Posts mit dem Label Browser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Browser werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 29. Mai 2007

Hypertext (5): Orientierungsmittel für Hypertext

siehe auch:
(1): Text und Linearität
(2): Computer und Hypertext
(3): Inhaltseinheiten und Verlinkung
(4): Suchen und Stöbern


Lost in Hyperspace

Beim Stöbern in den Inhalten eines Hypertextangebots besteht leicht die Gefahr, sich vom Hundertsten ins Tausendste zu verirren. Angenommen, eine Startseite enthält einige Verweise zu Seiten über Ortschaften. Man klickt eine der Seiten an. In den Inhalten zur Ortschaft klickt man auf einen Link zu einem Fürsten, in dessen Gemarkung die Ortschaft einst fiel. In den Inhalten zu dem Fürsten klickt man auf einen Link zu einer Hygienevorrichtung, die im Schloss dieses Fürsten bereits installiert war, was zu der damaligen Zeit alles andere als selbstverständlich war. In den Inhalten zu der Hygienevorrichtung klickt man auf einen Link zu einer Krankheit, die durch die Einführung dieser Hygienevorrichtung weitgehend besiegt werden konnte.

Man kann also sehr weit und interdisziplinär herumkommen, wenn man beim Hypertext-Stöbern spontan Verweisen folgt. Dies passt zu der Beobachtung, dass nur wenige Gedankenschritte nötig sind, um von einem beliebigen Gedanken zu einem beliebigen anderen Gedanken eine logisch sinnvolle Verbindung zu schaffen. Im obigen Beispiel genügen drei Links, um eine logisch nachvollziehbare Brücke zwischen einer Ortschaft und einer längst ausgerotteten Krankheit herzustellen. Als kognitiver Prozess betrachtet, ist so etwas durchaus bemerkenswert und faszinierend (Stichwort Serendipity). Aus Sicht des betroffenen Anwenders kann eine solche Gedankendrift jedoch auch als unerwünschte Ablenkung vom ursprünglichen Interesse empfunden werden. Solange in einer solchen Situation genügend Angebote existieren, über die der Anwender leicht zurückfindet oder sich anders orientieren kann, wird sich die Negativ-Empfindung vermutlich in Grenzen halten. Fehlen solche Angebote jedoch, tritt das sogenannte Lost-in-Hyperspace-Gefühl ein („verloren im Hyperspace“).

Stöbern in Hypertext lädt also zum Driften ein. Erfreuliche Mehrwerteffekte („Serendipity-Effekte“), die dabei auftreten können, sind nicht planbar. Unerfreuliche Lost-in-Hyperspace-Gefühle sind jedoch vermeidbar. Die Mittel dazu werden teilweise von der verwendeten Hypertext-Software bereitgestellt. Anbieter von Hypertext-Inhalten können jedoch ebenfalls entscheidend dazu beitragen, dass keine Lost-in-Hyperspace-Gefühle auftreten.

Hilfen zur Rück- und Neuorientierung

Ein Web-Browser ist Hypertext-Software für Anwender. Das kommt schon in bekannten Produktnamen wie Navigator oder Explorer zum Ausdruck. Das ganze Web und seine Technologien sind ebenfalls auf Hypertext ausgelegt. Im Web und in Web-Browsern sind daher auch typische software-seitige Mittel zur Rück- und Neuorientierung in Hypertexten vorgesehen. Diese Mittel sind jedoch keine neue Erfindungen, die erst durch das Web entstanden. Auch Hypertext-Software im Vor-Webzeitalter kannte bereits vergleichbare Mittel.

Backtracking/Historie

Im griechischen Mythos war es der Ariadnefaden, der Theseus wieder aus dem Labyrinth des Minotaurus heraushalf. Wer heute mit einem Web-Browser surft, zieht mit jedem neuen Seitenaufruf ebenfalls einen Ariadnefaden hinter sich her. Wenn man sich im Hyperspace verirrt, ist die Liste der bereits besuchten Seiten häufig ein willkommener Rettungsanker.

