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Sonntag, 6. Mai 2007

Dagegen muss protestiert werden!

Der Heise-Ticker meldet: Urteil bestätigt uneingeschränkte Haftung für Forenbetreiber. Hintergrund ist ein Verfahren, das vom Betreiber des Super-Nature Forums, Martin Geuß, geführt wurde.

Um diesen üblen Fehltritt der Gerichtsbarkeit zu ermessen, sollte sich niemand entgehen lassen, den Urteilstext zu lesen. Und dann an alle Services denken, die direktes Publizieren durch Benutzer ermöglichen. Von Wikipedia über Mr. Wong bis hin zu sämtlichen Blogs mit Kommentarfunktion und Fachforen stehen diesem Urteil zufolge praktisch alle Anbieter mit einem Bein im Gefängnis. Denn sie machen sich nicht erst strafbar, wenn sie nach Kenntnisnahme etwa eines volksverhetzenden oder beleidigenden Benutzerbeitrags nicht reagieren, sondern ab dem Moment, wo der Beitrag online ist.

Der einzig wirksame Schutz dagegen ist eine Redaktionskontrolle, also ein persönliches Prüfen aller Benutzerbeiträge vor dem Veröffentlichen. Aus Benutzersicht ist das jedoch so prickelnd wie das Ziehen einer Wartenummer im Arbeitsamt. Nein, das darf sich die Internet-Gemeinde nicht gefallen lassen. Gegen dieses Urteil muss protestiert werden! Deshalb bitte weitersagen und aufklären!

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Forenbetreiber haften uneingeschränkt


Sonntag, 22. April 2007

Wahltag in Frankreich mit Blogpole

44,5 Millionen Franzosen sind am heutigen Sonntag aufgerufen, den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Staatschef Chirac zu wählen. Die Wahl gilt als spannend, weil es den letzten Umfragen zufolge viele noch unentschlossene Wähler gibt.

Nun nehmen wir mal den Fall an, dass solche Leser im Internet Orientierung holen. Das trifft sicherlich nicht auf all diese Wähler zu, doch auf einen stetig wachsenden Teil der Wählerschaft ohne Zweifel. Doch von wo aus könnte man als Suchender eine solche Orientierungsreise starten? Über einen entsprechenden Beitrag bei SoSo.net bin ich auf den Service Blogpole gestoßen.

Und was tut Blogpole? Es bietet eine grafische Übersicht des politischen Fraktionsspektrums in Frankreich — zumindest wenn man ein einigermaßen aktuelles Flash-Plugin in seinem Browser installiert hat. In alle politischen Kreise kann man hineinzoomen, und erhält dann eine grafische Darstellung eines Netzes. Jeder Punkt im Netz ist ein Weblog. Die Vernetzung zeigt, welche Blogs mit welchen interagieren, also besonders eng verlinkt sind. Und alle Blogs eines Netzes werden ideologisch betrachtet dem jeweiligen politischen Kreis zugeordnet. Die Blogs sind anklickbar, und wenn man das Öffnen von Popups nicht verweigert, gelangt man schnell in die Tiefen der einzelnen Blogs.

Ob sich jedes Blog, das sich hauptsächlich oder teilweise mit Politik befasst, tatsächlich so einfach einer bestimmten politischen Richtung zuordnen lässt, sei dahingestellt. Ein interessanter Versuch ist es aber allemal, der da unternommen wird. Interessierte können auf diese Weise sehr schnell in medias res zoomen, also in mehr oder weniger persönliche (authentische?) Ansichten, Argumentationen und Wahrnehmungen.

Blogpole kann als ein weiterer Versuch gelten, Zugänge zu Inhalten zu jenseits klassischer Suchmaschinen oder Webverzeichnisse zu vermitteln. Services dieser Art haben auf jeden Fall Zukunft und werden in den nächsten Jahren vermutlich noch in großer Zahl aus dem Boden sprießen. Da die Technik und oft auch die Redaktion dahinter jedoch nicht trivial ist, wird auch diese Vielfalt wieder den üblichen Lauf nehmen: alles, was fließt, fließt am Ende in ein, zwei, vielleicht drei große Ströme.


Dienstag, 6. März 2007

Mit Rivva nur die echten News aus der Blogosphäre?

