Posts mit dem Label Wikis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wikis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 2. Oktober 2007

Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki

Auch in der Art, wie sie am liebsten publizieren, unterscheiden sich Menschen. Die einen publizieren gerne chronologisch, wie hier in einem Blog. Andere publizieren lieber systematisch an einem Gesamtwerk, so wie es in einem Wiki der Fall ist. Nach gründlicher Introspektion habe ich festgestellt, dass ich weniger der Blog-Typ bin, sondern eher der Wiki-Typ. Deshalb habe ich nun vor, das hiesige Blog aufzugeben und stattdessen lieber das Webkompetenz-Wiki auszubauen.

Auf Beiträge der Art, wie ich sie hier im Blog veröffentlicht habe, muss im Wiki niemand verzichten. Innerhalb des Wikis gibt es rechts auf der Startseite jeweils einen aktuellen Beitrag (Spot). Wenn dieser durch einen neuen aktuellen Spot ersetzt wird, wandert er ins Spot-Archiv. Das Spot-Archiv wird kalendarisch und nach Tags (Stichwörtern) sortiert zugänglich sein. Eine Ausnahme sind Blog-Beiträge im Rahmen der Tutorial-Serien. Diese kommen innerhalb des Wikis in die Rubrik Tutorials.

Ich habe vor, die bisherigen Beiträge des Webkompetenz-Blogs ins Wiki zu überführen und dann einfach dort hin und wieder einen neuen Spot zu veröffentlichen. Gleichzeitig sollen die übrigen inhaltlichen Bereiche des Wikis wachsen. Solange nicht alle Beiträge dieses Blogs ins Wiki überführt wurden, bleibt das Blog hier noch online. Das kann noch eine ganze Weile dauern, da ich mich in nächster Zeit umzugsbedingt ohnehin nicht so viel um das Projekt kümmern kann.

Das Webkompetenz-Wiki wird auf der wirklich empfehlenswerten Wikifarm wikidot.com gehostet. Der verfügbare Speicher für das Wiki ist unbegrenzt (nur bei Grafiken gibt es eine Obergrenze), und das Wiki kann auf Dauer frei von Werbung bleiben. Die Rubrik Spot kann natürlich kein Blog ersetzen. So gibt es dort keine Ping-/Trackbacks und keine Möglichkeit, die Beiträge als Feed zu abonnieren. Die Wiki-Software, die für wikidot.com entwickelt wurde, soll jedoch in der nächsten Vollversion unter anderem auch volle Blog-Funktionalität innerhalb von Wikis bieten (siehe auch: Working On...). Ein vollwertiges Webkompetenz-Blog innerhalb des Webkompetenz-Wikis ist also in Zukunft nicht auszuschließen.

Im Gegensatz zum Blog soll das Wiki kein Einmann-Unternehmen bleiben. Es soll aber auch nicht unkontrolliert zur Bearbeitung offen sein. Auf wikidot.com gibt es für diesen Fall das Konzept der members (Mitglieder). Mitglied eines Wikis wird man, indem man vom Betreiber des Wikis dazu eingeladen wird, oder indem man sich als Mitglied bewirbt und die Bewerbung angenommen wird. Bevor ich jedoch weitere Mitglieder aufnehme, möchte ich die Grundstruktur des Wikis erst einmal anlegen. Denn aus den Fehlern rund um das SELFHTML Wiki habe ich gelernt: zeige erst mal, wohin du willst, und geh zur Not auch allein dort hin ;-)

Unberührt von alledem bleibt vorerst das Webkompetenz-Forum. Allerdings besteht innerhalb der Wikis von wikidot.com auch die Möglichkeit, Foren zu betreiben. Bereits jetzt gibt es innerhalb des Webkompetenz-Wikis ein Forum für wiki-interne Themen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Webkompetenz-Forum irgendwann dorthin umzieht. Diese Entscheidung wird allerdings nicht ohne die aktiven Mitstreiter im Forum gefällt.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki
Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki -- Feeds?


