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Dienstag, 2. Oktober 2007

Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki

Auch in der Art, wie sie am liebsten publizieren, unterscheiden sich Menschen. Die einen publizieren gerne chronologisch, wie hier in einem Blog. Andere publizieren lieber systematisch an einem Gesamtwerk, so wie es in einem Wiki der Fall ist. Nach gründlicher Introspektion habe ich festgestellt, dass ich weniger der Blog-Typ bin, sondern eher der Wiki-Typ. Deshalb habe ich nun vor, das hiesige Blog aufzugeben und stattdessen lieber das Webkompetenz-Wiki auszubauen.

Auf Beiträge der Art, wie ich sie hier im Blog veröffentlicht habe, muss im Wiki niemand verzichten. Innerhalb des Wikis gibt es rechts auf der Startseite jeweils einen aktuellen Beitrag (Spot). Wenn dieser durch einen neuen aktuellen Spot ersetzt wird, wandert er ins Spot-Archiv. Das Spot-Archiv wird kalendarisch und nach Tags (Stichwörtern) sortiert zugänglich sein. Eine Ausnahme sind Blog-Beiträge im Rahmen der Tutorial-Serien. Diese kommen innerhalb des Wikis in die Rubrik Tutorials.

Ich habe vor, die bisherigen Beiträge des Webkompetenz-Blogs ins Wiki zu überführen und dann einfach dort hin und wieder einen neuen Spot zu veröffentlichen. Gleichzeitig sollen die übrigen inhaltlichen Bereiche des Wikis wachsen. Solange nicht alle Beiträge dieses Blogs ins Wiki überführt wurden, bleibt das Blog hier noch online. Das kann noch eine ganze Weile dauern, da ich mich in nächster Zeit umzugsbedingt ohnehin nicht so viel um das Projekt kümmern kann.

Das Webkompetenz-Wiki wird auf der wirklich empfehlenswerten Wikifarm wikidot.com gehostet. Der verfügbare Speicher für das Wiki ist unbegrenzt (nur bei Grafiken gibt es eine Obergrenze), und das Wiki kann auf Dauer frei von Werbung bleiben. Die Rubrik Spot kann natürlich kein Blog ersetzen. So gibt es dort keine Ping-/Trackbacks und keine Möglichkeit, die Beiträge als Feed zu abonnieren. Die Wiki-Software, die für wikidot.com entwickelt wurde, soll jedoch in der nächsten Vollversion unter anderem auch volle Blog-Funktionalität innerhalb von Wikis bieten (siehe auch: Working On...). Ein vollwertiges Webkompetenz-Blog innerhalb des Webkompetenz-Wikis ist also in Zukunft nicht auszuschließen.

Im Gegensatz zum Blog soll das Wiki kein Einmann-Unternehmen bleiben. Es soll aber auch nicht unkontrolliert zur Bearbeitung offen sein. Auf wikidot.com gibt es für diesen Fall das Konzept der members (Mitglieder). Mitglied eines Wikis wird man, indem man vom Betreiber des Wikis dazu eingeladen wird, oder indem man sich als Mitglied bewirbt und die Bewerbung angenommen wird. Bevor ich jedoch weitere Mitglieder aufnehme, möchte ich die Grundstruktur des Wikis erst einmal anlegen. Denn aus den Fehlern rund um das SELFHTML Wiki habe ich gelernt: zeige erst mal, wohin du willst, und geh zur Not auch allein dort hin ;-)

Unberührt von alledem bleibt vorerst das Webkompetenz-Forum. Allerdings besteht innerhalb der Wikis von wikidot.com auch die Möglichkeit, Foren zu betreiben. Bereits jetzt gibt es innerhalb des Webkompetenz-Wikis ein Forum für wiki-interne Themen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Webkompetenz-Forum irgendwann dorthin umzieht. Diese Entscheidung wird allerdings nicht ohne die aktiven Mitstreiter im Forum gefällt.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki
Webkompetenz-Blog wandert ins Wiki -- Feeds?


Samstag, 8. September 2007

Das Upload-Magazin als Website und in PDF

Hin und wieder stößt man auf Webprojekte, die einfach gut gemacht sind, viel zu bieten haben und ohne viel Aufhebens funktionieren. Eines dieser Webprojekte ist für mich UPLOAD. „Bei UPLOAD dreht sich alles um Weblogs, Podcasts, Wikis, PDF-Magazine und andere Möglichkeiten, Inhalte und Werke digital zu verbreiten“, heißt es in der Eigenaussage.

Die Frontseite besteht aus Anlesertexten der neuesten Artikel. Es handelt sich dabei tatsächlich um Artikel und nicht nur um Postings — also um Beiträge, deren Erstellungsaufwand eher in Stunden misst als in Minuten. Jan Tißler, der Macher hinter dem Upload-Magazin, ist Journalist, und diese Professionalität ist den Artikeln anzumerken. Redaktioneller Aufwand steckt auch hinter den Podcasts, die im Schnitt alle zwei Wochen erscheinen und eine Länge von 10 bis 15 Minuten haben. Im Audio-Bereich wirken Jan Tislers Beiträge sprachlich nicht ganz so glatt wie die eines Radiomoderators. Zum Glück verlässt er sich nach wenigen Einleitungsworten meist auf intuitives Erzählen, was der Lebendigkeit der Podcasts sehr zu Gute kommt.