Für die Informationsversorgung im Reich der Weblogs bzw. ihrer RSS- und Atom-Feeds ist charakteristisch, dass sie weitgehend chaotisch und persönlich stattfindet. Genau das macht ja auch eigentlich den Charme aus: kein Zentralorgan mehr, das bestimmt, welche Nachricht eine Nachricht ist und welche nicht. Geschrieben wird, was für wichtig gehalten wird, und gelesen ebenfalls.

Nur hin und wieder sehnt man sich dann doch nach einer gewissen Übersicht und Vorauswahl. Denn vor allem das viele nichtssagende Kopieren, Syndizieren und Zitieren anderweitig aufgeschnappter News breitet sich wie eine Seuche aus. Authentische News, die aus eigenen Texten mit mehr als einem Halbsatz Länge bestehen, schwimmen in einem riesigen Strom mit lauter Blog-Einträgen, die nichts anderes als eines von Millionen YouTube-Videos präsentieren, oder nichts anderes enthalten als „gerade eben gelesen: [link]“, oder reine Trackbacking-Meldungen. Doch wer soll die Spreu vom Weizen trennen?

Ein Service namens Rivva versucht dies. Was dort bislang zu sehen ist, ist jedoch noch im Entwicklungsstadium. Frank Westphal, selbsterklärter Extrem-Programmierer, Ruby-on-Rails-Freelancer und Web-2.0-Technologist, entwickelt die Plattform. Rivva arbeitet mit einem Spider, also so wie Suchmaschinen. Der Spider klappert die deutschsprachige Blog-Landschaft ab und versucht dabei, wirklich authentische und lesenswerte News zu herauszufiltern. Durch die Vernetzung der Blogs untereinander lernt der Rivva-Spider auch leicht neue Blogs kennen.

In seinem eigenen Blog drückt Westphal seine Freude über den ersten Rivva-Entwicklungswurf jedenfalls ganz im Stil der guten alten Pointer Sisters aus: I'm so excited … and I just can't hide it!


Samstag, 10. Februar 2007

Blogging Tim Berners Lee und die FOAF-Idee

Das Zitat von Web-Begründer Tim Berners Lee, das die Kopfzeile des Webkompetenz-Blogs ziert, stammt übrigens aus einem BBC-Interview mit dem Titel Berners-Lee on the read/write web.

Berners Lee ist ja seit einiger Zeit auch selbst bekennender Blogger — wer es noch nicht kennt, sollte das Blog von Tim Berners Lee auf jeden Fall einmal aufsuchen. „Timbl's blog” verrät uns neben Beiträgen zu semantischem Web, HTML-Weiterentwicklung und Netzneutralität in einem Beitrag mit dem Titel Blogging is great, was ihn am Bloggen überhaupt reizt.

In dem Posting geht es jedoch gar nicht so sehr ums Bloggen. Die Kernaussage lautet stattdessen: „The way quality works on the web is through links.” („Qualität im Web basiert auf Links”). In dem Zusammenhang taucht auch ein Akronym auf, das vermutlich noch nicht allzu bekannt sein dürfte: FOAF. Es steht für „Friend of a friend” und soll in XML-Form dazu beitragen, die Beziehungen der Menschen untereinander (wer hat mit wem zu tun) abzubilden. Wenn sich jeder Web-Aktive so eine FOAF-Datei zulegen würde und Suchmaschinen, die das semantische Web abgrasen, die ganzen daraus entstehenden Beziehungen als Hyperlinks abbilden, dann wird sich vermutlich so mancher Zeitgenosse wundern, wie wenige Klicks zwischen ihm und einem Milliardär oder zwischen ihm und einem seiner am meisten verachteten Menschen liegen.

Meine persönliche Einschätzung dazu ist, dass die XML-Repräsentation solcher Daten wie bei FOAF zwar eigentlich optimal ist. Doch sie wird sich voraussichtlich schwer tun gegen einfachere, HTML-basierte Mikroformate wie XFN (XHTML „Friends Network”). Wie auch immer: Wem jetzt der Kopf raucht, weil er allen Links in diesem Eintrag gefolgt ist, der weiß zumindest, woran derzeit fieberhaft gewerkelt wird im Web. Und besonders freut mich, dass Tim Berners Lee kräftig mitmischt dabei.


 

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