Mittwoch, 19. September 2007

Hypertext (10): Jimmy Wales: Wikipedia

siehe auch:
(1): Text und Linearität
(2): Computer und Hypertext
(3): Inhaltseinheiten und Verlinkung
(4): Suchen und Stöbern
(5): Orientierungsmittel für Hypertext
(6): Hypertext und Informationsaufnahme
(7): Vannevar Bush: Memex
(8): Ted Nelson: Xanadu
(9): Tim Berners-Lee: World Wide Web


Das jüngste Projekt in unserem Hypertext-Meilenstein-Rückblick ist wohl zugleich auch das umstrittenste. Den einen ist es vielleicht nicht groß genug für einen Meilenstein der Hypertext-Geschichte, weil es nur ein einzelnes Webprojekt ist, also ein kleiner Teil von Tim Berners-Lee's Projekt. Den anderen ist es vielleicht nicht gut genug für einen Meilenstein, weil sie mit Wikipedia viel Negatives verbinden, angefangen von hässlichen Editier-Kriegen bis hin zum Vorwurf mangelnder Qualität, weil sich zu viele Laien und Möchtegern-Experten an der Entstehung der Inhalte beteiligen. Die Kritik, der Wikipedia ausgesetzt ist, bestätigt jedoch die Bedeutung des Projekts. Denn Fakt ist, dass Wikipedia binnen weniger Jahre die Enzyklopädie des menschlichen Wissens geworden ist. Realisiert als Projekt innerhalb des World Wide Web, demonstriert Wikipedia vor allem eine neuere Art von Webanwendung, die extrem hypertextorientiert ist und wichtige Voraussetzungen schafft, unter denen Menschen überhaupt Lust bekommen, an Hypertext-Inhalten mitzuarbeiten.

Geschichte des Wikipedia-Projekts

Die Geschichte der Wikipedia hat eine Vorgeschichte, die aus zwei wichtigen Strängen besteht.

Der eine Strang besteht darin, dass im Laufe der 90er Jahre erste Digitalpublikationen herkömmlicher Enzyklopädien erschienen. 1994, als 4stellige Preise für CD-ROM-Laufwerke üblich waren, erschien die Encyclopædia Britannica erstmals auf CD-ROM. 1996 brachte Microsoft mit Encarta eine neuartige, multimediale Enzyklopädie auf CD-ROM (später auf DVD) heraus, die selbst bei notorischen Microsoft-Gegnern großen Respekt erntete. Diese beiden Produkte verankerten die Möglichkeit digitaler, bildschirmorientierter Wissensvermittlung in zahlreichen Köpfen. Der Boom des World Wide Web Mitte bis Ende der 90er Jahre verstärkte die Tendenz zur elektronischen Präsentation von Inhalten.

Der andere Strang besteht darin, dass zeitgleich Überlegungen angestellt wurden, wie man in dem noch jungen Medium World Wide Web enzyklopädisches Wissen so realisieren könnte, dass ein größerer Autorenkreis ohne internet-technische Tiefenkenntnisse daran arbeiten kann. Der amerikanische Programmierer Ward Cunningham, der maßgeblich an zwei modernen Programmierparadigmen beteiligt ist, nämlich an Design Patterns (Entwurfsmuster) und Extreme Programming, erfand 1995 eine zunächst noch wenig beachtete, neuartige Webanwendung: das sogenannte Wiki Wiki Web. Die Original-Site, für das diese Anwendung gestrickt wurde, ist noch heute unter dem Titel Wiki Wiki Web online. Es beinhaltet bereits viele Konzepte moderner Wiki-Systeme.

WikiWiki-Bus Die einprägsame Bezeichnung Wiki verdanken wir der Tatsache, dass Cunningham öfters nach Hawaii kam. Am Flughafen erklärte man ihm, er solle den Wiki-Wiki-Bus nehmen, der die Terminals verbindet. Auf seine Nachfrage hin erfuhr Cunningham, dass wiki wiki im Hawaiianischen so viel wie schnell bedeutet. Schnell und unkompliziert sollte auch das Bearbeiten von Inhalten in seiner Webanwendung sein.