Bei allen optischen Genüssen, die ein gelungenes Webdesign vermittelt: so manch einer, der noch mit kreativ orientierten Print-Zeitschriften aufgewachsen ist, vermisst mitunter doch etwas die Möglichkeiten einer Seite mit festen Ausmaßen in Breite und Höhe, klar durchgestylt und ohne Navigationsstress. Jan Tißler nutzt auch diesen Kanal, um sein Publikum zu bedienen. Im Juni 2007 erschien die Testausgabe eines PDF-Magazins. Um in den Genuß von dessen Aufruf oder Download zu kommen, ist jedoch eine Registrierung erforderlich. Die Registrierung ist mit keinen Kosten verbunden. Nun empfinden die meisten Anwender Registrierungspflicht nur da als gerechtfertigt, wo sie als User selber Content beitragen können und die Betreiber deshalb ein Anrecht auf ihre Identität haben. Und so ist es auch bei UPLOAD: die Registrierung ermächtigt nicht nur zum Download des PDF-Magazins, sondern auch zur Teilnahme am UPLOAD-Forum.

Das PDF-Magazin selbst ist im A4-Querformat gestaltet und erinnert in seinem ambitionierten Layout durchaus an Lifestyle-Zeitschriften. Die Inhalte bieten die richtige Mischung an Recherche-Tiefe und lockerer Darbietung. Jede Ausgabe hat Schwerpunkt-Themen. In der Testausgabe war dies das Thema Abmahnungen im Internet. Daneben werden aber auch Themen angeboten, zu denen noch nicht viel Anderes in deutscher Sprache geschrieben wurde, so etwa über die Blogosphäre in Russland. Die zweite Ausgabe des PDF-Magazins (die erste, die keine Testausgabe ist) erscheint dieser Tage.

Das UPLOAD-Magazin ist sicherlich kein Geheimtipp mehr, wie die Blogsuche verrät. Mit ein paar Hundert Besuchern am Tag gehört es durchaus zu den sogenannten A-Blogs, und in den Deutschen Blogcharts hält es einen guten Mittelplatz. Was mir persönlich gefällt, ist, dass es nicht so hektisch ist wie manches Trend-Blog, dass es mehrgleisig fährt und nicht so tut, als ob es außer der Blogosphäre nichts mehr gäbe im Internet. Bleibt zu wünschen, dass Jan Tißler die Kraft hat, dieses anspruchsvolle Projekt dauerhaft zu stemmen.

*****

Kleiner Hinweis noch in eigener Sache: da es sich bei diesem Blog-Beitrag um ein typisches Review handelt, habe ich es erstmals mit dem entsprechenden Mikroformat ausgezeichnet.


Donnerstag, 30. August 2007

Tiefen-Blogging oder die Autorität des Autors

In einem lesenswerten Blog-Beitrag mit dem Titel Der Trend zum Tiefen-Blogger greift Wolfgang Sommergut ein Thema auf, mit dem sich viele Blogger einmal beschäftigen sollten. Der Beitrag schlägt eigentlich in die gleiche Kerbe wie unser früherer Beitrag Blogs als Parasiten. Jeder Blogger wünscht sich ein gut mit Beiträgen gefülltes Blog. Viele neigen jedoch dazu, Beiträge eher beiläufig und ohne besonderen redaktionellen Aufwand zu posten. Sie führen im Grunde ein öffentliches Notizbuch, in dem sie Gedanken, Bemerkungen, Reviews, Links und aufgeschnappte News ansammeln. Die Beiträge sind meist kurz, nicht selten telegrammstilartig und in der Regel nicht sehr sorgfältig ausformuliert. Das ist bei heruntergeschraubtem literarischem Anspruch allerdings noch vergleichsweise spannend, verglichen mit den vielen Blogbeiträgen, deren Inhalte lediglich aus anderen Quellen zusammenkopiert sind, oder die nur von Content-Syndication-Scripts automatisch generierte Ware darstellen.

Wolfgang Sommergut sieht einen neuen Trend in der Blogosphäre: immer mehr Blogger vermeiden den Selbstanspruch, im Alleingang ein komplettes News-Organ anbieten zu wollen. Stattdessen wird das Blog lieber benutzt, um „wertige“ Artikel anzusammeln, die auch nicht im Stundentakt erscheinen müssen. Ein wichtiger, diskussionsauslösender Beitrag zu dieser Thematik ist sicherlich der Anfang Juli 2007 erschienene Beitrag Write Articles, Not Blog Postings von Altmeister Jakob Nielsen. Nielsen fordert von einem Blogger, dass dieser in irgendeiner Disziplin, auf irgendeinem Gebiet der Beste sein sollte, einer, der seinen Bereich besser durchdringt als alle anderen, der darin souverän Akzente setzen kann und dem „man“, also die Masse, eine Führungsrolle auf seinem Gebiet zuerkennt. Denn egal ob menschliche Leser oder täuschungserfahrene Suchmaschinen-Spider: sie sind auf der Suche nach originärem Content, also nach dem, was nur ein richtiger Autor erschaffen kann.

