Mittwoch, 28. Februar 2007

Verlinken mit snap.com

Seit heute haben im Webkompetenz-Blog alle externen Links im Fließtext ein kleines Symbol hinter dem anklickbaren Linktext. Wenn JavaScript im Browser aktiviert ist, wird beim Überfahren des Symbols mit der Maus ein kleiner Layer über dem eigentlichen Seiteninhalt geöffnet, der einen Screenshot des Verweisziels zeigt. Ein wie ich finde gelungenes Beispiel für unauffällig platzierte, zusätzliche Hypertext-Information, die dem Leser in vielen Fällen bei der Entscheidung weiterhilft, ob er dem Verweis folgen soll oder nicht. Und aus meiner Autorensicht extrem praktisch, da ich keinen zusätzlichen HTML-Code dafür notieren muss. Ein kleines JavaScript im head-Bereich der Blog-Seite sorgt automatisch dafür, dass alle externen Links mit dem Symbol und seiner Funktionalität ausgestattet werden.

Vielleicht haben Sie diese Art von Vorschau-Screenshots in letzter Zeit schon öfters irgendwo gesehen. Das ist kein Zufall, denn dahinter steckt ein Web-2.0-typischer Service — Snap Preview Anywhere. Eigentlich ist snap.com nach Aussage der Suchfibel ein eher mittelprächtiges, vorwiegend in den USA bekanntes Verzeichnis. Der Snap-Preview-Service ist kostenlos.

Kritiker sollen nicht verschwiegen, aber kritisiert werden: so feiert Nanoblogs einen Cookie, mit dessen Hilfe sich der Snap-Preview eliminieren lässt. Vielleicht gibt es ja auch einen Cookie, der diese nervigen andersfarbigen Texte deaktiviert? Hyperlinks stören doch nur, und Gopher war viel besser. Da hatte man wenigstens noch einen vagen Bezug zum Dateisystem und ein wenig vom alten Glanz des FTP-Zeitalters, dessen Spezifikation noch von Jon Postel persönlich stammt ...

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Verlinken mit snap.com


Tutorial: Mikroformate (5)

Tutorial: Mikroformate (1) | (2) | (3) | (4)

Das Mikroformat für Kontaktdaten (hCard)

Die Basis für das hCard-Format ist das vCard-Format (vCard steht für visiting card, also Visitenkarte). Dieses Format kennen Sie vielleicht aus Microsoft Outlook oder vergleichbaren Anwendungen für E-Mail und/oder Personal Information Management. Entsprechende Dateien haben die Standardendung .vcf. Das vCard-Format ist ein RFC-standardisiertes Textformat zum Speichern von Adress- und Kontaktdaten. Verwendet wird es vor allem für den Datenaustausch. So bieten beispielsweise viele E-Mail-Programme die Möglichkeit an, die eigenen Kontaktdaten als vcf-Datei automatisch an alle ausgehende E-Mails anzuhängen. Der Mail-Empfänger kann die vcf-Datei dann direkt in seine Adressdaten importieren.

Werfen wir zunächst einen Blick auf einen typischen Inhalt einer solchen vcf-Datei:

BEGIN:VCARD
VERSION:3.0
N:Lyse;Anna
FN:Anna Lyse
ORG:Beispiel-AG
ADR;WORK:;;Phantasiestr. 1;Nirgendwo;;D-99991
TEL;WORK;VOICE:+49 999 12345
TEL;TYPE=CELL:+49 144 234422
TEL;WORK;FAX:+49 999 54321
URL:http://de.example.com/
EMAIL;INTERNET:anna.lyse@example.com
END:VCARD

Jede Zeile der Datei beschreibt ein Datenfeld. Zu Beginn steht der Name des Datenfeldes in Großbuchstaben. Getrennt durch einen Doppelpunkt, folgt der zugehörige Feldwert. Sowohl Feldnamen als auch Feldwerte können nochmals strukturell unterteilt sein. Solche Unterstrukturen werden durch Semikolonzeichen angegeben. Im obigen Beispiel etwa ist das Feld TEL;WORK;VOICE ein solcher Fall. TEL steht für „Telekommunikationsdatum“, WORK für „Büro/Geschäftlich“ und VOICE für „Festnetztelefon“. Ebenso wäre auch die Angabe TEL;HOME;VOICE möglich, nämlich für die private Festnetztelefonnummer.

Das Mikroformat hCard ist nichts anderes als eine Vorgabe, wie das vCard-Format in gültiges HTML umgesetzt werden soll. Da das gesamte vCard-Format unterstützt wird, können Sie sich, wenn Sie Spezifikationen mögen, mit den möglichen vCard-Feldnamen und ihrer korrekten Verwendung vertraut machen. Die offizielle Spezifikation und Dokumentation des vCard-Formats finden Sie unter:

http://www.ietf.org/rfc/rfc2426.txt
RFC (Request for Comment) 2426

Eine andere Möglichkeit, um sich mit dem vcf-Format vertraut zu machen, besteht darin, einfach Adressdatensätze aus einem E-Mail-Programm in vcf-Dateien zu exportieren. Voraussetzung ist natürlich, dass das Mailprogramm dies unterstützt. Mit einem Texteditor oder Text-Viewer können Sie anschließend die exportierte vcf-Datei ansehen.

Umsetzung ins hCard-Mikroformat

Sie können Kontaktdaten im hCard-Mikroformat im HTML-Quelltext einer Webseite dort platzieren, wo Sie möchten, also dort, wo die Daten auch angezeigt werden sollen.

Dabei haben Sie überraschend viele Freiheiten. Bei der Wahl der HTML-Elemente sind Sie nämlich vergleichsweise frei. Wichtig ist nur, dass Sie die logische Struktur der Daten abbilden, und dass Sie dabei die Feldnamen in Form von class-Attributen in HTML wiedergeben (kleingeschrieben).

Damit eine HTML-Baumstruktur als vCard-Abbildung erkennbar ist, muss sie in ein äußeres HTML-Element eingeschlossen werden, das class="vcard" zugewiesen bekommt. Beispiel:

<div class="vcard">
<!-- Inhalt der Kontaktdaten -->
</div>

Da es in HTML ein address-Element gibt, bietet sich aber auch dieses Element an:

<address class="vcard">
<!-- Inhalt der Kontaktdaten -->
</address>

Beide Beispiele sind erlaubt, genauso wie <span class="vcard"> oder <body class="vcard"> (letzteres bietet sich an, wenn eine Webseite nichts anderes als Kontaktdaten enthält).

Die vollständige Umsetzung unserer Beispiel-vCard könnte wie folgt aussehen:

<address class="vcard">
  <span class="n" style="display: none"> 
    <span class="family-name">Lyse</span>
    <span class="given-name">Anna</span> 
  </span>
  <span class="fn">Anna Lyse</span><br>
  <span class="org">Beispiel-AG</span><br>
  <span class="adr work">
    <span class="street-address">Phantasiestr. 1</span><br>
    <span class="country-name">D</span>-
    <span class="postal-code">99991</span> <span class="locality">Nirgendwo</span><br>
  </span>
  <span class="tel home voice">+49 999 12345</span> (privat)<br>
  <span class="tel cell">+49 144 234422</span> (geschäftlich)<br>
  <span class="tel work fax">+49 999 54321</span> (Fax geschäftlich)<br>
  <a class="url" href="http://www.example.com/">http://www.example.com/</a><br>
  <a class="email" href="mailto:anna.lyse@example.com">anna.lyse@example.com</a>
</address>

Im Browser sieht das beispielsweise so aus:

hcard-Daten im Browser

Selbstverständlich können Sie die class-Angaben zu den Detaildaten der Kontaktdaten auch mit CSS formatieren. Auch zusätzliche Attribute wie id=, style= oder auch Event-Handler sind innerhalb der Elemente, die ein vcard-spezifisches class-Attribut enthalten, kein Problem. Das Gleiche gilt für ergänzenden Text zwischen solchen Elementen. In unserem Beispiel stehen etwa die Texte (privat), (geschäftlich) usw. für die Kenntlichmachung der Telefoniedaten auf der Webseite außerhalb der für das Mikroformat bedeutungstragenden Elemente.

Beim Namen haben wir ein wenig getrickst. Für das Mikroformat eignet sich eine Struktur aus einem Elternelement mit class="n", das Kindelemente mit den class-Namen given-name und family-name enthält. Für das Mikroformat ist es jedoch sinnvoll, außerdem noch ein Element mit class="fn" (fn steht für full name) zu notieren, dass den gesamten Namen noch mal in der normalen Darstellungsform enthält. Damit der Name aber nicht doppelt auf der Webseite erscheint, haben wir das komplexe span-Konstrukt mit style="display: none" für die Anzeige unsichtbar gemacht.