Cunningham's Original-Wiki erreichte zwar stattliche Ausmaße, doch es war keine allgemeine Enzyklopädie. Während die großen Lexikonverlage sich schwer taten mit Internet-Versionen ihrer Enzyklopädien, entstanden innerhalb des Webs neue Projekte dieser Art. Eins davon nannte sich Nupedia und startete im März 2000. Die Gründer von Nupedia waren zwei Amerikaner namens Jimmy Wales und Larry Sanger. Nupedia wurde von einem kleinen Kreis von Fachautoren gepflegt. Die Artikel wurden streng geprüft und hatten durchweg hohes Niveau. Ein anderes, konkurrierendes Webprojekt sollte GNUpedia werden, das vom Urvater der OpenSource- und OpenContent-Bewegung Richard Stallman initiiert worden war. GNUpedia war offener und auch für Laien-Autoren konzipiert. Die Situation der beiden verklüngelten und doch konkurrierenden Online-Enzyklopädie-Ansätze war jedoch unbefriedigend für alle Beteiligten.

Jimmy WalesJimmy Wales zog daraus seine Konsequenzen. Unter dem für Nupedia drohenden Konkurrenzdruck, der von GNUpedia ausging, implementierte er eine Art Sammelbecken für Nupedia. Das Ziel war es, mehr Autoren aus der breiten Öffentlichkeit zu gewinnen. Gute Artikel aus dem Sammelbecken sollten dann in Nupedia übernommen werden. Bei der Software für die Webanwendung des Sammelbeckenprojekts orientierte sich Wales an Cunninghams Wiki Wiki Web. Deshalb tauft Wales sein Sammelbecken Wikipedia.

Das Wikipedia-Konzept war jedoch so überzeugend und wuchs binnen kürzester Zeit so schnell, dass sowohl Nupedia als auch GNUpedia alsbald nur noch Makulatur waren. Bereits nach zwei Monaten hatte Wikipedia über 2000 Artikel, und es wurden bereits mehrsprachige Versionen implementiert. Die Wachstums-Statistik der Artikelzahlen liest sich wie ein Märchen. Nach einem halben Jahr, also Mitte 2001, verzeichnete die englische Version bereits über 3.000 Artikel, die im Mai 2001 gegründete deutsche Version kam zum gleichen Zeitpunkt auf etwas über 300 Artikel. Im Dezember 2002 wurden erstmals mehr als 100.000 Artikel in der englischen Version gezählt. Die deutsche Version lag zeitgleich bei knapp unter 10.000 Artikeln. Derzeit (Stand: September 2007) kommt die englische Version auf genau 2 Millionen Artikel und die deutsche auf knapp 640.000. Zum Vergleich: der Brockhaus multimedial premium, Ausgabe 2007, bringt es gerade mal auf 260.000 Artikel.

Faszination und Problematik des Wikipedia-Projekts

Bei Hypertext gibt es wie bei linearem Text Autoren und Leser. In einem Medium wie dem World Wide Web, wo sich Texte digital und online verbreiten, fehlen jedoch die klassischen Bedingungen, die eine klare Trennung zwischen Autoren und Lesern überhaupt nötig machten. Es gibt keine Druck- und Lagerkosten, keine produzierenden Verlage, kein verteilenden Zwischenhändler und keine begrenzten Auflagen mehr. Es gab und gibt zahlreiche Möglichkeiten im Web, direkt und frei zu publizieren. Doch von dem Grundgedanken, dass Autoren und Leser zwei sehr getrennte Spezies sind, konnte man sich nach Jahrhunderten der Buchwelt und der Broadcasting-Medien nur schwer lösen. Nicht zuletzt deshalb entwickelte sich das Web zunächst auch in Richtung eines reinen Präsentationsmediums. Spontan publiziert wurde allenfalls in Communities und Foren, doch da nennt sich das Posten und wird von den Akteuren nicht als redaktionelle oder publizistische Arbeit empfunden.