Gerade der wohl bekannteste Viel-Poster der deutschsprachigen Blogosphäre, Robert Basic, wird von Wolfgang Sommergut als Beispiel-Kandidaten für den Trend oder zumindest den Wunsch nach mehr inhaltlicher Tiefe angeführt. Mit seinem Beitrag Tiefe und Bloggen, der Ende Juli 2007 erschien, erweckt Robert tatsächlich den Eindruck, als ob er der typischen Oberflächlichkeit eines gewöhnlichen Blogs ziemlich überdrüssig sei. Er träumt von einem Webprojekt, das irgendwo zwischen Blog, Wiki und statischer Dokumentation angesiedelt ist, und dessen Inhalt eine fachlich fundierte, zusammenhängende Vermittlung der Materie rund ums Web 2.0 ist. Eine Art SELFHTML also für das Know How jenseits der Web-Basistechnologien, realisiert auf einer hochgradig produktiven Webanwendung, die zwanglos chronologisches Publizieren mit gründlich systematischem Publizieren zwanglos und gründlich vereint ;-)

Doch verläuft der Trend zu mehr inhaltlichem Tiefgang nicht konträr zur Philosophie von Web 2.0? Schließlich wird dort allenthalben User generated Content propagiert. Die Antwort lautet: Nein. Der Widerspruch löst sich, wenn man bedenkt, dass User generated Content etwas anderes ist als reine Interaktion mit anderen Benutzern. User generated Content steht für spontan mögliches Publizieren im Web, nicht für das Gebrabbel, Dampfgeplauder und Gezänk in manchen Diskussionsforen oder Kommentarschlachten. Auch wenn er über Web-Formulare eingespeist wurde, so ist es doch Content, wobei man darunter durchaus wieder das verstehen darf, was wir zuvor als originären, autoren-orientierten Content bezeichnet haben. Könnte man also die Prognose wagen, dass der Trend zu mehr Tiefgang auch den User generated Content erfassen wird? Unsere Antwort lautet: Ja. Die immer weiter wachsenden Qualitätsansprüche an Wikipedia-Autoren weisen deutlich in diese Richtung. Zwar muss man zwischen dem redaktionellem Anspruch eines Wikipedia-Artikels und dem eines Freizeitfreund-Profils auf einer Social-Networking-Plattform unterscheiden. Doch auch dort werden sich Profile und andere Inhalte durchsetzen, die nicht aus Unsicherheit woanders abgekupfert wurden, sondern die Temperament und Persönlichkeit ihrer Urheber glaubhaft in Text und Multimedia übersetzen.

Man kann allerdings einwänden, dass es sich beim „Tiefen-Bloggen“ gar nicht um einen neuen Trend handelt, sondern einfach nur um einen alten Hut, der mal wieder neu entdeckt wurde. Schon immer wurde nach mehr Tiefgang gerufen, wenn das Gewässer zu seicht zu werden drohte. Und seicht wird es, wenn Wahrnehmung und Denken in spotlightartig Vordergründigem und wahllos Tagesaktuellem zu versacken drohen. Im Trend zum Tiefen-Blogging verbirgt sich also der Wunsch nach einer erklärenden Zusammenhänglichkeit, wie sie nur von einem Autor kraft seiner Autorität geschaffen werden kann.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Zum Blog-Eintrag: Tiefen-Blogging oder die Autorität des Autors


Mittwoch, 11. Juli 2007

Homepages und Blogs

Früher hatte der coole Zeitgenosse eine Homepage, heute betreibt er ein Blog. Jedenfalls wird sehr auf den Unterschied geachtet. So ist in vielen Beiträgen, egal ob innerhalb der Blogosphäre oder im außenstehenden Journalismus, von „Blogs und Homepages“ oder von „Homepages und Blogs“ die Rede, ganz so, als seien das unterschiedliche Medien, die man zwar in einem Atemzug nennen, aber ansonsten auf keinen Fall vermengen darf, und von denen Homepages das ältere Medium sind, Blogs das jüngere. Doch ist ein Blog denn eigentlich etwas so viel Anderes als eine Homepage? Es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Es gibt auch Blogs, die besser eine klassische Homepage wären, und es gibt Homepages, die sich besser als Blogs organisieren ließen.

Die Inhalte: technische Bewältigung vs. Publikationsstress

Der klassische Homepage-Besitzer war unter anderem deshalb so stolz auf seine Homepage, weil er sich wegen ihr aufregend viel Neues angeeignet hat: er hatte sich mit HTML beschäftigt, vielleicht auch mit CSS oder JavaScript, und er hatte sich mit unzähligen Tücken und Merkwürdigkeiten herumgeschlagen, bis die Homepage endlich halbwegs vorzeigbar war. Doch die technischen Möglichkeiten entwickelten sich weiter. Vor allem gab es immer mehr Spielereien, die man als Homepage-Besitzer einfach haben musste: Rollover-Effekte bei Buttons, animierte Grafiken, Lauftexte und vieles mehr. Über all den Anstrengungen, den technischen Anschluss nicht zu verpassen, vergaßen viele Homepage-Inhaber völlig, sich Gedanken um die Inhalte ihrer Homepage zu machen. Grafiken von Baustellenschildern gehörten deshalb zum Standardinventar. Wo Zeit und Lust fehlten, um redaktionell zu arbeiten, kam einfach ein Baustellenschild hin. Für viele war der Inhalt sowieso sekundär. Die Homepage sollte in erster Linie etwas präsentieren, nämlich das programmiertechnische und gestalterische Können ihres Inhabers. Und nebenbei vielleicht auch noch seine Lieblingswitze, einen Bericht von irgendeiner Reise, ein paar Bilder von sich und Freunden, ein paar Links und einen Disclaimer.