Die einfachste Form ist das schrittweise Zurückorientieren, Backtracking genannt. Nicht von ungefähr bezeichnet der Begriff im Englischen eine algorithmische Problemlösungsmethode. Auch dem Menschen kommt diese Methode entgegen. Moderne Browser bieten dazu in ihrer Werkzeugleiste eine Schaltfläche („Back-Button“) an. Durch wiederholtes Betätigen werden die zuvor besuchten Webseiten wieder angezeigt. Da die Browser deren Inhalte meistens in einem Cache gespeichert haben, müssen sie nicht einmal mehr aus dem Web übertragen werden, sondern sind sofort präsent. Eine interessante Ergänzung in diesem Zusammenhang ist die Geschwisterschaltfläche „Forward-Button“. Diese Funktion ist dann verfügbar, wenn ein Backtracking gestartet wurde. Sie ermöglicht das erneute Vorwärtsblättern, also gewissermaßen ein Backtracking zum Backtracking.

Während einfaches Backtracking dem Anwender hilft, um aus Hypertext-Sackgassen schnell und intuitiv wieder herauszufinden, dient die Historie bereits besuchter Inhalte eher der gezielten Neuorientierung. Moderne Browser machen die gespeicherte Historie über eine Sidebar, über Menüs oder über einen separaten Dialog zugänglich. Der Anwender kann sich die Titel gespeicherter Inhalte nach Besuchszeit oder nach Kriterien wie Domain-Namen sortieren lassen. Wie viele Daten oder welcher Zeitraum in der Historie gespeichert wird, ist einstellbar. Der Anwender kann die gesamte Historie außerdem jederzeit löschen.

Lesezeichen/Bookmarks/Favoriten

Ein Sachbuch ohne Inhaltsverzeichnis würde von den meisten Lesern mit gutem Recht als schwer zugänglich empfunden. Das Bedürfnis, sich über ein Inhaltsverzeichnis zu orientieren, besteht bei Hypertext-Inhalten ebenso. Für umfangreiche Hypertext-Angebote kann es jedoch nicht „das eine“ Inhaltsverzeichnis geben. Zur Grundausstattung einer ordentlichen Hypertext-Software gehört daher die Möglichkeit, sich ein eigenes, auf persönliche Interessen zugeschnittenes Inhaltsverzeichnis einzurichten.

Lesezeichen, Bookmarks oder auch Favoriten, wie sie je nach Software genannt werden, bestehen als Dateneinheit aus mindestens zwei Feldern: der Adresse eines Hypertext-Inhalts, und einem Titel, unter dem der Eintrag aufgelistet wird. Einige moderne Browser erlauben es darüber hinaus, Kurzbeschreibungen zu den Einträgen zu bearbeiten.

Da die meisten Anwender in der Praxis sehr schnell sehr viele Lesezeichen setzen, würde eine einfache Liste bald unübersichtlich. Deshalb werden die Lesezeichen heute in aller Regel in frei bearbeitbaren Verzeichnissstrukturen gespeichert, ähnlich wie Dateien im Verzeichnisbaum eines Datenträgers. Durch die Speicherform einer Verzeichnisstruktur lässt sich die Lesezeichenfunktion bei ordentlicher Verzeichnispflege tatsächlich wie ein persönliches Inhaltsverzeichnis nutzen. Für die meisten Web-Anwender ist das Lesezeichenverzeichnis ihres Browsers längst zum Standardinstrument geworden, um sich im Web zu orientieren. Ein Lesezeichenverzeichnis bewahrt auch vor Lost-in-Hyperspace-Gefühlen, da es jederzeit eine für den Anwender vertraute Möglichkeit der Neuorientierung bietet.

Da Lesezeichen mit dem Konnotat „hier halte ich mich gerne auf“ (daher auch die Bezeichnung „Favoriten“ im Internet Explorer) besetzt sind, sind sie nicht nur für den Benutzer interessant, der das Lesezeichen gesetzt hat. Webangebote wie del.icio.us oder basieren auf der Idee, dass Benutzer ihre Lesezeichen einfach online speichern. Der Anreiz für die Benutzer besteht darin, dass sie bei dieser Speicherart von überall auf ihre Lesezeichen zugreifen können. Aus dem gemeinsamen Pool aller Lesezeichen entsteht eine Art Web-Verzeichnis. Neben Titel, Zieladresse und Kurzbeschreibung erhalten die Lesezeichen dabei außerdem sogenannte Labels oder Tags, also Stichwörter. Indem alle Benutzer davon Gebrauch machen, wird Gemeinschaftliches Indexieren betrieben.