Wikipedia ist das erste Projekt, bei dem es im großen Stil gelungen ist, die Grenzen zwischen Nutznießen und Mitmachen, zwischen Rezipieren und Publizieren, zwischen Leser und Autor aufzuheben. Ein wichtiger Aspekt für diesen Erfolg war, dass Jimmy Wales, der anfänglich noch versuchte, seine Webprojekte über Werbeeinnahmen zu finanzieren, rechtzeitig erkannte, dass er sein Ziel damit nicht erreichen würde. Wikipedia wurde werbefrei, und stattdessen setzte Wales bei der Wiki-Software auf OpenSource und beim Inhalt auf eine Lizenzform aus dem OpenContent-Bereich, die sogenannte GNU Free Documentation License (inoffizielle deutsche Übersetzung). Wer bei Wikipedia publiziert, akzeptiert damit diesen rechtlichen Rahmen. Finanziert wird das Projekt durch Spenden an die dafür gegründete Wikimedia-Stiftung.

Da eine Enzyklopädie das Wissen der Menschheit speichert, ist es kein Wunder, dass viele Menschen etwas dazu beitragen können. Denn es geht ja schließlich nicht nur um große Persönlichkeiten oder Geschehnisse, sondern auch um die Ortschaften dieser Welt, um Modelleisenbahnen, Hunderassen und die soziale Wirklichkeit, die aus Hypotheken, Kindergeld und Urlaubmachen besteht. Gerade heimatkundliches, zeitgeschichtliches oder arbeitspraktisches Wissen ist in der Breite der Bevölkerung gespeichert. Wikipedia ist es gelungen, die normale Bevölkerung zu ermutigen, solches Wissen beizutragen.

Doch wo viele Menschen wahllos publizieren, entsteht zwangläufig Chaos. Tatsächlich hat Wikipedia mit etlichen negativen Begleiterscheinungen der globalen Kollaboration zu kämpfen. Ideologische Grabenkämpfe etwa, die zu Edit-Wars führen, oder Vandalismus, also bewusstes Zerstören oder Verfälschen von Inhalten, oder schleichender Lobbyismus, der Inhalte einfärbt. Wikipedia ist jedoch kein kleiner Kreis überforderter Administratoren, die sich einem zahlenmäßig überlegenen Mob gegenübergestellt sehen. Wikipedia ist selbstorganisiert, organisch also. Das oberste Prinzip, die wertneutrale Darstellung, wird von den meisten Akteuren geteilt und vefochten. Diverse Funktionen der Wiki-Software unterstützen dabei, das System stabil zu halten. Unerwünschte Löschungen oder Änderungen lassen sich einfach rückgängig machen, da die Wiki-Software jeden abgespeicherten Bearbeitungsstand eines Artikels aufbewahrt. Die Software zeigt auf Wunsch auch, was in einem Bearbeitungsstand gegenüber einem anderen verändert wurde. Zu jedem Artikel gibt es eine Diskussionsseite. Unterschiedliche Auffassungen über Inhalte können dorthin verlagert werden. Dennoch führt der immerwährende Kampf gegen unerwünschte oder destruktive Tendenzen zu einem nicht ganz lupenreinen Gesamt-Image von Wikipedia in der Fachwelt. Innerhalb von Wikipedia gibt es Inhalte, die Antworten auf Kritik enthalten oder den Außenspiegel wagen.

Larry SangerEiner der schärfsten Kritiker des Wikipedia-Projekts ist übrigens Mitbegründer Larry Sanger, von dem sich Jimmy Wales ein Jahr nach Gründung von Wikipedia trennte. Sangers Hauptproblem mit Wikipedia ist die hemmungslose Demokratisierung der redaktionellen Prozesse. Nupedia, dessen Inhalte ausschließlich von ausgewählten Fachautoren erstellt wurden, entsprach eher seinen Vorstellungen einer web-basierten Enzyklopädie. Zu Nupedia-Zeiten dachte Sanger eindeutig noch in akademischen Zeitvorstellungen. Als Nupedia eingestellt wurde, gab es gerade mal zwei Dutzend abgesegneter Artikel, die den hohen Qualitätsvorstellungen entsprachen. Eine Konkurrenz für die existierenden Verlags-Enzyklopädien wäre daraus wohl frühestens nach dreihundert Jahren entstanden. Allerdings erhob Larry Sanger den Anspruch, als erster die zündende Idee zu Wikipedia gehabt zu haben. Mit der Sammelbecken-Funktionalität hatte er sich nämlich durchaus anfreunden können. Denn seine Vorstellung war zwar eine Elite-Klasse von Lexikon-Autoren, doch mussten dies keine Autoren mit klassischen Referenzen sein. Details seiner Kritik an Wikipedia sind gebündelt in einem Interview mit der Schweizer Sonntagszeitung nachzulesen.