Im Reich der Blogs besteht zwar ebenfalls die Möglichkeit, alles Technische von der Pike auf selbst zu stemmen, doch nur einige Profi-Blogger, denen es auf volle Kontrolle ankommt, nutzen diese Möglichkeit. Die Masse der Blogger meldet sich lieber bei einem der zahlreichen Gratis-Blogservices an. Wenige Minuten später kann dann bereits der erste eigene Beitrag im Netz stehen, in einem attraktiven, selbst ausgewählten und vielleicht noch angepassten Layout, und mit allen Standardfunktionen versehen, die ein modernes Weblog zu einem ebensolchen macht. Denn moderne Blogs basieren auf Web-Anwendungen, nicht mehr auf dem Erstellen statischer HTML-Dateien. Zur Webanwendung gehört auch ein mehr oder weniger komfortables Backend, also eine web-basierte Verwaltungsoberfläche. Für die Eingabe von Blog-Beiträgen sind gar keine oder nur geringe HTML-Kenntnisse erforderlich. So wird der Blogger sehr schnell auf seine eigentliche Aufgabe zurückgeworfen, nämlich das Erstellen von Inhalten. Blogs leben von neuen Inhalten. Wer keine oder zu wenig neue Inhalte bringt, wird nicht oder kaum gelesen. Ein Blog wird im Gegensatz zu einer Homepage nicht danach beurteilt, wie schön es aussieht, sondern ob sich darin inhaltlich etwas tut. Das Blog wird für viele Blogger schnell zum schreienden Tamagotchi, das ständig nachgefüttert werden will. Die Versuchung ist dann groß, sich bei fremden Inhalten zu bedienen, nachzuplappern und einfach nur zu zitieren.

Die Sortierung der Inhalte: thematisch vs. chronologisch

Eine Homepage präsentiert sich normalerweise thematisch sortiert. Die Inhalte der Startseite sind tendenziell statisch und wollen möglichst rerpäsentativ sein. Die Navigation führt den Benutzer in die Tiefen des Inhaltsangebots (sofern vorhanden). Selbst wenn auf den einzelnen Webseiten der Zeitstempel der letzten Bearbeitung oder der Entstehung des Inhalts verzeichnet ist, so nimmt der Benutzer primär wahr, welche Themen behandelt werden, doch nicht, wann sie behandelt wurden. Ein Blog dagegen ist typischerweise chronologisch sortiert. Auf der Startseite bekommt der Benutzer dynamisch die neuesten Inhalte angezeigt. Weitere Inhalte nimmt er oft zunächst über das kalendarisch geordnete Archiv wahr. Erst über zusätzliche Features wie Labels (Tags) oder eine Volltextsuche kann er sich einen Überblick über das thematische Spektrum eines Blogs verschaffen.

Wer also gar nicht viel und regelmäßig schreiben möchte und stattdessen eigentlich nur eine repräsentative Visitenkarte im Web haben möchte, sollte die Finger vom Bloggen lassen und sich eine Homepage einrichten. Wer dagegen seit Jahren eine Homepage unterhält, auf der sich in Form regelmäßiger Updates allerlei verstreute Beiträge, Berichte, Kommentare, Bilder und sonstiges Material angesammelt haben, sollte durchaus in Erwägung ziehen, auf ein Blog umzusteigen. Wie das geht? Nun, die Inhalte müssen vermutlich „zu Fuß“ übertragen, also kopiert und angepasst, also beispielsweise mit Tags/Labels versehen werden. In den meisten Blog-Software-Produkten ist es kein Problem, Beiträge auf das Datum zurückzudatieren, an dem sie tatsächlich einmal veröffentlicht wurden. So lässt sich durchaus nachträglich ein Blog mit jahrelanger Geschichte einrichten. Den Rest der Vorteile eines Blogs besorgt die Blog-Software automatisch: Indexierung der Inhalte für die in die Blog-Software integrierte Volltextsuche, Automatisierung der Navigation im Archiv usw.

Die Auffindbarkeit

Blogs haben in Sachen Auffindbarkeit unbestreitbare Vorteile: die Blogsoftware versendet bei neuen Beiträgen Pings an Zentralserver, wodurch neue Beiträge schnell in große und vielgenutzte Blog-Suchen wie die Google-Blogsuche oder Technorati geraten. Inhalte von Blogbeiträgen werden von der Blog-Software außerdem ganz oder teilweise in RSS- oder Atom-Feeds mitgeführt. Dadurch wird auch die stetig wachsende Anwenderschicht erreicht, die Inhalte mittlerweile lieber über einen Feedreader konsumiert statt direkt irgendwelche Websites nach Neuigkeiten abzuklappern. Die beiden Fakten, dass sich die Blog-Startseite mit jedem neuen Eintrag ändert, und dass ein ordentlich geführtes Blog über viele Inhalte verfügt, machen Blogs auch für Suchmaschinen attraktiver als Websites, deren wenige Inhalte seit ewigen Zeiten unverändert dastehen.

Dazu kommt der Zusammenhalt der Blogosphäre, der für eine bessere Auffindbarkeit sorgt. So etwa durch die verbreiteten Blogrolls, durch das System der Trackbacks und ganz allgemein durch die erhöhte Bereitschaft der Blogger, untereinander zu kommunizieren und sich reichhaltig untereinander zu verlinken. In den Anfangsjahren des Web hatte es im Homepage-Bereich durchaus vergleichbare, wenn auch weniger pfiffige Ansätze gegeben, wie etwa Webringe. Doch heute stehen herkömmliche Homepages eher isoliert da und haben im Vergleich zu Blogs weniger Chancen, entdeckt zu werden.