Daten, die zur Anschrift gehören, können wie in unserem Beispiel in ein Element mit class="adr" als Kindelemente eingeschlossen werden. Einem class-Attribut dürfen auch mehrere Klassennamen zugeordnet werden, und zwar durch Leerzeichen getrennt. In unserem Beispiel haben wir mit class="adr work" kenntlich gemacht, dass es sich um die Geschäftsadresse handelt. Zusätzlich könnte auch ein paralleles Konstrukt mit class="adr home" notiert werden.

Auch bei den Telefonieangaben haben wir im Beispiel von den Mehrfachangaben zum class-Attribut Gebrauch gemacht, z.B. mit <span class="tel home voice">. Bei Telefonieangaben ist noch zu beachten, dass die Feldinhalte, also der Elementinhalt, im internationalen kanonischen Darstellungsformat für Telefonnummern notiert werden sollte. Dieses Format wird von manchen Programmen erkannt, die zwischen Landesvorwahl, Ortsvorwahl und Rufnummer unterscheiden.

Für Internet-Adressen bietet sich selbstredend das a-Element inklusive href-Attribut an. So werden im Beispiel die Mailadresse und die Webadresse der Firma anklickbar gemacht.

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Kontaktdaten im Rahmen der erlaubten hCard-Syntax noch ganz anders zu strukturieren. Unser obiges Beispiel ist nichts weiter als ein Muster, das für viele Praxisfälle anwendbar ist.


Montag, 26. Februar 2007

Gedanken zum Shutdown-Day

Wie die Süddeutsche Zeitung und andere berichten, sollen am 24. März 2007, einem Samstag, alle (Personal?) Computer aus bleiben. Stattdessen sollten sich ihre Besitzer draußen einen schönen Tag machen und vielleicht ein paar Freunde treffen. Auf der Initiatoren-Seite shutdownday.org können User via Abstimmung kundgeben, ob sie 24 Stunden ohne Computer auskommen können oder nicht.

Ein netter Marketing-Gag, der vermutlich in den nächsten Wochen nicht nur die Laber-Foren des Webs beschäftigen wird, sondern bis in die Kneipen zu den Stammtischen vordringen wird. Und ja, die meisten von uns kommen 24 Stunden ohne PC aus, genauso wie sie 24 Stunden ohne Autofahren, ohne Sex und ohne Fußball auskommen. Aber vielleicht wird der Marketing-Gag ja ein voller Erfolg, und zig Millionen Menschen befolgen die Aufforderung: Die Autobahnen zu den Freizeitparks werden dann so verstopft sein, dass die meisten den Tag in der Natur nur durch die offene Autofensterscheibe erleben werden. Die Kaufhäuser in den Fußgängerzonen werden zeitweise wie Oktoberfestzelte wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser werden überquillen mit Brüchen, Wunden und Verstauchungen, weil viele ihre Fähigkeiten beim ersten Mountain-Biking seit Jahren doch überschätzt haben. In Restaurants werden sich viele hungrige und durstige Menschen um wenige vorhandene Plätze streiten. In den Schwimmbädern wird man das Wasser nicht mehr sehen können vor lauter Badegästen. In 150 Ländern wird man am Ende etwa 500 Tote und 100.000 Verletzte in Folge der ungewöhnlichen Tagesplanung zu beklagen haben.

Nein, da bleibe ich dann doch lieber zu Hause an dem Tag, genieße die vollen Bandbreiten im Netz, und am Sonntag, also einen Tag danach, werde ich etwas Schönes unternehmen. Und ich werde denken „Selbstbestimmung ist doch eine feine Sache“ — mit und ohne Computer.


Sonntag, 25. Februar 2007

Google Grid (1): Orkut

Orkut (Wikipedia-Artikel/Web-Portal) ist eine Web-Plattform zum Finden von Freunden und Bekannten, zur Kontaktpflege und zum gemeinsamen Datenaustausch. Neu ist diese Idee nicht, und obwohl Orkut schon viele Millionen Nutzer hat (derzeit nach eigenen Angaben über 44 Millionen), ist es „gefühlt“ deutlich unbekannter als der bekannteste Vertreter dieser Plattformen: MySpace (Wikipedia-Artikel/deutsches Web-Portal). Selbst die auf den deutschen Sprachraum beschränkten Lokalisten (Wikipedia-Artikel/Web-Portal) sind noch eher bekannt als Orkut. Besonders in Brasilien soll Orkut allerdings wesentlich verbreiteter sein, nachdem das dortige Wochenmagazin Época im August 2004 einen Leitartikel über die Plattform gebracht hat. Zeitweise sollen bis zu 75% aller registrierten Orkut-User aus Brasilien gekommen sein.

Worin liegt nun die Besonderheit von Orkut? Gilt die Plattform, die immerhin schon Anfang 2004 in Betrieb genommen wurde, bislang nicht eher als Verlierer gegen MySpace? Aus Einzelsicht ist das heute sicherlich der Fall. Doch Orkut gehört zum Google Grid, also zu jenem prophezeihten Netzwerk aus Google-Webplattformen, die über ein gemeinsames Login erreichbar sind, sofern man über einen Google-Mail-Account verfügt, und die allesamt an eine Suchmaschine angebunden sind, deren Monopolstellung unbestritten ist. An vielen dieser Plattformen werkelt Google derzeit noch fieberhaft, weshalb vermutet werden darf, dass die Bewerbung des gesamtes „Grid“ von Google noch lange nicht im vollen Umfang forciert wird. Wenn erst einmal die Standardseite der Google-Websuche direkte Links zu Orkut und den ganzen übrigen Google-Plattformen anbieten sollte, würden sich deren Verbreitung und Bekanntheit vermutlich schlagartig vervielfachen.

Über Orkut erfährt Google, wer wen zu seinen Freunden und Bekannten zählt, welche Hobbies und Interessen jeder Einzelne verfolgt. Nicht, dass diese Informationen bald offen in der Google-Websuche präsentiert würden. Doch das „shared Login“ ermöglicht es Google, Orkut-Profildaten, E-Mails, Kalender, Google-Group-Aktivitäten, Picasa-Webalben, Google-Base-Inserate und zahlreiche andere Aktivitäten bei Google-Services einer Person zuzuordnen. Das dadurch entstehende Raster toppt vermutlich alles, was sämtliche Behörden, Banken und Versicherungen über die gleiche Person gespeichert haben.

Eine gute Übersicht zur Anwendungsstruktur speziell von Orkut bietet Lars Kasper. Bereits aus dem Gründungsjahr 2004 stammt ein Telepolis-Artikel über Orkut. Wer sich intensiver mit den Entwicklungen rund um Orkut befassen möchte, dem sei das englischsprachige Weblog Inside Orkut empfohlen.


Freitag, 23. Februar 2007

Web 2.0 für Normalos

Das Magazin Einfach für Alle, das sich dem barrierefreien Webdesign verschrieben hat, hat in seinem Blog vor einer Woche einen Beitrag mit dem Titel Wird Web2.0 Oma-kompatibel? veröffentlicht. Der Beitrag stützt sich auf den Blogeintrag Web2.0 nicht Oma-kompatibel, der bereits Anfang Januar im Blog von praegnanz.de erschien.

Abgesehen davon, dass man bei praegnanz.de einmal Picasa und die Google-Web-Alben in Augenschein nehmen sollte, ist den Ansichten voll zuzustimmen. So, wie sich die Web2.0-Society in der Öffentlichkeit bislang präsentiert, mag sie zwar eine mächtige Bewegung sein, doch sie kapselt sich letztlich ab. Im Grunde also wieder das alte Problem der ganzen Computer- und Internet-Branche: Experten und Trendjünger neigen dazu, den Kontakt zum normalen Anwender zu verlieren.