Mittlerweile unternimmt Sanger einen neuen Versuch, eine qualitativ höherwertige Enzyklopädie im Web zu realisieren: das 2006 gestartete Projekt Citizendium basiert auf der gleichen Wiki-Software wie Wikipedia und dem gleichen Ziel, das gesamte Wissen der Menschheit zu repräsentieren, will jedoch redaktionell elitärer vorgehen. Allerdings unterscheidet sich die von Citizendium betriebene Autoren-Rekrutierung unwesentlich von derjenigen, die neuerdings auch von einem traditionellen, verlagsgebundenen Projekt wie Meyers Lexikon online ausprobiert wird. Die Erfahrung im Web lehrt jedoch, dass solch übervorsichtige Öffnungen nach außen nicht mehr sehr beliebt sind. Gerade potentielle Jungautoren mit Web-Erfahrung wollen sich nicht mehr als Bittsteller vorkommen, die einen Artikel „einreichen“ in der Hoffnung, dass er vom Überwachungskuratorium übernommen wird. Sie wollen publizieren und sich dabei die Hörner abstoßen.

An Wikipedia reiben sich also alte und neue Vorstellungen darüber, was als menschliches Wissen und Gedächtnis zu gelten hat, und wie das dort Gespeicherte zustande kommen soll. Wikipedia verwirklicht den Traum vieler Hypertext-Begeisterter. Doch wie bei jeder Verwirklichung von spannenden Gedanken macht sich auch hier der Geist schmutzig. Der unverminderte Erfolg von Wikipedia zeigt indessen, dass mit dem gewachsenen System aus Editierfreiheit, Vorgaben und Kontrollen durchaus ein Hypertext-Projekt realisierbar ist, das zigtausende von Autoren zählt und zig Millionen Benutzer, ohne quasi militärisch organisiert zu sein.


Mittwoch, 5. September 2007

SELF... eu!

Wer hier mitliest, dem muss ja nicht mehr erklärt werden, was SELFHTML ist. Nicht alle aber wissen, dass SELF so eine Art offenes Markenzeichen geworden ist, das mal mal sinnvoll, mal zum Trittbrettfahren genutzt wird. Gelungene Beispiele sind SELFLINUX oder auch SELFSVG.

Jetzt scheint sich was Neues zusammenzubrauen. Es nennt sich schlichtweg „SELF-Plattform“, kommt international als eu-Domain daher und hat auf jeden Fall gute Pressekontakte. Denn trotz bescheidener aktueller Inhalte hat es bereits zu Ankündigungen bei Heise und bei Golem gereicht.