Allerdings stellt sich in vielen Fällen die Frage, von wem man eigentlich aufgefunden werden will. Muss es immer die ganze Welt sein? Wer eine elektronische Visitenkarte ins Netz stellt, braucht nicht tausende von Besuchern, sondern hat eine Webadresse, die er auf einer echten Visitenkarte abdrucken kann. Es genügt, wenn sich Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner, die eine solche Visitenkarte erhalten haben, unter der angegebenen Adresse schlauer machen können. Der Google-Bot wird gar nicht benötigt.

Der Coolness-Faktor

Gerade weil die Blogs derzeit so stark boomen, dass tagtäglich hunderte und tausende neuer Blogs im Web eingerichtet werden, ist es nicht mehr zwangsläufig „cooler“, ein Blog anstelle einer Homepage zu unterhalten. In einigen Großstädten ist die Bloggerdichte bereits so hoch, dass Blogs so selbstverständlich sind wie Namensschilder an den Türen. Wer gerne gegen den Strom schwimmt, um sein Ego zu nähren, ist mit einer sehr individuellen, CSS-layoutierten und hochgradig barrierefreien Edel-Homepage vermutlich besser bedient. Und außerdem gibt es noch weitere Alternativen. Wer nicht gerne chronologisch publizieren mag, aber dennoch gerne auf Basis einer modernen Webanwendung arbeiten möchte, kann es ja auch mal mit einem Wiki probieren. In vielen Wiki-Systemen lässt sich skalieren, wer in dem Wiki publizieren und/oder kommentieren darf. Richtig skaliert, ist ein Wiki durchausaus nicht nur als Publikationsplattform für große und offene Communities geeignet, sondern auch für wenige Autoren bis hin zum Einzelautor, der das Wiki einfach als kreatives Content Management System für seine Web-Inhalte nutzt.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Homepage
Noch mal: Homepages und Blogs


Mittwoch, 13. Juni 2007

Blogs als Parasiten

Jeder, der sich öfters in die Welt der Blogs begibt oder verirrt, kennt das. Die „Großen“ wie Heise, Springer und Konsorten bringen eine Meldung wie „Safari-Browser jetzt auch für Windows“ oder „Paris Hilton wieder frei“, und die halbe Blogosphäre plappert sie mehr oder weniger bewusstlos nach. Manchmal wird sogar einfach nur kopiert, oder es wird schlicht und einfach Content-Syndication betrieben.

Sinnvoll wäre es ja durchaus, wenn die Blog-Beiträge sich als intelligente Kommentare zur Original-News verstehen würden, sozusagen als digitales Leserbrief-Echo aus dem Netz. Doch allzuoft sind es einfach nur verkürzte Wiedergaben oder verkrüppelte Zitate des Originals, mit der zigtausendmal täglich die eigene thematische Ideenlosigkeit übertüncht werden soll. Nun könnte man argumentieren, dass vielleicht nicht jeder Leser alle Original-News liest und stattdessen über ein Privat-Blog seines Vertrauens zumindest eine subjektive Auswahl davon mitbekommt. Es bleibt jedoch zweifelhaft, ob ein Blog, welches das Sprachrohr einer Persönlichkeit sein soll, mit schlecht wiedergekäuten News aus dem Profi-Journalismus tatsächlich sein Ziel erreicht. Und aus Sicht eines Lesers, der News aus der Informationsflut filtern will, ist es wohl besser, auf Feedreader zurückzugreifen.

Robert Niles hat sich schon vor einiger Zeit die Frage gestellt: Are blogs a 'parasitic' medium?. Er fragte ein wenig herum zu dem Thema, und bekam von Rich Gordon, Professor und Direktor für Digital-Technologie in Lehre und Erziehung, unter anderem folgendes zur Antwort (hier übersetzt): „Wer aus der Ecke der traditionellen Medien kommt und glaubt, Blogger seien parasitär, sollte mal den Traffic seiner Website dahingehend analysieren, wie viele Besucher über Links aus Blogs kommen. Wenn es wenige sind, gibt es nichts zu befürchten. Wenn es viele sind, profitiert die eigene Site von den Parasiten. Die korrekte wissenschaftliche Bezeichnung sollte dann aber wenigstens 'symbiotisch' lauten, nicht 'parasitär'.“

Nun ist an der Argumentation zumindest nachvollziehbar, dass die Original-News-Anbieter oder Mainstream-Medien von Bloggern profitieren, die ihre Meldungen aufgreifen und weitergeben. Wie groß die Besucherströme in dieser Richtung (also von kleinen Blogs hin zu Major-Playern der News-Branche) tatsächlich sind, muss allerdings erst noch erforscht werden. Fakt ist jedenfalls, dass das vielhundertfache „Wiederkäuen“ auch eine Menge zusätzlicher Daten im Web produziert, die beispielsweise von Suchmaschinen verarbeitet werden müssen. Letztere reagieren immerhin so, dass originärer Content deutlich höher bewertet wird als wortwörtlich nachgeplappertes Zeug.

Publizieren ist kinderleicht geworden. Der Blogger von heute muss nicht mal mehr in die Homepage-Grundschule. Doch dass es auch ohne Autoren geht, ist ein Trugschluss. Autoren, ganz allgemein gefasst als Schaffende von originären, authentischen Inhalten, sind sogar massenhaft erforderlich, wenn das Web nicht zu einer Wüste wiederholter Worte mutieren soll.