Vieles ist allerdings auch einfach eine Frage der Gewöhnung. Vor zehn Jahren lernten die Anwender, wie man im Browser seine Bookmarks verwalten kann, und heute lernen sie, wie man Social Bookmarks verwalten kann. Damals lernten sie, Verzeichnisse und Suchmaschinen für ihre Recherchen zu nutzen, und heute lernen sie, sich Folksonomy, Tag Clouds und Feeds als Recherche-Instrumente nutzbar zu machen. Wenn sie im Web publizieren wollten, führte kaum ein Weg am Erstellen von statischen HTML-Dateien vorbei, heute eröffnen sie ein Blog und benötigen HTML zwar immer noch, aber eher auf sekundärer Ebene. Die Fotos von den lieben Kleinen wurden früher per E-Mail verschickt, während der Trend jetzt dahin geht, in der E-Mail nur noch den Link zum eigenen Web-Album zu versenden. Wer nicht nur „surfen“ wollte (dieser Begriff ist übrigens mega-out!), benötigte alle erdenklichen Spezial-Clients, für das Usenet, für IRC, und natürlich einen Client für E-Mails. Mittlerweile gewöhnen sich immer mehr Anwender daran, all diese Services web-basiert zu nutzen, da immer mächtigere Webanwendungen und Technologien wie Ajax den Web-Browser allmählich zu einem Internet-Univeral-Client machen. Gerade für Anwender, die hinter einer Firewall sitzen oder die auf ihre Daten von ganz unterschiedlichen Orten und Rechnern zugreifen wollen, sind die neuen, web-basierten Anwendungen häufig ein Segen.

Es ist nicht zu vermeiden, dass bei diesen neuen Webanwendungen auch die Notwendigkeit neuer Termini technici entsteht. An was jedoch &mdash wie auch zu Beginn des Web-Booms &mdash wieder mal zuletzt gedacht wird, ist die Unsicherheit gewöhnlicher Anwender. Nun kann man ja viele der neuen Begriffe in der Wikipedia nachschlagen, wie etwa Mashup, Permalink, Trackback oder SEO. Aber mit dem Verständnis von Begriffen allein ist es nicht getan. Damit das, was sich dahinter verbirgt, konkrete Gestalt annimmt, muss man als Nutzer bereit sein, sich auf die ganzen neuen Webservices einzulassen, sich mal hier und da zu registrieren, und auszuprobieren, was es jeweils tut und taugt. Auf umfassende Beschreibungen zu hoffen ist vermutlich vergebens, da Beschreibungen für Benutzeroberflächen von Webanwendungen noch viel schneller veralten als Beschreibungen für Benutzeroberflächen herkömmlicher Desktop-Anwendungen.

Benötigt wird jedoch Motivation. Ein Normal-Anwender befasst sich eben nur dann mit neuem Computer/Internet-Lernstoff, wenn er einen Nutzen darin sieht. Der beste Weg, um die neuen Realitäten des Web 2.0 zu vermitteln, ist deshalb vermutlich der, nicht mit lauter unbekannten Begriffen anzufangen, sondern mit Wünschen, die ein Nutzer immer schon hatte, aber nie zu äußern wagte. So ein Nutzer wünscht sich vielleicht Verbraucher- und Konsumenteninformation jenseits von Werbung und Testzeitschriften, würde gerne mal wieder mit längst verlorenen Jugendfreunden Kontakt aufnehmen, oder mit noch unbekannten Gleichgesinnten ein Projekt organisieren. Er kennt die Websuche von Google, und er weiß, dass die bei solchen Wünsche nicht weiterhilft. Dieser Benutzer ist ein perfekter Kandidat für das Web 2.0. Vermutlich genügen ein paar Adressen, eine kurze How-To-Beschreibung und ein paar aussagekräftige, auf ihn zugeschnittene Screenshots, um ihn genügend zu motivieren.

Möglicherweise lassen sich die Omas sogar einfacher motivieren als einige alteingesessene Netzbewohner, die keiner Webanwendung trauen, die sie nicht selbst programmiert haben.


Donnerstag, 22. Februar 2007

Tutorial: Mikroformate (4)

Tutorial: Mikroformate (1) | (2) | (3)

Was sind Design-Patterns bei Mikroformaten?

Design-Patterns sind Entwurfsmuster. Im Bereich der Mikroformate sind es allgemeine Rahmenvorgaben, die bei der Entwicklung neuer Mikroformate berücksichtigt werden sollten. Dadurch soll verhindert werden, dass ein Wildwuchs an Auszeichnungen entsteht.

Ein Beispiel: Wenn ein Mikroformat entwickelt werden soll, das einen HTML-Hyperlink mit einer zusätzlichen semantischen Auszeichnung versehen soll, dann gibt dazu ein Design-Pattern vor, dass für solche Zwecke das rel-Attribut des a-Elements verwendet werden soll. Wenn also etwa jemand ein neues Mikroformat vorschlägt, das einen Hyperlink mit der Bedeutung „mein Verweisziel ist eine offizielle Spezifikation“ auszeichnen soll, so sollte der Vorschlag so etwas wie rel="specification" enthalten, nicht aber class="specification".

Eine Übersicht der Design-Patterns, die von der microformats-Community empfohlen werden, ist auf http://microformats.org/wiki/design-patterns zu finden.

Wie werden Mikroformate standardisiert?

Damit unterschiedliche Suchdienste und Web-Browser Mikroformate tatsächlich als solche erkennen, ist es unerlässlich, diese so stark zu standardisieren, dass die Entwicklung von Software auf maßgebliche Spezifikationen zurückgreifen kann.

Es gibt kein abgeschottetes Konsortium, das für die Standardisierung von Mikroformaten zuständig ist. Wer Interesse daran hat, an der Entwicklung und Weiterentwicklung von Mikroformaten mitzuarbeiten, kann sich auf microformats.org am Standardisierungsprozess beteiligen. Gute Englischkenntnisse sind allerdings neben fachlichem Know How erforderlich, da mit dem Standardisierungsprozess viel internationale Kommunikation verbunden ist. Folgende Adressen sollten Sie kennen:

  • http://microformats.org/discuss/
    Dort werden verschiedene Mailinglisten angeboten:
    microformats-discuss ist für allgemeine Diskussionen zu Mikroformaten gedacht,
    microformats-new ist für neue Vorschläge für Mikroformate und Diskussionen darüber gedacht,
    microformats-dev ist für Entwickler gedacht, die Mikroformate in Webanwendungen oder andere Software einbauen wollen,
    microformats-rest ist für Diskussionen zu REST Web Services gedacht (eine gelungene Einführung hierzu finden Sie auf http://www.oio.de/public/xml/rest-webservices.htm).
    Bei allen Mailinglisten können Sie sich wie bei allen klassischen Mailinglisten üblich an und abmelden.
  • http://microformats.org/wiki/process
    Diesen Artikel innerhalb des Wikis von microformats.org sollte jeder lesen, der neue Mikroformate entwickeln oder vorschlagen will. Das Wiki ist übrigens auch der Ort, an dem neue Vorschläge bis zur Spezifikationsreife fixiert werden. Bevor in dem Wiki jedoch Artikel mit neuen Vorschlägen angelegt werden, wird in jedem Fall eine Diskussion in der Mailingliste microformats-new gefordert. Erst wenn ein Vorschlag innerhalb der Mailinglisten-Community allgemeine Zustimmung findet, kann der eigentliche Spezifizierungsprozess beginnen. Der Artikel beschreibt auch, welche Inhalte innerhalb des Wikis für ein neu zu spezifizierendes Mikroformat angelegt werden müssen, und in welchen Phasen der Spezifizierungsprozess abläuft.

Dienstag, 20. Februar 2007

Das Elend invalider Templates

Nun bin ich ja einer, der aus der Ecke selbstgemachtes HTML kommt. Da überkam mich natürlich das Gruseln, als ich mal den W3C-Validator auf dieses Blog loslies. Die Liste der HTML-Verfehlungen in der Template-Engine von blogger.com ist wirklich schlimmer als alles, was Homepage-Novizen so fabrizieren. Darüber können auch die ganzen im Quelltext so supercool und professionell aussehenden outer-wrapper-divs und dergleichen nicht hinwegtäuschen.

Es geht schon mit Blog-Einträgen wie diesem hier los: ein gesamter Blog-Eintrag wird von der Template-Engine automatisch in <p>...</p> eingeschlossen, was völliger Unfug ist. Denn dadurch führt jede Verwendung von Zwischenüberschriften, Listen und anderen Blockelementen innerhalb des Eintrags zu einem groben Verstoß (p-Elemente dürfen keine anderen Blockelemente enthalten). Aber die Liste der Mängel ist noch viel, viel länger. Ein Thread der Blogger Help Group hat das Elend bereits angeprangert.

Eine besondere Schwere der Schuld ist meiner Ansicht nach auch deshalb gegeben, weil es sich hierbei um Templates handelt, die zigtausendfach verwendet werden, und in denen abermillionen Webseiten produziert werden. Ein solch fahrlässiges Multiplizieren von invalidem HTML-Code macht wirklich alle Anstrengungen zunichte, mit denen in den letzten Jahren versucht wurde, Website-Betreiber zur Standardkonformität zu erziehen.