Die Anlehnung an SELFHTML könnte in diesem Fall allerdings auch purer Zufall sein. Denn SELF steht in diesem Fall nämlich für „Science, Education and Learning in Freedom“. Dahinter verbirgt sich aber etwas, das ich persönlich sehr spannend finde: nämlich an den Bedürfnissen von Lernenden ausgerichtete Dokumentationen und Kursunterlagen für bekannte OpenSource-Software. Nun bekommen Newbies ja in Fachforen (vor allem auch im SELFHTML-Forum, das derzeit wegen Querelen in eben dieser Richtung geschlossen ist) immer gern ein herzhaftes RTFM um die Ohren gehauen. Das Gewissen der Experten bleibt dabei rein, denn schließlich weiß man ja, dass es zu typischen OpenSource-Produkten wie PHP, Perl, Apache oder MySQL umfangreiche Produktdokumentationen gibt, die mit viel Aufwand gepflegt und verbessert werden. Dennoch sind es „nur“ Produktdokumentationen. Als solche haben sie verschiedenste Ansprüche zu erfüllen: sachliche Unfehlbarkeit, vollständige Referenz, Sammelbecken für Workarounds usw. Die meisten dieser Produktdokumentationen enthalten zwar auch Einführungen, doch treffen diese meist nicht wirklich den Nerv derer, die mit dem Produkt eine neue fachliche Welt betreten. Drittanbieter-Unterlagen in diesem Bereich können also durchaus Lücken schließen und für die OpenSource-Produkte sogar neue Nutzerkreise gewinnen.

Doch lassen wir das SELF-Projekt selber sprechen (es spricht zunächst mal nur Englisch, soll aber Inhalte in ganz verschiedenen Sprachen produzieren):

The SELF Platform will have two main functions. It will be simultaneously a knowledge base and a collaborative production facility: On the one hand, it will provide information, educational and training materials that can be presented in different languages and forms: from course texts, presentations, e-learning programmes and platforms to tutor software, e-books, instructional and educational videos and manuals. On the other hand, it will offer a platform for the evaluation, adaptation, creation and translation of these materials. The production process of such materials will be based on the organisational model of Wikipedia.

Zwei Ebenen sind also geplant: zum einen die Präsentationsebene, also das, was man überhaupt anbieten will, nämlich Lernmaterial für OpenSource-Produkte in verschiedenen Sprachen und verschiedenen Präsentationsformen; und zum anderen die Produktionsebene, die nach Wiki-Vorbild kollaborativ und nach außen hin offen gestaltet werden soll. Es soll klare Maßstäbe zur Qualitätssicherung geben und klare Lizenzformen. Das klingt alles auf jeden Fall sehr spannend. Bleibt nur zu verfolgen, was aus den großen Ansprüchen wird. Hoffen wir das Beste!


Dienstag, 31. Juli 2007

An Wikipedia schrauben im Dienste der Barrierefreiheit

Wie das Barrierefrei-Magazin Einfach für alle am 24. Juli 2007 berichtete, hat sich eine Initiative gebildet, um Wikipedia besser zugänglich zu machen — zu finden auf der Wikipedia-internen Seite Wikipedia:BIENE. Die BIENE ist der bekannteste deutsche Award im Bereich Barrierefreiheit. Anlass für die Initiative innerhalb der Wikipedia ist, dass die BIENE sich für 2007 vorgenommen hat, große Anbieter von Web-2.0-typischen Services genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wird auch Wikipedia genannt.

Nun weiß jeder, der sich einmal mit der Barrierefreiheit von Webseiten befasst hat, dass dies eine vielschichtige Angelegenheit ist. Es beginnt schon damit, dass der Ausdruck „barrierefrei“ sich nicht einfach als Euphemismus für „behindertengerecht“ versteht. Auch Unübersichtlichkeit oder schwere Textverständlichkeit stellen Barrieren dar, und nicht nur Menschen mit Behindertenausweis scheitern an solchen Barrieren. Wobei die Grenzen natürlich von Mensch zu Mensch sehr verschieden sind. Ebenso verschieden wie die Ansprüche und anvisierten Zielgruppen von Web-Inhalten. Es gibt formale Regeln, die mit etwas redaktioneller Disziplin leicht einhaltbar sind, etwa die Verwendung von Alternativtexten bei Grafik und Multimedia, oder zusammenfassende Beschreibungen für Tabellen. Doch bei Themen wie Unübersichtlichkeit oder Textverständlichkeit scheiden sich die Geister. Manche finden viele Links auf der Startseite praktisch, andere werden dadurch verwirrt. Die einen verstehen keinen Satz mit mehr als zehn Wörtern, und andere fühlen sich eher für dumm verkauft, wenn sie wie bei der Sendung mit der Maus angesprochen werden.