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Blogs als Parasiten


Mittwoch, 16. Mai 2007

Bloggen lernen

Mit etwas spekulativer Zahlenkunst hat Popkulturjunkie Jens Schröder in seinem Blog-Eintrag wie viele deutschsprachige blogs gibt es? neulich etwa 70 Millionen Blogs weltweit und etwa 600.000 deutschsprachige Blogs ausgemacht, von denen etwa 27.000 regelmäßig gepflegt werden. Wie auch immer die tatsächlichen Zahlen lauten mögen: immer mehr Zeitgenossen wagen sich selbst daran, ein Weblog zu führen. Und von denen, die sich nicht so recht trauen, zögern nur deshalb viele, weil sie nicht so recht wissen, wie und wo sie mit dem Bloggen anfangen sollen, was es zu beachten gibt, wie man beachtet wird, was man alles kennen sollte usw.

Ein praxisorientierter Anlaufpunkt für Fragende ist die Weblog FAQ von Stefan Bucher. Auf einer einzigen Webseite lassen sich natürlich nicht alle Aspekte der Blogosphäre erschöpfend behandeln. Doch welcher gewillte Einsteiger will schon Erschöpfendes und Erschlagendes? Wichtige Fragen werden in der Weblog FAQ jedenfalls erst einmal beantwortet, und eine bewältigbare Menge Links zu weiteren Informationsquellen ist inklusive.

Wer lieber etwas theoretischer an die Sache herangehen möchte, kann dazu durchaus den Weblog-Artikel von Wikipedia als Startrampe verwenden. Der Artikel enthält nicht nur zahlreiche Wikipedia-interne Links zu spezielleren Aspekten des Bloggens, sondern auch eine überschaubare, gut sortierte Liste mit Weblinks. Darunter auch Links zu Artikeln namhafter Publikationsorgane, die sich mit dem Bloggen auseinandersetzen.

Der willige Einsteiger und der neugierige Skeptiker erfahren aus all diesen Quellen, dass Bloggen extrem angesagt ist, dass man entweder bei einem Fremd-Hoster sofort mit dem Bloggen anfangen oder auf eigenem Webspace unter eigener Domain eine Weblog-Software installieren kann. Das gängige Fach-Chinesisch wie Permalink, Trackback oder Blogroll wird erläutert, und auch Tipps zum richtigen Verhalten innerhalb der Blogosphäre kommen nicht zu kurz.

Ein Aspekt wird allerdings gerne verschwiegen: die erforderliche Ausdauer. Ein Blog ist ähnlich bedürftig wie ein Tamagotchi. Es will über einen langen Zeitraum hinweg gefüttert und gereinigt werden, darf auch mal ruhen und verlangt dann aber plötzlich wieder die ganze Aufmerksamkeit. In dem eingangs erwähnten Zahlenspiel von Jens Schröder spricht das Verhältnis von 27.000 regelmäßig gepflegten gegenüber 600.000 jemals eingetragenen Blogs eine deutliche Sprache. Nicht einmal 5% aller irgendwo erreichbaren Blogs sind demnach als lebendig zu betrachten.

Wenn Sie sich also mit dem Gedanken ans Bloggen tragen und die Einsamkeit des Langstreckenläufers atmen, dann mögen Ihnen die folgenden Links vielleicht noch weitere Erkenntnisse mit auf den Weg geben:

lernen und lehren mit Weblogs: Bloggen Sie auch?
Ausführliches und anschaulich vermitteltes Wissen rund ums Bloggen in deutscher Sprache.

So vielseitig sind Weblogs: Bloggen für „Noch-Nicht-Blogger“
Eine Einführung in die Welt des Bloggens von der bekannten Content-Schmiede akademie.de

Abseits.de: Weblogs
Prall gefülltes Informationspaket rund ums Bloggen, gespickt mit zahlreichen weiterführenden Links


Mittwoch, 25. April 2007

Ein Blog wird sieben Jahre alt

In einem Posting im Webkompetenz-Forum hat uns Schockwellenreiter alias Jörg Kantel verraten, dass sein Blog nun stattliche sieben Jahre alt ist.

„Wir sind eine zivilisierte Spezies. Deshalb soll künftig niemand einen unrechtmäßigen Vorteil aufgrund der Tatsache erlangen, daß wir gemeinsam mehr wissen als einer von uns wissen kann“. So lautet der erste Blog-Eintrag mit dem Titel „Das offene Ohr“ vom 23.04.2000, den ich finden konnte.

Vor sieben Jahren, als gerade die Dotcom-Welle mit lautem Getöse durchs Netz schwabbte, kannte noch so gut wie niemand die Ausdrücke „Weblog“ oder „Blog“. Dabei lässt sich die Geschichte der Blogs laut Wikipedia bis zur Mitte der 90er Jahre zurückverfolgen. Was eigentlich auch nicht weiter verwunderlich ist, denn eine chronologische Orientierung von Inhalten ist schließlich keine Erfindung der jüngsten Zeit. Neueren Datums sind dagegen Vernetzungsstrategien wie Trackbacks/Pingbacks oder die Schlüsselwörter/Labels, um zusätzlich einen thematischen Zugang zu einem Blog zu erhalten.