Sicher gibt es Auswege — eigenes Blog-Hosting mit selbst kontrollierbarer Blog-Software usw. Doch das ist nur ein Ausweg für ein paar Profis, nicht aber für die Masse der Blogger. Und ich möchte gar nicht wissen, in wie vielen anderen Web-2.0-Services der HTML-Standard ähnlich mit Füßen getreten wird. Die Validierung des Webkompetenz-Forums ist schon mal ähnlich vernichtend. Meine User-Seite bei Mr. Wong kommt mit 12 Validator-Meldungen fast noch glimpflich davon. Scheint aber wirklich ein ziemliches Schmuddel-Web zu sein, dieses „Web 2.0“ &mdash zumindest aus Markup-Sicht.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Betreff: Das Elend invalider Templates


Tutorial: Mikroformate (3)

Tutorial: Mikroformate (1) | (2)

Welche Mikroformate gibt es?

Die Frage ist deshalb nicht eindeutig zu beantworten, weil sie genaugenommen lauten muss: welche Mikroformate haben bereits den Status eines Standards? Es bleibt also an der Frage hängen, was man unter „Standard“ versteht. Keines der existierenden Mikroformate ist in einem Standard festgeschrieben, der die „industrial strength“ etwa von HTML 4.01, XHTML 1.0 oder auch HTTP 1.1 hat. Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Akzeptanz von Mikroformaten erst einmal wächst. Mikroformate sind offene Standards, die unter einer Creative-Commons-Lizenz stehen. Die Web-Anlaufstelle für den Standardisierungsprozess ist die Microformts-Community-Site microformats.org (weitere Details dazu in Teil 4 unseres Tutorials). Dort werden folgende Mikroformate bevorzugt aufgelistet:

hCard: Mikroformat zur Auszeichnung von Kontaktdaten. Datenstrukturierung, Feldnamen und mögliche Werte orientieren sich dabei am vCard-Format, einem Standard des Internet Mail Konsortiums, der im RFC-Dokument 2426 festgeschrieben ist.
Nutzen: wenn von Web-Autoren konsequent angewendet, könnten Suchmaschinen zu weltweiten Adressbüchern werden und Browser persönlich relevante Kontakte von besuchten Webseiten sammeln und für andere Anwendungen exportieren.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/hcard

hCalendar: Mikroformat zur Auszeichnung von Kalenderereignissen (Termine, Veranstaltungen usw.). Datenstrukturierung, Feldnamen und mögliche Werte orientieren sich dabei am iCalendar-Format, einem Standard des Internet Mail Konsortiums, der im RFC-Dokument 2445 festgeschrieben ist.
Nutzen: wenn von Web-Autoren konsequent angewendet, könnten Suchmaschinen zu weltweiten Event-Kalendern werden und Browser persönlich relevante Kalenderereignisse von besuchten Webseiten sammeln und für andere Anwendungen exportieren.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/hcalendar

hReview: Mikroformat zur Auszeichnung von Bewertungen, Rezensionen oder Testberichten zu Produkten, Diensten, Veranstaltungen usw.
Nutzen: wenn von Web-Autoren konsequent angewendet, könnten Suchmaschinen gezielt alle „Reviews“ etwa zu einem bestimmten Produkt, zu einem bestimmten Dienstanbieter, zu einem bestimmten Buch oder zu einer bestimmten Veranstaltung auflisten.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/hreview

VoteLinks: Mikroformat zur wertenden Auszeichnung von Hyperlinks, d.h. um beispielsweise anzugeben, ob man das Verweisziel zustimmend oder ablehnend gegenübersteht.
Nutzen: Suchmaschinen könnten die in Hyperlinks enthaltenen Voting-Informationen beispielsweise als Page-Ranking-Kriterium für die bewerteten Verweisziele berücksichtigen.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/vote-links

rel-licence: Mikroformat zur Auszeichnung eines Hyperlinks mit der Bedeutung „dieser Link führt zu einer Seite mit Lizenzinformationen zum aktuellen Inhalt“.
Nutzen: bei konsequenter Anwendung durch Web-Autoren könnten Suchmaschinen beispielsweise Statistiken darüber erstellen, wie verbreitet bestimmte Lizenzformen sind.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/rel-license

rel-tag: Mikroformat zur Auszeichnung eines Hyperlinks mit der Bedeutung „dieser Link führt zu einer Seite mit weiteren Links zum gleichen Tag (Stichwort)“. Zugleich wird damit aber auch auf HTML-Code-Ebene ein „Tag“ für die aktuelle Webseite gesetzt. Ziele sind entsprechende Adressen bei Anbietern wie del.icio.us, Technorati oder Mr. Wong oder auch „Labels“ etwa innerhalb von Blogs.
Nutzen: Suchmaschinen, die tag-basiert arbeiten, können solche Links erkennen und berücksichtigen.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/rel-tag

XFN: Mikroformat, um in einem Hyperlink zu einem persönlichen Ziel (Homepage, Blog, Mailadresse) anzugeben, in welcher Beziehung der Linksetzende zum Eigentümer des Verweisziels steht.
Nutzen: wenn von Web-Autoren konsequent angewendet, könnten Suchmaschinen aus den so gewonnenen Informationen Beziehungsstrukturen zwischen Personen, Körperschaften usw. ermitteln und beispielsweise grafisch abbilden.
Spezifikations-Adresse: http://www.gmpg.org/xfn/

XOXO: Mikroformat zur Auszeichnung von aufklappbaren, baumartigen Listenstrukturen aller Art.
Nutzen: Web-Browser könnten die reine HTML-Auszeichnung nutzen, um explorer-artiges Aufklappen und Zuklappen von Listen zu ermöglichen. Mehr oder weniger aufwändige JavaScript-Lösungen, die heute für solche Zwecke benötigt werden, wären damit hinfällig.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/xoxo

Neben diesen Mikroformaten gibt es diverse andere, die nicht minder nützlich sein könnten. Einige seien hier noch genannt:

geo: Mikroformat zur Auszeichnung von geographischen Koordinaten (Längen- und Breitenangaben).
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/geo

Robots Exclusion: Mikroformat, um Suchmaschinen-Robots mitzuteilen, dass bestimmte Teile einer Webseite nicht indexiert werden sollen. Dieses Mikroformat ist eine Verfeinerung der Datei robots.txt und des HTML-Meta-Tags <meta name="robots">.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/robots-exclusion

xFolk: Mikroformate zur Auszeichnung von „social Bookmarks“. Damit könnten Webanwendungen wie die von del.icio.us, Technorati oder Mr. Wong gewünschte Bookmarks direkt aus dem Quelltext von Webseiten ziehen.
Spezifikations-Adresse: http://microformats.org/wiki/xfolk


Montag, 19. Februar 2007

Google Grid (0)

Kenner wissen Bescheid, einige wahrscheinlich schon seit 2004, als das Flashmovie meinen Recherchen zufolge erstmals im Web erschien. Es war ja schließlich auch das Jahr, in dem alles begann (will man dem Flashmovie glauben). Wer jetzt noch nicht weiß, wovon hier die Rede ist, sollte sich erst mal eine Weile Zeit nehmen und das Flashmovie auf sich wirken lassen. Folgende Varianten stehen zur Auswahl:

Das Google-EPIC-Movie schlug in der Szene bereits hohe Wogen und sorgte für einigen Diskussionsstoff. Bis Google EPIC (EPIC steht für Evolving Personalized Information Construct) über die Welt hereinbricht, bleiben jedoch noch sieben Jahre, will man wieder dem Flashmovie glauben. Seit 2006 jedoch gibt es der Vision zufolge Google Grid. In der Realität trägt zwar nichts von Google diesen Namen, doch wenn man sich einmal näher mit den ganzen neueren Services von Google auseinandersetzt, kann man sich durchaus an ein Raster (grid) im Sinne der Rasterfahndung erinnert fühlen.

Grund genug, die Services, die zum Grid gehören, einmal im Kontext ihrer Zusammengehörigkeit zu betrachten. Den Anfang wird demnächst Google Grid (1): Orkut machen.


Sonntag, 18. Februar 2007

Medienkompetenz 2.0?

Die Zeit des reinen Anschauens und Lesens von Inhalten im Netz ist offensichtlich vorbei, hat die Staatskanzlei von Nordrhein-Westfalen erkannt. In zwei kürzlich durchgeführten Workshops — einem für Anwender und einem für Experten — wurden verschiedenste Themen referiert, von Qualitätssicherung in Wikis über Datensicherheit und Datenschutz bis hin zu Podcasts als Bürgerfunk. Als klare Konsequenz aus allem ergab sich offensichtlich, dass die Vermittlung von Medienkompetenz ein vorrangiges Ziel für die politische Arbeit sein müsse. Der Bericht im Magazin media|NRW erscheint jedenfalls unter der Überschrift "Medienkompetenz 2.0" in NRW.