Verzeichnisse, Feeds und Software-Agenten

Wie gut ein persönliches Lesezeichenverzeichnis ist, hängt davon ab, wie viel der Anwender, der es pflegt, im Inhaltsangebot bereits entdeckt hat. Ein Lesezeichenverzeichnis dokumentiert letztlich immer, was der Anwender bereits kennt. Ebenso wichtig sind jedoch inhaltliche Übersichtsformen, die der Anwender nicht selber pflegt, und die ihm neue, bislang unbekannte Inhalte erschließen helfen.

Die klassische Form „allgemeingültiger“ Web-Inhaltsverzeichnisse repräsentierten in den Anfangsjahren des Webanbieter wie Yahoo. Eine frühere Version der Yahoo-Startseite zeugt noch vom ursprünglichen Charakter eines allgemeinen Linkverzeichnisses. Die gegenwärtige Version der gleichen Seite zeigt dagegen, dass dieser Anspruch aufgegeben wurde. Auch ehemals in diesem Bereich konkurrierende Services wie Excite, Lycos oder Web.de haben sich längst davon verabschiedet, primär ein allgemeines Verzeichnis für andere Inhalte zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einerseits sind all diese Services kommerziell orientiert und mussten nach Wegen suchen, um profitabel zu sein. Weitere Gründe für das Sterben der klassischen, redaktionell gepflegten Web-Verzeichnisse ist die schiere Masse an Inhalten im Web, das häufige Wechseln von Inhalten zu anderen Domains, sowie Pseudo-Inhalte, die beispielsweise nur Wikipedia-Inhalte kopieren.

Vielversprechender sind aus gegenwärtiger Sicht Inhaltsübersichten, die nicht mehr redaktionell zustande kommen, sondern durch Software-Prozesse. Ein Beispiel für diese Repräsentationsform sind die immer erfolgreicher werdenden Newsfeeds (RSS- oder Atom-Feeds). Die Aktivität des Anwenders beschränkt sich bei Newsfeeds darauf, News-Kanäle zu Themen, die ihn interessieren, zu abonnieren. Die Schlagzeilen und manchmal auch Anlesertexte der News eines abonnierten Kanals bekommt der Anwender dann automatisch und aktuell aufgelistet.

Die nächste Ausbaustufe auf dem Weg zu generierten Inhaltsübersichten sind Software-Agenten. Während die Crawler, Spider und Robots großer Suchmaschinen bereits ausgereifte Typen dieser Software-Gattung sind, führen Software-Agenten, die von Endanwendern gestartet werden, noch eher ein Schattendasein. Es ist jedoch absehbar, dass sich dies ändern wird.

Generierte Inhaltsübersichten lassen sich ähnlich wie Lesezeichenverzeichnisse in die Benutzeroberfläche eines Browsers integrieren. Sie bieten dem Anwender ein weiteres, ebenso wichtiges Mittel zur Rück- und Neuorientierung wie die persönlichen Lesezeichen.

Homepages/Startseiten

In den Anfängen des Web hatten vor allem Universitätsangehörige Zugang zum Web. Viele von ihnen hatten zugleich auch die Möglichkeit, auf den Universitätsservern unterhalb eines persönlichen Verzeichnisses eine eigene Homepage zu speichern. Obwohl diese Homepages öffentlich zugänglich waren, dienten sie in vielen Fällen nur dazu, persönliche Links ähnlich wie in Lesezeichenverzeichnissen zu sammeln. Nicht wenige Benutzer legten im Inhalt ihrer Homepage einfach den HTML-Inhalt der vom damals dominanten Netscape-Browser generierten Datei bookmarks.html ab. Im Browser als Startseite eingestellt, ermöglichten sie dem Homepage-Besitzer über den „Home-Button“, der wie der Back-Button zum Ur-Repertoire aller Web-Browser gehört, die schnelle Neuorientierung über eine vertraute Startseite.