Wer so früh mit dem Bloggen begann, hat jedoch zweifellos aufs richtige Pferd gesetzt. Denn mittlerweile, wo die Anzahl der Blogs so stark explodiert, wissen viele Novizen gar nicht mehr, dass man früher schon etwas Ähnliches kannte, damals bekannt unter dem Begriff „Homepage“. Der eingangs erwähnte Forumsthread aus dem Webkompetenz-Forum ist dort übrigens nicht der einzige zum Thema in letzter Zeit. Zwei andere Threads, die sich ebenfalls mit dem Bloggen befassen, sind Massebloggen oder Qualitätsbloggen und Falls jemand ein eigenes Blog starten will.

Jörg Kantel jedenfalls auch hier noch einmal „allerschärfsten Glückwunsch“ zum Blog-Geburtstag.


Sonntag, 22. April 2007

Wahltag in Frankreich mit Blogpole

44,5 Millionen Franzosen sind am heutigen Sonntag aufgerufen, den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Staatschef Chirac zu wählen. Die Wahl gilt als spannend, weil es den letzten Umfragen zufolge viele noch unentschlossene Wähler gibt.

Nun nehmen wir mal den Fall an, dass solche Leser im Internet Orientierung holen. Das trifft sicherlich nicht auf all diese Wähler zu, doch auf einen stetig wachsenden Teil der Wählerschaft ohne Zweifel. Doch von wo aus könnte man als Suchender eine solche Orientierungsreise starten? Über einen entsprechenden Beitrag bei SoSo.net bin ich auf den Service Blogpole gestoßen.

Und was tut Blogpole? Es bietet eine grafische Übersicht des politischen Fraktionsspektrums in Frankreich — zumindest wenn man ein einigermaßen aktuelles Flash-Plugin in seinem Browser installiert hat. In alle politischen Kreise kann man hineinzoomen, und erhält dann eine grafische Darstellung eines Netzes. Jeder Punkt im Netz ist ein Weblog. Die Vernetzung zeigt, welche Blogs mit welchen interagieren, also besonders eng verlinkt sind. Und alle Blogs eines Netzes werden ideologisch betrachtet dem jeweiligen politischen Kreis zugeordnet. Die Blogs sind anklickbar, und wenn man das Öffnen von Popups nicht verweigert, gelangt man schnell in die Tiefen der einzelnen Blogs.

Ob sich jedes Blog, das sich hauptsächlich oder teilweise mit Politik befasst, tatsächlich so einfach einer bestimmten politischen Richtung zuordnen lässt, sei dahingestellt. Ein interessanter Versuch ist es aber allemal, der da unternommen wird. Interessierte können auf diese Weise sehr schnell in medias res zoomen, also in mehr oder weniger persönliche (authentische?) Ansichten, Argumentationen und Wahrnehmungen.

Blogpole kann als ein weiterer Versuch gelten, Zugänge zu Inhalten zu jenseits klassischer Suchmaschinen oder Webverzeichnisse zu vermitteln. Services dieser Art haben auf jeden Fall Zukunft und werden in den nächsten Jahren vermutlich noch in großer Zahl aus dem Boden sprießen. Da die Technik und oft auch die Redaktion dahinter jedoch nicht trivial ist, wird auch diese Vielfalt wieder den üblichen Lauf nehmen: alles, was fließt, fließt am Ende in ein, zwei, vielleicht drei große Ströme.


Samstag, 21. April 2007

BarCamps - die Kreativkonferenzen der Neuzeit

Der gemeine ambitionierte Web-User bemüht sich ja, all die neuen Begriffe rund ums Web 2.0 zu verstehen — egal ob Social Bookmarks, Mashup, Tag Cloud oder Content-Syndication. Jetzt kommt noch eine weitere Vokabel dazu: BarCamp.

Warum das? Nun, wer Blogs liest, die sich mit den neueren Web-Trends auseinandersetzen, liest in letzter Zeit immer häufiger von BarCamp-Meetings. Und der verlinkte Wikipedia-Artikel klärt uns darüber auf, dass Ende September 2006 in Berlin und Wien die ersten BarCamps im deutschsprachigen Raum stattfanden, nachdem die BarCamp-Idee, die ihre Initialzündung ein Jahr zuvor im kalifornischen Palo Alto hatte, sich binnen weniger Monate fieberhaft rund um den Globus ausgebreitet hatte.

Ob der Begriff „BarCamp“ aber nur deshalb so cool ist, weil er aus der gleichen Wortschmiede stammt wie der Begriff „Web 2.0“? Beide gehen auf den O’Reilly Verlag zurück, der die Phantasie der Techie-Szene seit jeher beflügelt — mit vorwiegend gut geschriebenen Computerfachbüchern, auf deren Titel meist ein handgezeichnetes Wildtier prangt. Der O’Reilly Verlag genießt aber auch deshalb Kultstatus, weil er sich stärker als andere Verlage um die OpenSource-Szene kümmert. Das wiederum hängt eng damit zusammen, dass O’Reilly jahrelanger Arbeitgeber von Larry Wall war, dem Entwickler der OpenSource-Scriptsprache Perl.

Doch zurück zu den BarCamps: wie eine Suche bei Bloglines zeigt, wird viel über Barcamps geschrieben. Das ist ja auch ganz normal, da BarCamp-Teilnehmer sich nicht selten über ihre Blogs organisieren. Und die zahllosen Digitalfotos, die zu Real-Life-Treffen von Onlinern gehören wie das Salz zur Brezel, müssen natürlich auch veröffentlicht werden — meist direkt vom BarCamp aus über Flickr oder ähnliche Services.