Nun ist ja Medienkompetenz ein Begriff, der bereits eine lange Geschichte mit sich herumschleppt (Hans Magnus Enzensberger gehört zu den frühen Gestalten, die diesen Begriff prägten). Der heute brodelnde Teil der Medienlandschaft ist indes das Web, denn dort spielen sich all die neuartigen Dinge ab, die in stetig zunehmendem Maße die Gesellschaft beeinflussen. Deshalb bezeichnen wir das, was im erwähnten Artikel als "Medienkompetenz 2.0" bezeichnet wird, hier einfach als Webkompetenz ;-)

Webkompetenz hat jedoch die gleichen Ziele wie Medienkompetenz allgemein, eben nur auf den Umgang mit dem Web bezogen. Die Ziele sind:

  • Sich im Web selbstständig zurechtfinden zu können, also die verschiedenen (auch neueren) Möglichkeiten zum Suchen nach Inhalten zu kennen und richtig einzusetzen.
  • Sich bewusst mit Inhalten auseinandersetzen zu können, also das Vermischen von Tatsachen und Meinung zu erkennen, verschiedene Darstellungen zu vergleichen, oder den Unterschied zwischen Humor und Ernst zu erkennen.
  • Sich angemessen reagierend beteiligen zu können, also Kommentarfunktionen, Diskussionsforen und ähnliche Möglichkeiten so zu nutzen, dass Kommunikation dadurch gefördert und nicht zerstört wird.
  • Bei Interesse selbst zum Inhaltsproduzenten werden, etwa durch einen eigenen Blog, durch einen eigenen Podcast oder auch durch eine herkömmliche Webpräsenz, und sich über die Verantwortung bewusst zu sein, die damit verbunden ist.

In jedem Fall darf es als begrüßenswerter Vorstoß gewertet werden, den das Land Nordrhein-Westfalen da unternommen hat. Denn insgesamt sieht es, was Politik und Web 2.0 betrifft, eher noch lau aus.


Noch 100 Meter bis zum Internet

1999, als dieses Bild entstand, hatte das Internet irgendwie noch seinen festen Platz. Online war man nicht einfach, nein, man musste online gehen, zumindest im Privatleben. Über Analog-Modem oder ISDN-Karte wählte man sich bei seinem Provider ein, und dann musste man sich entweder beeilen, weil nach Zeittakt abgerechnet wurde, oder man musste sich im Konsum zurückhalten, weil man für die Menge der übertragenen Daten zahlte.

Sowohl die Tarifierung nach Zeit als auch diejenige nach Datenvolumen verhinderten nachhaltig, dass man sich sorglos im Web tummeln konnte. Denn gerade das Web verlangt eine gewisse Muße, und es werden kaum kontrollierbare Mengen an Daten dabei übertragen. Selbst diejenigen, die zu jener Zeit schon zu den Aktiven im Web gehörten und beispielsweise eine eigene Homepage hatten, waren die meiste Zeit ihres Lebens vom Internet getrennt. An ein „Leben im Web” war nicht zu denken.

Zufriedenstellend war diese Situation jedoch nicht. Man lebte in einer modernen, technisierten Welt, mit Airbags, automatischer Zimmertemperaturregelung und Dolby Surround. Doch beim Internet-Zugang wurde man den Eindruck nicht los, sich im Dampfmaschinenzeitalter zu befinden. Langsame, instabile und teuere Verbindungen sorgten immer wieder für Verärgerung. Der Druck auf den Providermarkt und die Industrie wuchs. Mit Erfolg: Mittlerweile sind sowohl Breitband-Zugänge als auch Flatrates nicht mehr nur in Hightech-Ländern auf dem Vormarsch. Besonders in Kombination ändern diese beiden Faktoren — Breitband-Zugang und Flatrate — aber auch das Nutzungsverhalten. Jetzt ist man online. Das Web ist kein fremdes Element mehr, in das man nur mit Tauchanzug und begrenztem Sauerstoffvorrat kommt, sondern man kann darin ganz normal atmen und sich so lange aufhalten wie man will.

Die Folgen, die dieser Wandel beim Nutzungsverhalten nach sich zieht, sind gewaltig. Plötzlich wird den Usern langweilig im Netz. Sie surfen nicht mehr nur schüchtern die Site ihres Lieblings-Stars oder ihres bevorzugten PC-Spiels ab, um vielleicht noch zwei, drei Cheats herunterzuladen. Sie sind plötzlich omnipräsent. Die Infrastruktur des Webs hat darauf bereits reagiert - mit jenen Angeboten, die gemeinhin unter „Web 2.0” subsummiert werden. Aber wird das Web wirklich profitieren, wenn zig Millionen Leute ihre Fotoalben statt im Wohnzimmerschrank auf Webservern aufbewahren, ihre täglichen Notizen in ein Blog schreiben und sich in Finde-Freunde-Communities zur Schau stellen?

Die Frage ist vermutlich müßig, weil die Entwicklungen im Web selbst die Antwort schon längst gibt. Auch ich musste mich von meiner anfänglichen Vorstellung verabschieden, im Web einfach nur ein originaldemokratisches Publikationsmedium zu sehen. Das ist es zweifellos, aber es ist eben noch viel mehr. Das Web ist nur mit Papier vergleichbar, welches ja bekanntlich geduldig ist und sich nicht nur für hochintellektuelle Ergüsse, sondern auch für hastige Notizen und belanglose Kritzeleien eignet. Und wie es weitergeht? Vielleicht so, wie es das EPIC-2015-Video (Flash) prophezeiht? (danke an stefan2904 für den Link zum ins Deutsche übersetzten Video)


Freitag, 16. Februar 2007

Tutorial: Mikroformate (2)

Tutorial: Mikroformate (1)

Wo kann ich Mikroformate in Aktion sehen?

Suchmaschinen senden bekanntlich „Wanderprogramme“ aus, Robots, Spider oder Crawler genannt. Diese Programme lesen den Quelltext der Webseiten aus und folgen den darin enthaltenen Links. Auch der übrige HTML-Code wird dabei analysiert. So werden in der Regel auch Überschriften erkannt, und ihr Inhalt erhält bei der Suche beispielsweise mehr Relevanz als normaler Text. Was aber, wenn Suchmaschinen auch Mikroformate erkennen?

Eine Suchmaschine dieser Art ist Technorati Kitchen:
http://kitchen.technorati.com/search/

Geben Sie zum Testen im Suchfeld der Seite beispielsweise den Namen einer großen Stadt wie Berlin, Hamburg oder München ein. Sie erhalten dann alle Kontakte, Kalenderereignisse und Reviews (z.B. von Restaurants), die Technorati Kitchen auf Grund von Mikroformaten in der betreffenden Stadt finden konnte. Wenn Sie Suchtreffer anklicken, landen Sie auf Seiten, in denen die Mikroformate angewendet werden. Es handelt sich um ganz normale Webseiten, genauer um Blogs. Letzteres liegt daran, dass Technorati eine Suchmaschine speziell für Blogs ist. Es gehört jedoch nicht viel Phantasie dazu sich auszumalen, wie alle Suchmaschinen schnell zu weltweiten Adressbüchern oder Veranstaltungskalendern werden könnten, wenn die Autoren von Webseiten solche Daten konsequent mit den entsprechenden Mikroformaten auszeichnen.

Neben Suchmaschinen können aber auch Web-Browser Nutzen aus Mikroformaten ziehen. Wenn Sie den Firefox-Browser einsetzen, können Sie mögliche Anwendungsfälle bereits über eine Erweiterung ausprobieren.

Laden Sie sich dazu die Tails Firefox Extension herunter:
http://blog.codeeg.com/tails-firefox-extension-03/

Klicken Sie den Link für die Erweiterung (xpi-Datei) an. Die Erweiterung wird installiert. Um die Erweiterung verwenden zu können, benötigen Sie außerdem sogenannte Tails Scripts. Es handelt sich um JavaScripts. Der Autor der Erweiterung bietet selbst solche Scripts an.

Webseite mit Tails Scripts:
http://blog.codeeg.com/tails-firefox-extension-03/tails-scripts/

Klicken Sie die Scripts an, die Sie verwenden möchten. Das jeweils angeklickte Script wird im Quelltext angezeigt. Über eine Schaltfläche oben auf der Webseite lässt sich das Script installieren.