Auch heute noch haben zahlreiche Anwender eine persönliche Startseite im Browser eingestellt. In Firmen und Organisationen ist das meistens die Einstiegsseite des Intranets. Wieder andere Anwender nutzen personalisierte Startseiten bei Services wie Netvibes, Google oder GMX als persönliche Startseite. Manch einer baut sich auch seine eigene lokale Homepage oder landet beim Start auf den Home-Button im Familien- oder Wohngemeinschafts-Wiki.

Eine persönliche Startseite im Browser kann also alles Mögliche sein. Doch sie will mit Bedacht gewählt sein. Denn der Klick auf den Home-Button ist bei drohendem Lost-in-Hyperspace-Gefühl oft die spontane Panikreaktion, weil der Anwender dadurch sofort wieder in seiner vertrauten Umgebung landet. Die Startseite und das unmittelbar daran angeschlossene Angebot tragen also wesentlich dazu bei, was ein Anwender vom Web zu sehen bekommt, und wie er sich im Web orientiert.

Verweise

Hypertext-Software wie etwa moderne Web-Browser bieten eine Menge Funktionen an, die dem Anwender jederzeit eine Neu- oder Rückorientierung ermöglichen. Innerhalb eines Hypertextangebots darf ein Anwender jedoch auch erwarten, dass projektinterne Möglichkeiten zur Neu- und Rückorientierung angeboten werden. Der Schlüssel dazu sind projektinterne Verweise (Hyperlinks), die eine bestimmte Funktion übernehmen.

Navigationsverweise

Navigationsverweise sind Verweise, die sich in unterschiedlichen Inhaltseinheiten wiederholen und dadurch aus Sicht des Anwenders „zuverlässig verfügbar“ sind. In der Regel wird eine Navigation aus einer Reihe von Verweisen gebildet. Das Verweis-Set einer Navigation ist als eigener Block vom eigentlichen Inhalt einer Inhaltseinheit gut erkennbar getrennt. Die darin enthaltenen Links stehen nicht im Kontext der gerade aufgerufenen Inhaltseinheit, sondern im Kontext des gesamten Hypertextangebots.

Im Ur-Konzept von Hypertext sind Navigationslinks nicht vorgesehen. Dort gibt es nur Inhalte und Links zu anderen Inhalten, also reine Assoziation zwischen Inhalten. Dieses Konzept ist jedoch zu radikal und überfordert die Anwender. Das Konzept der Inhalts-Navigation zusätzlich zu den rein assoziativen, kontextabhängigen Links im Inhalt hat sich in der Hypertext-Praxis als erfolgreicher erwiesen.

Die Hypertext-Praxis, besonders die mittlerweile zahlreich gesammelte Praxis bei Webseiten, hat auch verschiedene Arten von Navigationen hervorgebracht. So lassen sich beispielsweise statische Navigationen und dynamische Navigationen unterscheiden. Statische Navigationen bestehen aus immer den gleichen Verweisen in der gleichen Anordnung. Dynamische Navigationen haben zwar einen wiedererkennbaren Aufbau, doch können die angebotenen Verweisziele wechseln. Statische Navigationen eignen sich als Hauptnavigation, um zentrale Übersichten jederzeit aufrufen zu können. Dynamische Navigationen treten dagegen in Formen wie dem sogenannten Breadcrumb-Pfad („Brotkrümelpfad“), in Form von Vor/Zurückblätter-Leisten oder in Form spezieller Listen (dem Inhalt zugeordnete Kategorien, oder „andere Inhalte, die hierhin verlinken“).

Auf modernen Websites sind Navigationen längst nicht mehr wegzudenken. Obwohl sie technisch nicht anders als assoziative Verweise im Text realisiert werden, haben sie auf den Anwender eine völlig andere Wirkung. Zur Kunst des guten Webdesigns gehört deshalb auch, dem Anwender Navigationsbereiche als solche deutlich erkennbar zu machen. Die Navigation gibt ihm Halt und hilft ihm, sich eine Vorstellung vom Gesamtangebot der Website zu machen.

