Teilnehmern, die nicht wollten, dass ihre zumeist unter regulärem Namen geschriebenen Beiträge öffentlich zugängliche und auffindbare Inhalte im Web wurden.

Im Jahr 2000 wurde das Deja-News-Archiv vom Netz genommen. Der Datenbestand, der etwa eine halbe Milliarde News-Beiträge umfasste, wurde von Google aufgekauft. 2001 startete Google die Neuauflage der Deja-News-Idee. Die Google Groups waren geboren. Neben dem Archiv des Usenet wurden dort auch Diskussionsarchive anderer Netzwerke zugänglich gemacht, beispielsweise vom FidoNet oder die öffentlichen Newsgroups von Microsoft.

Wer nur lesen möchte, kann ohne Anmeldung über die Startseite der Google Groups seine Recherchen starten. Dank der Suchtechnik von Google sind Usenet-Beiträge auffindbar, die bis ins Jahr 1981 zurückreichen. Auf der Seite 20 Year Usenet Timeline finden Sie Direktlinks zu Diskussions-Meilensteinen der 80er und 90er Jahre, darunter ein legendäres Posting eines gewissen Tim Berners Lee, in dem dieser im August 1991 ein Projekt namens World Wide Web vorstellte.

Um über die Web-Schnittstelle von Google Groups in Usenet-Gruppen zu posten, ist ein kostenloses Google-Konto erforderlich. Allerdings sollte man wissen, dass man als Google-Web-User in Usenet-Gruppen schnell unangenehm auffallen kann. Nicht nur, weil man vielleicht die Netiquette des Usenet nicht kennt, sondern auch aus technischen Gründen. Deshalb sei jedem, der über Google Groups in echte Usenet-Gruppen posten möchte, die Lektüre von Hinweise für Google-Poster ans Herz gelegt.

2004 schließlich startete die Phase Google Groups 2. Seitdem ist ein Google-Konto nicht nur der Schlüssel zum Posten in Usenet-Gruppen übers Web, sondern ermöglicht auch das Einrichten eigener, web-basierter Foren sowie die Teilnahme an anderen Foren dieser Art. Diese reinen Web-Foren haben nichts mit dem Usenet zu tun, auch wenn sie unter der gleichen Weboberfläche in gleicher Funktionalität verfügbar sind wie die Usenet-Gruppen. Das Webkompetenz-Forum, das an dieses Blog angeschlossen ist, ist genau so ein Forum, ebenso wie mein anderes Forum Professionelle Websites.

Google ermuntert ausdrücklich dazu, eigene Groups einzurichten. Thema und Öffentlichkeitsrelevanz können dabei sehr unterschiedlich sein. Vom Hobbyisten-Talk über Vereins- oder Schulgruppen bis hin zu Fachgruppen ist so ziemlich alles erlaubt. Wer eine Gruppe einrichtet, kann nicht nur das Layout der Weboberfläche beeinflussen, sondern auch wichtige Grundeinstellungen vornehmen. So ist beispielsweise in mehreren Stufen skalierbar, wer lesend und schreibend auf die Gruppe zugreifen kann. Auch abgeschottete Gruppen, in die nur ausdrücklich eingeladene Mitglieder kommen, und deren Inhalte nach außen hin überhaupt nicht sichtbar sind, lassen sich einrichten. Ein weiteres, in jüngster Zeit dazugekommenes Features der Google Web-Foren ist die Möglichkeit, Webseiten (Beispiel) und Download-Dateien (Beispiel) innerhalb von Gruppen verwalten zu können. Dabei ist wiederum einstellbar, wer solche Inhalte beitragen kann und wer nicht. Google Webforen eignen sich also durchaus auch für Arbeitsgruppen, deren Mitglieder sich über gemeinsame Dokumente oder anderes Material wie Grafiken, Videos usw. austauschen wollen.

Eine schöne neue, obendrein kostenlose und weitgehend werbefreie Kommunikationswelt stellt Google der Welt damit zur Verfügung. Warum aber das? Ist es allein die Google Ethik, die da die Welt umarmen will? Indem sie das Google-Konto nutzen, gehören die Google Groups zum Google Grid. Wir erinnern uns: über Orkut erfährt Google eine Menge über persönliche Beziehungen eines Account-Inhabers, über Checkout eine Menge über Kauf- und Konsumgewohnheiten der gleichen Person, und über Base werden Anzeigen und Inserate dieser Person gespeichert. Über die Groups lässt sich sehr einfach ermitteln, welche fachlichen, beruflichen und privaten Interessen die Person verfolgt, welche politischen Ansichten sie hat, und wie es um ihr Kommunikationsverhalten bestellt ist. Nehmen wir zum Beispiel unser geschätztes Webkompetenz-Gruppenmitglied Wilhelm Turtschan (bei dem darf ich das ;-). Ohne viel Aufwand ist in Erfahrung zu bringen, wo und wann Wilhelm was gepostet hat im Reich der Google Usenet-Gruppen und der Google Web-Foren. Und was jeder Benutzer kann, kann analysierende Software erst recht.


 

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