Beenden Sie Firefox, nachdem Sie die Erweiterung und die gewünschten Tails Scripts installiert haben. Starten Sie den Browser anschließend neu. Die Erweiterung ist nun verfügbar. Sie hat sich unauffällig in der Statuszeile von Firefox in Form eines Symbols eingenistet:

bedeutet: auf der aktuell angezeigten Webseite wurden keine Mikroformate erkannt.
bedeutet: auf der aktuell angezeigten Webseite wurden Mikroformate erkannt.

Rufen Sie zum Testen eine Seite auf, die Mikroformate enthält, beispielsweise: http://www.rss-blogger.de/b2e/blogs/

Klicken Sie das farbige Symbol an. Ein Overlay-Fenster wird angezeigt:

Klicken Sie den Namen an. Kontaktdaten werden angezeigt. Hinter den angezeigten Kontextlinks wie z.B. Send Email oder Map with Google verbergen sich diejenigen Tails Scripts, die Sie heruntergeladen und installiert haben.

Um das Overlay-Fenster der Erweiterung wieder zu schließen, klicken Sie erneut das Symbol in der Statusleiste an.

Für die Version 3 des Firefox-Browsers ist die eingebaute Unterstützung aller gängigen Mikroformate und anderer Bestandteile des „semantischen Webs“ bereits fest vorgesehen. Eine direkte Unterstützung durch verbreitete Browser ist allerdings auch erforderlich, wenn Mikroformate jemals so bedeutsam werden sollen, wie sie jetzt schon gehandelt werden.


Donnerstag, 15. Februar 2007

Google-Mail ohne Einladung

Vor fast drei Jahren, im April 2004, startete Google seinen Freemail-Service Gmail. Wegen eines Markenrechtsstreits wurde der Service mittlerweile in Google Mail umbenannt.

Der Service machte von Beginn an durch diverse Besonderheiten auf sich aufmerksam. Nicht nur der anfänglich großzügig bemessene Speicherplatz von einem Gigabyte (mittlerweile fast drei Gigabyte, wobei der Speicherplatz dynamisch alle paar Sekunden um ein paar Byte wächst) sorgte für Schlagzeilen, sondern auch die abweichenden Konzepte (die Weboberfläche von Google Mail versucht nicht, einen klassischen Mail-Client zu imitieren), der Verzicht auf eingefügte Werbung in versendeten Mails und das Nutzergewinnungsprinzip (obwohl der Service frei war, musste man von jemandem eingeladen werden, der bereits über einen Account bei Google Mail verfügte).

Diese Schranke ist mittlerweile gefallen: Wie auf More People Can Sign up for a Gmail Account berichtet wird, kann nun jeder ohne jemanden zu kennen, den man um Einladung bitten könnte, einen Google-Mail-Account einrichten. Die Seite zum Einrichten des Accounts bietet keine anderen Hürden mehr als vergleichbare Seiten anderer Freemail-Hoster.

Damit ist es nun zumindest einfacher, selbst auszuprobieren, ob man Google Mail mögen soll oder nicht. Zumindest für Anwender, die auch andere neuere Services von Google intensiv nutzen, wie Groups, Reader, Kalender, Notebook, Bookmarks, Docs, Web-Alben, Video, Base oder Alerts, ist eine Google-Mailadresse von Vorteil, da die Anmeldung für die übrigen Services problemlos übernommen werden kann.

Die durchaus faszinierende Web-2.0-Welt, die Google mit all diesen Services inklusive Mailservice derzeit fieberhaft errichtet und ausbaut, hat aber nicht nur Befürworter. Kritiker befürchten, dass Google mit all den persönlichen Daten, die dort hinterlegt werden, in Verbindung mit dem ausgereiftem Durchsuchungs-Know-How Profildaten über einzelne Anwender erstellen kann, die schon fast an eine Truman Show erinnern. Der Wikipedia-Artikel zu Google Mail eignet sich als Ausgangspunkt für eine nähere Beschäftigung mit dem Thema.


Mittwoch, 14. Februar 2007

Web-2.0-Workshop vom Schockwellenreiter

Zu den bekanntesten und ältesten Ein-Mann-Blogs in deutscher Sprache zählt sicher der Schockwellenreiter alias Jörg Kantel. Im Blog-Eintrag Web 2.0: Werkzeuge für die Wissenschaft berichtet Kantel darüber, dass er beim 23. DV-Treffen der Max-Planck-Gesellschaft am 15.11.2006 einen Workshop gehalten hat. Daraus ist ein 34seitiges Dokument entstanden, das Kantel in PDF-Form zum Download anbietet:

Web 2.0: Werkzeuge für die Wissenschaft als PDF-Dokument (ca. 3 MByte)

Mein erster Leseeindruck: möglicherweise das Fundierteste, was es bislang in deutscher Sprache zum Themenkomplex „Web 2.0” gibt! Wer also nicht nur Kanonenfutter für die "User-generated-content-Maschine" sein will, sondern sich reflektiert mit der Materie auseinandersetzen möchte, dem sei die Lektüre dieses Dokuments unbedingt empfohlen!

Kantel bittet in dem zugehörigen Blog-Posting auch um Diskussion über das Dokument bzw. darin enthaltene Einschätzungen und Thesen. Soll er haben! (hoffentlich)


Tutorial: Mikroformate (1)

Wenn Sie sich mit Mikroformaten beschäftigen wollen, müssen Sie zunächst einmal über solide HTML-4-Kenntnisse verfügen, denn Mikroformate sind nichts anderes als spezielle, aber standardkonforme Auszeichnungen in HTML.

Was sind Mikroformate?

HTML ist bekanntlich die Basis-Auszeichnungssprache für Webseiten. Wer schon mit HTML gearbeitet hat, weiß, dass man damit Texte strukturiert auszeichnen kann. HTML kennt verschiedene Überschriftenebenen, Textabsätze, Aufzählungslisten, nummerierte Listen, Glossarlisten, Tabellen. Weiterhin diverse Inline-Auszeichnungen, etwa für hervorgehoben Text, Zitate oder Abkürzungen. Außerdem Auszeichnungen für Verweise, für Grafikreferenzen, Multimediareferenzen, Formulare, ihre Dialogelemente und verweis-sensitive Grafiken. Und last but not least eine Reihe von Auszeichnungen für Metadaten, logische Beziehungen zu anderen Inhalten, sowie zum Einbinden von Scripts und Stylesheets.

Dennoch klagen viele, die mit HTML arbeiten, immer wieder darüber, dass es für viele Fälle keine ordentlichen Auszeichnungen gibt. Eine News etwa, die aus Schlagzeile, Anlesertext, Langtext und Autorenangabe besteht, lässt sich in HTML nur durch Elemente abbilden, die in keiner Weise darauf hindeuten, dass es sich um eine News handelt. Wer mit HTML ein Meeting-Protokoll auszeichnen will, hat keine adäquaten Elemente, um anwesende Teilnehmer, Tagesordnungspunkte, vorgebrachte Argumente, Ergebnisse und Beschlüsse auszuzeichnen. Und für Kontaktdaten gibt es zwar ein Element namens <address>...</address>, doch keine Substruktur für Daten wie Anschrift, Telefon, E-Mail usw.

Genau an dieser Stelle setzen Mikroformate an. Wer jetzt allerdings irgendetwas Besonderes und Geheimnisvolles erwartet, wird enttäuscht sein. Denn die meisten Webentwickler basteln sich fortwährend ihre eigenen Mikroformate. Wenn Sie beispielsweise ein modernes Webseitenlayout mit sauber getrenntem HTML und CSS entwerfen und die HTML-Struktur notieren, dann werden Sie vermutlich HTML-Konstrukte wie <div id="header">...</div>, <img id="logo" src="...">, <h3 class="newstitle">...</h3> verwenden. Sie verwenden also allgemeine Elemente wie div und/oder Universalattribute wie id= oder class=. Die Werte, die Sie diesen Attributen zuweisen, sind Namen, die Sie für sinnvoll (bedeutungsvoll) halten.

An dieser Stelle liegt der Knackpunkt. Die von Ihnen vergebenen Namen sind für Sie und auch für andere Menschen sinnvoll weil verständlich. Doch der verarbeitenden Software ist es egal, ob Sie <h3 class="newstitle">...</h3> verwenden oder <h3 class="blabla">...</h3>. Der HTML-Parser eines Browsers ist zufrieden, weil er ein syntaktisch korrekt notiertes h3-Element mit einem erlaubten Attribut class= erkennt. Der Wert des class-Attributs mag im Hinblick auf CSS interessant sein. Doch den HTML-Parser interessiert das nicht weiter. Er weiß also nichts davon, dass Sie mit der Überschrift den Titel einer News auszeichnen. Eine Software kann ohne weitreichende künstliche Intelligenz einfach nicht wissen, was Sie mit selbstvergebenen Namen „meinen“.