Verweise im Inhalt

Auch Verweise im Inhalt lassen sich so anordnen oder gestalten, dass sie dem Anwender mehr Orientierung bieten. So hat sich die erkennbare Unterscheidung von Links zu externen Zielen und Links zu projektinternen Zielen als sinnvoll erwiesen. Gerade weil moderne Websites sehr unterschiedlich gestaltet sind, zwingt ein externer Link den Anwender in der Regel zu einer kompletten Neuorientierung. Das ist er zwar beim Surfen im Web gewohnt, aber dennoch profitiert er davon, wenn er bereits vor dem spontanen Ausführen eines Links darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass das Verweisziel vermutlich eine Neuorientierung erfordert. Das Gleiche gilt für Verweise, die zu Inhalten führen, die nicht im Browser angezeigt werden können, sondern für die der Browser eine externe Anwendung starten muss, oder die er nur zum Download anbieten kann.

Problematisch ist weiterhin eine zu starke Anhäufung von Verweisen mitten im Text. Es stört das Textverständnis immens, wenn jedes zweite Wort eines Satzes anklickbar ist. Eine mögliche Lösung besteht darin, die Verweise in einen vom Text separierten, aber immer noch in seiner Nähe platzierten Bereich auszulagern.


Dienstag, 15. Mai 2007

Hypertext (4): Suchen und Stöbern

siehe auch:
(1): Text und Linearität
(2): Computer und Hypertext
(3): Inhaltseinheiten und Verlinkung


Information Retrieval: an Informationen kommen

Der Ausdruck Information Retrieval bedeutet aus Anbietersicht die Art, wie Information zugänglich gemacht werden soll, und aus Anwendersicht die Art, wie Information zugänglich ist. Im Prinzip lassen sich dabei zwei grundsätzliche Verfahrensweisen unterscheiden: die eine ist das gezielte Suchen nach bestimmten Daten oder einer bestimmten Information, und die andere ist das Stöbern in einem Informationsangebot.

Die klassische Datenverwaltung setzt beim Information Retrieval eher auf das Suchen. Größere herkömmliche Anwendungen, egal ob in Versicherungen oder beim Arbeitsamt, bieten ihren Anwendern typischerweise mehr oder weniger ausgefeilte Suchmasken an. Aus den Eingaben der Maske wird eine Abfrage der Datenbank erzeugt. Die Datenbank sendet eine Ergebnismenge an gefundenen Daten zurück. Diese Ergebnisse werden dem Anwender angezeigt.

Hypertext unterstützt von Haus aus eher das Stöbern. Nicht zufällig lautet das englische Wort für Stöbern to browse. Die Standard-Zugangssoftware für das World Wide Web, also die Web-Browser, sind also namentlich Stöberprogramme.

Vor- und Nachteile von Suchen und Stöbern

Die Vor- und Nachteile beider Formen des Information Retrieval hängen in erster Linie vom jeweils verfolgten Ziel ab. Suchen ohne einsteigendes Informationsangebot ist dann von Vorteil, wenn man genau weiß, wonach man sucht. Wer am kommenden Freitag mit der Bahn von Hamburg nach München fahren will und eine Zugverbindung sucht, dem ist mit einem geeigneten Suchformular am schnellsten geholfen. Stöbern ist dagegen von Vorteil, wenn man nur ungefähr weiß, wonach man sucht. Wer einen Ausflug plant und noch nicht so recht weiß wohin, dem hilft kein Suchformular. In solchen Fällen ist es besser, über ein hinführendes Informationsangebot auf Entdeckungsreise nach Angeboten zu gehen.

Nun können suchorientierte Angebote durchaus helfen, ungefähre Vorstellungen zu präzisieren. Wer im Web eine Partnerbörse aufsucht, kann über zahlreiche Multiple-Choice-Fragen Eigenschaften und Vorlieben seines Wunschpartners zusammenklicken und so die Ergebnismenge eingrenzen. Dennoch ist man bei suchorientierten Angeboten von der eigentlichen Information zunächst einmal abgeschirmt. Erst eine wohlformulierte Suche fördert eine Ergebnismenge aus dem eigentlichen Inhalt zu Tage. An der Formulierung der Suche führt kein Weg vorbei. Dazu sind Dialoge mit dem Anwender erforderlich, die meistens als Formulare realisiert sind.