Ein Webprojekt wie Wikipedia, dessen Bedeutung für die Menschheit von Tag zu Tag wächst, muss sich allerdings mit all diesen Dingen auseinandersetzen. Die BIENE-Initiative ist dabei wohl sicher nicht der erste Gedanke, der bei den Wikipedianern an das Thema Barrierefreiheit verschwendet wurde. Denn trotz des chaotischen HTML- und CSS-Gewirrs, durch das sich das Standard-Monobook-Layout der MediaWiki-Software auszeichnet, macht die komplexe Wikipedia-Startseite zumindest im Lynx-Browser einen recht ordentlichen Eindruck, wie auch der Lynx-Viewer von K&K Software bestätigt.

Gut gelöst ist beispielsweise die Möglichkeit, sehr weit oben im Text, für grafische Browser unsichtbar, zur Navigation und Suche springen zu können. Damit wird bereits ein typisches Hindernis und Ärgernis überwunden, an das nur wenige Seiten denken. Denn einerseits ist es für Erstbesucher schlecht, wenn zuerst die Navigation und erst dann der Seiteninhalt präsentiert wird, doch andererseits ist es für Benutzer, die von einer Artikelseite zur Hauptseite zurückspringen absolut nervtötend, sich jedesmal wieder durch den Einführungstext bis zur Navigation quälen zu müssen.

Auch die relativ weit oben angesiedelten Links zur Groborientierung, die zu Unterportalen wie Geographie, Geschichte oder Gesellschaft führen, sind durchdacht platziert. Auf den ersten Blick wirkt die Wikipedia also nicht so, als ob man sich überhaupt noch keine Gedanken zu dem Thema gemacht hätte. Gerade das aber könnte für Webdesigner, die über tieferes Know How in Sachen Barrierefreiheit verfügen, ein Anreiz sein, sich an der Wikipedia:BIENE zu beteiligen. Auf der Seite selbst kann man sich als Mitstreiter eintragen, indem man sie editiert. Oder man probiert erst mal durch Teilnahme an den Diskussionen, wie gut es mit der Wellenlänge mit den anderen Interessenten klappt. Benötigt werden aber nicht nur Webdesign-Experten, sondern auch Vertreter der Zielgruppe, also Web-Benutzer mit Handicaps.

Wichtig ist der Initiative, dass vor allem Lösungen erarbeitet werden, die nicht zur Folge haben, abertausende von Wikipedia-Artikeln umschreiben zu müssen. Die Lösungen sollen bereits auf der Software-Ebene von MediaWiki greifen, oder zumindest auf der Ebene der Skins, also etwa in den Sourcen des Monobook-Layouts. Da ist eigentlich alles erlaubt zu denken, von software-seitiger Artikel-Inhalts-Optimierung bis hin zu einem intelligenten System aus medienabhängigen CSS-Stylesheets. Falls die Initiative zu Ergebnissen führt, könnten die Lösungen möglicherweise auch für andere Software-Anbieter (etwa für Anbieter von Content-Management-Systemen) von Interesse sein.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Wikipedia will barrierearmer werden


Freitag, 20. Juli 2007

Ein eigenes hosted Wiki

Wikis sind doch nur was für Wikipedia. Ja, die Vorurteile über Wikis sind bekannt. Dabei ist das genauso, als würde das Vorurteil kursieren, mit HTML könne man nichts anderes als technische Dokumentation schreiben. Ist ja auch nicht ganz von der Hand zu weisen — da gibt es Elemente wie code, var, sample, kbd usw., die man für Software-Beschreibungen sehr gut gebrauchen kann, doch ein Journalist, der eine News schreiben will, oder ein Student, der eine Studie veröffentlichen will, braucht das in der Regel nicht. Da wären Elemente für Teaser oder Fußnoten besser. Egal, es geht trotzdem. Weil man mit <p class="sonstwas"> auch ganz gut auskommt. Vielleicht nicht perfekt für jeden Zweck, aber brauchbar. Sollen die Gralshüter der reinen Markup-Lehre ruhig nervösen Hautausschlag bekommen. Kreativer Umgang mit vorhandenen Techniken war schon immer die Lösung für mehr.