Was aber, wenn man sich weltweit einigen würde, News-Schlagzeilen in HTML immer und überall mit <h3 class="newstitle">...</h3> auszuzeichnen? Es würde ein Standard entstehen. Und genau diese Art von Standards bezeichnet man als Mikroformate.


Sonntag, 11. Februar 2007

Ach, Ms. Dewey, können Sie mir sagen ...?

Es soll ja Leute geben, denen der spartanische Look der Standard-Startseite von Google überhaupt nicht gefällt. Manche lieben es halt eher überladen, mit 487 Links, 37 Kästchen, 11 Bannern und irgendwo in den Tiefen dazwischen versteckt das Suchfeld.

Und dann gibt es noch die Marketing-Strategen. Falls Sie sich jetzt nicht vorstellen können, was ein Marketing-Stratege sich unter einer gelungenen Suchmaschine vorstellt, dann klicken Sie hier: www.msdewey.com.

Nun gut, die Dame braucht einen Moment, bis sie geladen ist. Als nächstes folgt ein Intro, das offenbar bei jedem Aufruf eine andere Szene darstellt. Hat man das Intro jedoch hinter sich, ist man plötzlich ganz allein mit ihr, vor so einer supercoolen Manhatten-Skyline-Wand. Keiner sagt was. Warten Sie lieber nicht zu lange, sonst klopft Ihnen Ms. Dewey von innen an den Bildschirm und fordert sie energisch auf, doch endlich etwas in das Suchfeld einzugeben. Es sei denn, sie wollen Ms. Dewey tiefenpsychologisch erkunden — dann warten Sie einfach gnadenlos und schauen ihr zu.

Bei neuen Suchmaschinen probiere ich es immer erst mal mit dem Suchbegriff SELFHTML. Jede halbwegs ernstzunehmende Suchmaschine sollte das kennen, doch die Projektstruktur ist etwas knifflig zu durchschauen für Robots. Also Ms. Dewey, legen Sie los!

... Hm, Ms Dewey, wie kommen Sie darauf, dass das Forumsarchiv von 2006 das Wichtigste an SELFHTML sei, so dass es an erster Stelle gelistet werden muss? Also das kann Google dann doch etwas besser.

Böse Zungen werden nun gleich wieder betonen, dass dies nur daran liege, weil Ms. Dewey von Microsoft sei. Dagegen lässt sich allerdings einwenden, dass das Original, also die Suche von live.com, durchaus eine klare Vorstellung von SELFHTML hat.

Andere böse Zungen werden dagegen behaupten, Ms. Dewey denke halt wie eine Frau, also irgendwie mittenrein und völlig ohne Übersicht. Selbst wenn man diese Behauptung ernst nimmt, wäre das marketingstrategisch sehr unklug, da Ms. Dewey ja wohl vor allem Männer ansprechen soll, rein äußerlich zumindest. Wenn aber diese Männer spätestens bei den präsentierten Suchergebnissen genauso irritiert sind, wie sie es zu Hause oft sind, dann könnten Ms. Deweys Erfolgsbemühungen ernsthaft gefährdet sein.

Also Ms. Dewey: freut mich, Sie kennengelernt zu haben, aber ins Geschäft kommen wir glaube ich vorerst nicht. Konsultieren Sie mich wieder, wenn Sie sich etwas besser ins Metier eingearbeitet haben!

(Tipp gefunden auf newz.at/suchen-mal-anders)


Technik-Tutorials

Gedanken-Blogging ist eine feine Sache. Aber wenn man von den meisten Leuten nach wie vor mit einer Dokumentation wie SELFHTML identifiziert wird, darf ein wenig Technische Dokumentation natürlich nicht fehlen.

Deshalb habe ich mich entschlossen, dieses Blog demnächst (genauer will ich mich da nicht festlegen) auch mit Beiträgen zu bereichern, die kleine Einführungen in neuere, spezielle Web-Techniken darstellen. Den Anfang werden Mikroformate machen, und danach soll ein wenig Einsteigerwissen zu Ajax vermittelt werden. Die Einführungen werden sich nicht an das Hype-Publikum richten, das sich ohnehin dauernd auf den neuesten Techie-Seiten herumtreibt und schon alles kennt, sondern eher an jenes Publikum, das zwar schon Basiskenntnisse etwa in HTML oder JavaScript mitbringt, aber erst zögernd beginnt, sich mit den neueren Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

Die Einführungen werden in Blog-gerechte Häppchen aufgeteilt, die über einen gewissen Zeitraum hinweg alle paar Tage in diesem Blog veröffentlicht werden. Sind alle Häppchen einer Einführung veröffentlicht worden, wird die gesamte Einführung als PDF-Dokument dauerhaft zur Verfügung gestellt. Die PDF-Dokumente werden im Webkompetenz-Forum als Dateien hochgeladen, aber auch hier im Blog in der Navigation fest verlinkt. Zu einem späteren Zeitpunkt können die Inhalte der Dokumente natürlich auch noch in andere Publikationsformen einfließen.

Also bitte nicht wundern, wenn hier demnächst nicht nur sinnierende, sondern zwischendurch auch deskriptive Texte mit Code-Beispielen Einzug halten!


Samstag, 10. Februar 2007

Blogging Tim Berners Lee und die FOAF-Idee

Das Zitat von Web-Begründer Tim Berners Lee, das die Kopfzeile des Webkompetenz-Blogs ziert, stammt übrigens aus einem BBC-Interview mit dem Titel Berners-Lee on the read/write web.

Berners Lee ist ja seit einiger Zeit auch selbst bekennender Blogger — wer es noch nicht kennt, sollte das Blog von Tim Berners Lee auf jeden Fall einmal aufsuchen. „Timbl's blog” verrät uns neben Beiträgen zu semantischem Web, HTML-Weiterentwicklung und Netzneutralität in einem Beitrag mit dem Titel Blogging is great, was ihn am Bloggen überhaupt reizt.

In dem Posting geht es jedoch gar nicht so sehr ums Bloggen. Die Kernaussage lautet stattdessen: „The way quality works on the web is through links.” („Qualität im Web basiert auf Links”). In dem Zusammenhang taucht auch ein Akronym auf, das vermutlich noch nicht allzu bekannt sein dürfte: FOAF. Es steht für „Friend of a friend” und soll in XML-Form dazu beitragen, die Beziehungen der Menschen untereinander (wer hat mit wem zu tun) abzubilden. Wenn sich jeder Web-Aktive so eine FOAF-Datei zulegen würde und Suchmaschinen, die das semantische Web abgrasen, die ganzen daraus entstehenden Beziehungen als Hyperlinks abbilden, dann wird sich vermutlich so mancher Zeitgenosse wundern, wie wenige Klicks zwischen ihm und einem Milliardär oder zwischen ihm und einem seiner am meisten verachteten Menschen liegen.

Meine persönliche Einschätzung dazu ist, dass die XML-Repräsentation solcher Daten wie bei FOAF zwar eigentlich optimal ist. Doch sie wird sich voraussichtlich schwer tun gegen einfachere, HTML-basierte Mikroformate wie XFN (XHTML „Friends Network”). Wie auch immer: Wem jetzt der Kopf raucht, weil er allen Links in diesem Eintrag gefolgt ist, der weiß zumindest, woran derzeit fieberhaft gewerkelt wird im Web. Und besonders freut mich, dass Tim Berners Lee kräftig mitmischt dabei.


Donnerstag, 8. Februar 2007

YourGab als nächstes?

Das Wort tube bezeichnet Röhren von Bildschirmen. Das sagenumworbene Portal YouTube bedeutet also so viel wie „du Röhre”. Das Wort gab steht für „Gequassel”. Und jetzt der Geheimtipp: laut Whois ist die Domain yourgab („dein Gequassel”) noch allenthalben frei.