Stöbern führt dagegen oft zu ganz anderen Ergebnissen bei dem, was ein Anwender am Ende auswählt, konsumiert oder tut. In Web-Angeboten, die zum Stöbern einladen, wählt man zwanglos einen Einstieg und lässt sich ebenso zwanglos durch weitere Links leiten. Durch ein paar Links gelangt man zu konkreter Information. Diese wiederum enthält diverse Links zu anderer Information. Oder man orientiert sich neu. Jedenfalls befindet man sich schnell mitten im Informationsangebot. Man ist nicht getrennt von der eigentlichen Information, doch dafür droht schnell der Überblick verloren zu gehen. Das Mindeste, was man in einer solchen Situation benötigt, ist eine Navigation. Sie ermöglicht die Neuorientierung beim Stöbern.

Keine der beiden Formen des Information Retrieval ist also der Königsweg. Festzuhalten bleibt, dass die Software-Gattung der Datenbank Management Systeme (DBMS) das Paradigma des Suchens geprägt haben, während Hypertext das Paradigma des Stöberns geprägt hat.

Verschwimmende Grenzen

Im Web kommen die Paradigmen von Suchen und Stöbern häufig zusammen. Die meisten größeren Webprojekte bieten Anwendern sowohl einen stöbernden als auch einen suchenden Zugang an. Allerdings wird eine der beiden Zugangsformen meistens optisch deutlich favorisiert. Viele Websites von Zeitungen, großen Firmen oder Organisationen laden den Besucher primär eher zum Stöbern ein, da die Optik aus direkten Inhalten wie aktuellen News auf der Startseite und einer oder mehreren Navigationsleisten besteht. Dennoch wird — oft nicht auf den ersten Blick sichtbar — in aller Regel auch ein kleines Suchfeld angeboten, das eine Volltextsuche im Informationsangebot ermöglicht. Andere Projekte wiederum begreifen sich primär als suchorientiert, bieten aber zusätzlich noch eine Art Linkverzeichnis an, um Anwendern, die einen stöbernden Einstieg bevorzugen, entgegenzukommen.

Datenkonzept
Brainstorming für ein Datenhaltungskonzept — Quelle: Wikimedia

Viele Informationsangebote haben durchaus den Wunsch, Anwendern beide Formen des Information Retrievals gleichberechtigt anzubieten. in der Praxis ist das jedoch oft nicht so einfach. Der Grund dafür ist, dass die Entscheidung darüber, wie ein Angebot Informationen zugänglich macht, häufig schon im Vorfeld getroffen wird — nämlich beim Daten-Design. Aus Anbietersicht ist es deshalb wichtig, sich mit der Art, wie Informationsdaten gespeichert werden, eingehend auseinander zu setzen. Angenommen, die Nutzdaten einer Website werden in einer relationalen Datenbank gehalten. Dort gibt es beispielsweise Datenbanktabellen für Philosophen, philosophische Begriffe und Definitionen von Philosophien zu philosophischen Begriffen. In solchen Relationen ist jedoch nirgendwo festgehalten, was eine Inhaltseinheit sein soll, also etwa eine Webseite. Ein Web-Frontend könnte zwar das bequeme Durchsuchen der Datenbank ermöglichen. Doch aus den gespeicherten Daten lässt sich weder eine Navigation erzeugen noch ein Set an durchstöberbaren Webseiten. Die Inhalte einer Inhaltseinheit können durchaus dynamisch aus einer Datenbank erzeugt werden. Doch um einen stöbernden Zugang anzubieten, muss in den Datenstrukturen der Datenbank bereits das druchstöberbare Webseitenangebot abgebildet werden — in welcher Form auch immer.


Dienstag, 8. Mai 2007

Mehr Hypertext mit Hyperwords

Wie wir in unserer Hypertext-Einführung bereits gelernt haben, besteht das entscheidende Merkmal von Hypertext eigentlich darin, dass dem Benutzer verwandte oder weiterführende Inhalte zu einer aktuellen Inhaltseinheit direkt verfügbar gemacht werden. Das klassische Mittel dazu ist der Hyperlink. Wohlgemerkt — das klassische Mittel, aber längst nicht mehr das einzige. Eine spannende Erweiterung für den Firefox-Browser mit dem Namen Hyperwords sorgt für deutlich mehr Hypertext-Feeling beim Browsen.