Bei den Wikis ist es nicht anders. Man kann sie als besonders bequeme Content Management Systeme für alles mögliche benutzen, nicht nur für menschheitsglobale Enzyklopädien. Das Praktische ist, dass Editieren und Präsentieren nicht wie bei richtigen Content Management Systemen weit voneinander getrennt sind, sondern unter dem gleichen Hut, innerhalb der gleichen Webanwendungs-Engine laufen. Eigentlich so, wie man es von normalen Desktop-Anwendungen kennt. Man kann ohne viele Umwege bearbeiten, was man sieht. Vieles bearbeitet man überhaupt nur deshalb, weil man es sieht und sofort bearbeiten kann. Müsste man erst eine separate Administrationsanwendung unter eigener URL-Adresse aufrufen, sich dort einloggen usw., würde man viel weniger editieren. Und das hat nichts mit Wikipedia zu tun. Es ist eine Eigenheit von allen Wikis.

Am Anfang eines Wikis ist die Startseite, und auf der Startseite steht irgendwelches software-seitig vorgegebenes Zeug. Mit einem Klick kann man den Inhalt editieren. Man kann den vorgegebenen Krempel löschen und stattdessen beispielsweise Links auf andere Seiten des Wikis setzen, die noch gar nicht existieren. Die Wiki-Software ist so nett und bestraft solche Links nicht mit einem 404-Error, sondern ermöglicht beim Anklicken des Links im Präsentationsmodus das Anlegen der noch nicht existierenden Seite. So kann man völlig zwanglos jede Art von Hypertext stricken. Egal ob Meeting-Notizen, Kontaktdaten, Projektdokumentationen, Zettelkasten, Linkverzeichnis, Rezeptesammlung, Fotoalbum, Code-Bibliothek, Lerninhalte, Vorlesungsskripte oder HowTo-Beschreibungen

Ein persönliches Wiki kann man sich am eigenen Rechner installieren. Dazu benötigt man in der Regel jedoch einen Webserver, den Script-Interpreter oder die Laufzeitumgebung der Programmiersprache, in der das Wiki geschrieben ist, in vielen Fällen beispielsweise PHP, oftmals auch ein DMBS wie MySQL usw. Nicht jeder kann oder will sich damit beschäftigen. Außerdem sind Wikis häufig nicht so ganz persönlich. Manche Wikis sollen vielleicht völlig offen sein für alle Besucher aus dem Internet, andere wiederum sollen nur bestimmten Personen zugänglich sein, etwa Freunden und Bekannten oder Kollegen und Geschäftspartnern. Solche Wikis sollten also besser gleich auf einem Server im Netz installiert werden. Auch hierbei gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten. Man kann sich einen Root-Server mieten und alle erforderlichen Software-Produkte selbst installieren. Einige Provider sind auch auf Wikis spezialisiert und bieten Root-Server bereits mit vorinstallierter Wiki-Software an. Der einfachste Weg ist jedoch, sich bei einer sogenannten Wikifarm mit wenigen Klicks ein eigenes Wiki einzurichten. Der Aufwand ist vergleichbar dem, ein Blog bei einem Blog-Service einzurichten.

Auf dem Wikifarm-Markt tummeln sich etliche Anbieter. Der mit Abstand beste, den ich gefunden habe, ist wikidot.com. Von einem Polen namens Michal Frackowiak im Alleingang entwickelt, besticht wikidot.com durch gute Performance, viele nützliche Features, hohe Anpassbarkeit und Werbefreiheit. Es gibt keine Begrenzungen, was die Anzahl der Seiten eines Wikis betrifft. Lediglich für zusätzliche Dateien (z.B. Grafiken, Videos usw.) besteht derzeit eine Obergrenze von 100 MByte pro Wiki. Und wer es nicht glauben will, möge sich mal das noch inoffizielle Webkompetenz-Wiki ansehen!

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Wikis


 

Get Free Shots from Snap.com