Warum sich das bald ändern könnte? Ganz einfach: weil der Mobilfunk-Discounter Simyo laut Artikel im Manager-Magazin plant, in YouTube-ähnliche Geschäfte einzusteigen. Aus dem Artikel höre ich allerdings noch eine gewisse Phantasielosigkeit heraus, was konkrete Ideen betrifft. Hier der Vorschlag: einfach beim Anrufen über Handy eine Service-Vorwahl wählen, und schon wird das gesamte nachfolgende Gespräch aufgezeichnet und direkt auf yourgab.com veröffentlicht. Tausende von Usern werden sich dann sicher begeistert den MP3-Track anhören, auf dem Vanessa und Bine zwanzig Minuten lang über Trixi und ihren neuen Schwarm Kai herziehen.

Was soll daran Sünde sein? YouTube hat die Richtung längst vorgegeben. Packen wir einfach die gesamte Realität ungefiltert wie sie ist auf die geduldigen Festplatten der Webserver. Irgendwer wird dann schon toll finden, wie realistisch und lebensnah das alles ist.

Ansonsten übrigens nichts gegen Simyo: seit letztem Jahr telefoniere ich auch darüber ;-)


Dienstag, 6. Februar 2007

Der Trend zum Server

Am Anfang waren die dummen Terminals -— Arbeitsstationen mit tristen, unscharfen, strahlungsreichen Minibildschirmen, ohne eigene CPU und ohne eigene Datenspeicher. Alles, was Programme erledigten und speicherten, fand auf zentralen Rechnern statt. Wer am Bildschirm etwas tun wollte, musste sich am Zentralrechner anmelden und durfte dann einen kleinen Anteil der kostbaren CPU-Zeit des Zentralrechners nutzen.

Im Laufe der 80er Jahre sorgten jedoch Hersteller wie Apple, Atari, Commodore, IBM und andere für den Durchbruch der Personal Computer (PCs). Die wichtigste Metapher dieser Rechnergattung wurde der Desktop, also der ganz persönliche Schreibtisch, mitsamt seiner höchstpersönlichen (Un)aufgeräumtheit, seinen Schublädchen und Ordnern, Accessoirs und dem Hintergrundbild der Schreibunterlage. Zunächst als teuere Spielcomputer verschrieen, wurden die PCs spätestens seit der Zeit ernst genommen, als sie auch Desktop Publishing ermöglichten.

Immer mehr Anwender moderner PCs nehmen ihren PC-Desktop jedoch kaum noch wahr. Sobald sie vor dem Bildschirm sitzen, gehen sie online. Was an ihren Bildschirmen geschieht, ist vorwiegend das Ergebnis der Interaktion zwischen Client-Anwendungen für Internetdienste, also Browsern, Mailprogrammen, Spiele-Clients usw., und den entsprechenden Servern im Internet. In ihren frühen Online-Jahren war „Download” der Inbegriff ihrer Netzaktivitäten. Auch heute ist das bei den meisten Netzneulingen noch so. Doch mit der Online-Erfahrung und dem Herauswachsen aus der Säuglingsphase wandelt sich das Verhalten. Es wächst vor allem der Mut, Daten im Internet zu lassen. Um Fachwissen nachzuschlagen, werden Originaladressen im Web aufgerufen, statt Offline-Versionen von Dokumentationen zu verwenden. E-Mails bleiben auf dem IMAP-Server oder auf dem Server des Webmail-Anbieters. Viele neuere Services von Google treiben diese Tendenz weiter voran: so etwa Google Kalender, Notebook, Docs, Web-Alben, Videos und Bookmarks.

Das Verhältnis zwischen den PCs und den Rechnern, auf die sie im Internet zugreifen, ist heute kein Verhältnis zwischen dummen Terminals und Zentralrechner mehr. PCs bieten genügend Leistung für anspruchsvolle Client-Anwendungen, und speziell im Web, das ja eigentlich nur ein Internetdienst unter etlichen anderen ist, entstehen mehr und mehr komplexe server-seitige Anwendungen. Was wir derzeit erleben, ist, dass vor allem hochentwickelte Web-Clients (moderne Browser) in Verbindung mit breitbandigen, flat-tarifierten Internetzugängen mit ebenfalls hochentwickelten Webanwendungen interagieren. Dabei wird immer mehr Rechenzeit von den Servern abverlangt, und immer mehr Daten werden den Servern dauerhaft anvertraut.

Diese Entwicklung wird allerdings auch argwöhnisch betrachtet. So können etwa Daten, die auf Rechnern von Providern bleiben, ganz schnell und möglicherweise ohne Vorwarnung verloren gehen, wenn der Provider über Nacht insolvent wird. Das betrifft vor allem Services, die kostenlos und ohne genau definierte vertragliche Zusicherungen in Anspruch genommen werden. Auch der Datenschutz hat beim Trend zur Server-Ablage von Daten nicht gerade Priorität. Häufig sind brisante, persönliche Daten nur durch ein einfaches Passwort vor öffentlichem Zugriff geschützt. Darüber hinaus sind persönliche, im Netz gespeicherte Daten eine gut verkäufliche Ware, weil sie ermöglichen, gezielte Interessens- und Nutzungsprofile von Personen zu erstellen.

Ob die Insolvenz des Providers allerdings wahrscheinlicher ist als eine versehentliche Löschaktion am eigenen Rechner, sei dahin gestellt. Und auch Download-Daten, also etwa E-Mails, die von einem herkömmlichen Pop3-Postfach zum Mailprogramm übertragen werden, sind in aller Regel ungeschützt. Ein seriöser Risikovergleich muss also genau definierte Szenarien beschreiben. Die Entwicklung geht ungeachtet dessen ohnehin ihren Weg weiter, und wahrscheinlich ist die Zeit sinnvoller damit investiert, sich über die Risikominimierung bei Services wie Webmail oder den oben genannten Google-Services Gedanken zu machen.


Montag, 5. Februar 2007

Webkompetenz?

Der Begriff Web 2.0 beschreibt eher vage eine veränderte Wahrnehmung und Benutzung des WWW, heißt es zutreffend im Wikipedia-Artikel zu „Web 2.0”. Dass an der veränderten Wahrnehmung und Benutzung des Web etwas dran ist, werden viele bestätigen können, die schon in den 90er Jahren, also zu Zeiten von Browserkrieg und Dotcom-Blüte im Web aktiv waren und es 2007 immer noch oder wieder sind. Eines haben „altes Web” und „Web 2.0” jedoch gemeinsam: die Tendenz zum Hype, zur Überbewertung des Neuen.

So gibt es durchaus kritische Stimmen. Kritisiert werden zum Beispiel der Triumph der Amateure und der fehlende Datenschutz. Noch interessanter ist jedoch, dass „Web 2.0” unter den deutschen Internet-Nutzern bislang ein weitgehend unbekannter Ausdruck ist.

Ist es angesichts der Kritik vielleicht sogar gut, das „Web 2.0” des Dale Dougherty zu verschlafen? Um diplomatisch zu antworten: Es ist nicht schlimm, den Hype zu verschlafen; schlimm ist nur, längst ersichtliche und wichtige Tendenzen im Web verschlafen. Das vorliegende Blog richtet sich an Anwender, die nicht jeden Hype mitmachen müssen, die sich aber dennoch mit dem Potential der neueren Entwicklungen im Web auseinandersetzen wollen, um die Möglichkeiten beruflich oder privat zu nutzen. Parallel zum vorliegenden Blog wurde eine Google-Diskussionsgruppe mit dem Titel Webkompetenz-Forum eingerichtet. Dort können Interessierte Fragen zu dem Themenkomplex stellen und über Trends diskutieren.

Wir reden hier über Services wie Blogs, Podcasts, Wikis, Feeds, Foren, Foto- und Video-Sharing, web-basierte Oberflächen für andere Internetservices wie E-Mail, aber auch über dabei eingesetzte Technologien wie Ajax, RSS und Atom, Mikroformate und Ähnliches. All diese Services und Technologien sind letztlich genauso wertfrei wie Papier, Stift oder Kopierautomat und genauso nützlich oder schädlich wie Scheren oder Messer. Es handelt sich einfach um Werkzeuge aus Bits und Bytes. Für all diese Instrumente gilt: wer sie benutzt, sollte wissen, wie man sie zweckmäßig benutzt. Darum der Titel Webkompetenz.

Weder das Webkompetent-Blog noch das Webkompetenz-Forum können eine Dokumentation ersetzen. Eine umfassende „Web-2.0-Dokumentation” ist aber auch kaum möglich, da die Technologien, die darunter verstanden werden, teilweise noch nicht wirklich standardisiert genug sind, und weil sich vieles, was zu dem Themenkomplex gehört, an browser-basierten Weboberflächen abspielt, die sich von heute auf morgen ändern können. Es gibt genügend Orte, an denen erforderliche Details beschrieben werden. Die Links dorthin werden wir selbstverständlich sammeln.


 

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