Langes und breites Erklären können wir uns ersparen, denn das YouTube-Video zu Hyperwords demonstriert die Funktionsweise der Erweiterung. Sie reagiert auf das Selektieren von Text im Browser. Über ein Kontextmenü stellt die Erweiterung dann etliche Möglichkeiten zur Verfügung, den selektierten Text als Input für Services im Web zu nutzen. Der selektierte Text kann so beispielsweise als Input für Google (auch Google Maps), Technorati, Wikipedia, Amazon, EBay, delicio.us, und viele andere Services genutzt werden. Über entsprechende Services lässt sich selektierter Text auch von einer Sprache in eine andere übersetzen. Der Clou dabei: zu übersetzender Text wird direkt im Original-Layout in der angezeigten Webseite durch den übersetzten Text ersetzt. Auch Seiten-Informationen, z.B. Whois-Informationen, Versionen-Informationen entsprechend der Internet Wayback Machine, DNS-Informationen, PageRank, HTML-Quelltext des ausgewählten Textes und vieles andere lässt sich direkt übers Kontextmenü abrufen. Ausgewählter Text lässt sich ferner ins eigene Blog einfügen, in eine Datei kopieren oder ausdrucken. Es dauert sicher eine ganze Weile, um der Erweiterung ihr volles Potential zu entlocken, doch der Lohn ist ein möglicherweise völlig neues Hypertext-Gefühl beim Surfen im Web.

Zahlreiche Einstellmöglichkeiten runden das Tool ab. Eine deutschsprachige Oberfläche gibt es bislang nicht, doch bei wachsender Installationszahl wird die Erweiterung über kurz oder lang sicherlich internationalisiert. Firefox-Benutzer können die Hyperwords-Erweiterung sofort aktivieren.


Sonntag, 1. April 2007

Blogcounter und webkompetente Browser

Nach einer gewissen Testphase, welchem kostenlosen Statistik-Service ich das hiesige Blog anvertraue, habe ich mich nun erst mal für Blogcounter entschieden. Ausprobiert habe ich noch die Services Google Analytics und Blogscout. Blogcounter bietet meiner Ansicht nach von allen die ausführlichsten Statistiken.

Einziges Manko bei Blogcounter ist die etwas anrüchige Form von versteckter Werbung, durch die sich der Service finanziert. Ende 2005/Anfang 2006 hat das für einige Empörung in der Szene gesorgt (Beispiel). In dem HTML-Code, der zum Funktionieren der Statistik in das eigene Blog-Template eingebunden werden muss, ist neben dem dafür üblichen JavaScript-Aufruf innerhalb eines alternativen noscript-Bereichs ein Link versteckt. Da die große Mehrheit der User in ihrem Browser JavaScript eingeschaltet hat, sieht sie nichts von diesem Link. Er stört also fast niemanden. Doch Suchmaschinen-Robots sollen ihm folgen und ihn beispielsweise beim PageRanking berücksichtigen. Besonders ärgerlich ist dabei, dass diese Links vornehmlich zu zweifelhaften Sites führen, deren Betreiber ein bekannter Spammer ist.

Ich habe mir erlaubt, im hiesigen Quelltext den Link aus dem noscript-Bereich einfach zu entfernen, denn in den AGB von Blogcounter habe ich nichts gefunden, was das verbietet. Der Counter funktioniert auch ohne den Link. Wenn dem Betreiber das nicht passt, soll er mich halt von dem Service ausschließen, und ich suche mir einen anderen Service.

Doch nun zum erfreulicheren zweiten Teil dieses Beitrags: neben anderen Statistiken bietet Blogcounter auch eine Browser-Statistik an. Für das Webkompetenz-Blog weist die Statistik folgende Zahlen aus:

Browser-Statistik

Die Abbildung zeigt nur Browser mit einem Anteil von über 1%. Erstaunlich ist dabei, dass es „MZ 1.8“, wohinter sich in aller Regel ein Firefox 2.0 verbirgt, auf satte 65% bringt, während der MS Internet Explorer in allen Versionen bei gerade mal 11% landet. Da kommen sogar schon Opera 9 (knappe 7%) und ein weiterer Gecko-Browser, nämlich Netscape (8%) nah heran. So ganz dem Volksdurchschnitt entspricht diese Verteilung leider noch nicht. Ich interpretiere sie jedoch als Zeichen von — na? Webkompetenz natürlich!


 

Get Free Shots from Snap.com