Und was passiert auf einem typischen BarCamp? Damit es den Charakter einer Fachveranstaltung hat, werden Vorträge gehalten. Die Teilnehmer sind aufgefordert, sich, ihre Arbeit, ihr Projekt oder ein Thema, mit dem sie sich näher befassen, in einem Vortrag vorzustellen. Die Vorträge sollten nicht zu lang sein, um vorzeitige Ermüdungserscheinungen zu vermeiden. Darüber hinaus wird sich natürlich intensiv ausgetauscht. Kennenlernen kann man sich zwanglos beim Versuch, das eigene Notebook am nächsten WLAN anzumelden, oder beim letzten Bier, das man, in den Schlafsack gekuschelt, genießt, bevor die Sonne endgültig schon wieder aufgegangen ist und man seine zwei Stunden Schlaf nimmt.

Wem das jetzt noch zu allgemein ist, der kann ja mal beispielhaft in das Wiki zum Barcamp Frankfurt hineinschauen. Es ist nämlich kein Zufall, dass dieser Beitrag über Barcamps heute veröffentlicht wird. Irgendwas soll das Volk ja lesen, während die Crème de la Crème der Bloggerszene abgesehen von ein paar hastigen Live-Beiträgen direkt vom Barcamp in Frankfurt, das just stattfindet, kaum zum Schreiben kommt. Ein Blick in die Themenvorschläge beweist, dass ein BarCamp durchaus eine Menge Weiterbildungspotential hat. Von modernem Webdesign über Freifunk, CakePHP und die Entwicklung einer Suchmaschine bis hin zu Web 2.0 in China und dem Betreiben eines lokal orientierten Blogs reicht das Themenspektrum, das in diesen Stunden im Firmengelände von Cisco in Frankfurt behandelt wird.

Neu ist die Idee der BarCamps sicher nicht. Schon vor sehr langer Zeit hatten Konzile ganz ähnliche Aufgaben. Doch das ist kein Argument gegen BarCamps, sondern bestätigt eher, dass die Selbstorganisation der modernen Webworker weiter zunimmt. Deren Einfluss sollte niemand unterschätzen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass viele Web-Standards, an die wir uns in fünf oder zehn Jahren halten werden, viele Webanwendungen, mit denen wir dann arbeiten werden, und viele Problemlösungen, für die wir dann dankbar sein werden, ihren geistigen Ursprung in einem der vielen BarCamps gehabt haben werden.


Mittwoch, 21. März 2007

Die Blogs und das Authentische

Blogs gelten aus mehreren Gründen für authentisch:

  • Blogs ermöglichen schnelles, direktes Publizieren, ähnlich wie Foren. Sie fördern also spontanes Publizieren, etwa wenn der Blog-Autor gerade etwas Neues entdeckt hat oder sich über irgendwas aufregt.
  • Blog-Autoren sind gezwungen, über einen dauerhaften Zeitraum hinweg einigermaßen regelmäßig etwas von sich zu geben. Aus dem vermittelten Gesamtbild tritt die Persönlichkeit des Blog-Autors unweigerlich hervor.
  • Bei den meisten Blogs gibt es keine Review-Instanz, die Beiträge in Richtung Ausgewogenheit, Gefälligkeit und Standard-Medien-Deutsch trimmt. Blog-Inhalte sind meist unzensiert und ungefiltert.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Blogs ausnahmslos authentisch sind. Denn erstens gibt es Blogs, die nicht spontan gefüttert werden, sondern eher sporadisch, und dann mit meist größeren, stilistisch ausgeformten, gründlich recherchierten Beiträgen. Zweitens gibt es Blogs, deren Autoren sich durchaus so weit im Griff haben, dass ihr Blog kein Input für die Psychoanalyse darstellt. Und drittens bloggen längst nicht mehr nur ein paar eigenbrötlerische Intellektuelle, sondern auch die Vertreter jener Medien, die aus dem Vor-Blog-Zeitalter stammen.

Auf viele, vor allem private oder in Eigeninitiative gestarteten Blogs trifft die Authentizitätsbehauptung indes durchaus zu. Doch was soll damit eigentlich gesagt werden, wenn es heißt, Blogs seien besonders authentisch? Es soll das Unverdorbene daran gelobt werden, und es wird behauptet, dass dies weniger langweilig und besonders lebensnah sei.

Doch was ist Authentizität wirklich? Sie ist als solche weder gut noch böse, weder vorteilhaft noch nachteilig. Das Authentische an sich ist kein Wert und kein Schrott. Es ist einfach nur das Unverfälschte, Ungefilterte. Und es ist eigentlich nie in Reinform zu haben, denn wer schreibt, ist nicht einfach er selbst, sondern verhält sich im Schreiben zu sich selbst — und meistens auch irgendwie zu seiner Leserschaft. Bei Bloggern ist das nicht anders: sie können eigentlich gar nicht schreiben, ohne das für ihre anvisierte Zielgruppe, ihre Stammleser oder ihre potentiellen Kommentatoren zu tun. Wer wirklich nur schreiben will, ohne auf Leser zu hoffen, braucht kein Blog, sondern Stift und Papier oder eine offline laufende Textverarbeitung.

Und wenn es denn also doch mehr oder weniger deutlich hervorscheint, das Authentische, dann sollte das allein noch kein Grund für Begeisterung sein. Denn das Authentische an sich ist wie schon gesagt wertneutral, so wie die unaufhaltsame Gegenwart und Wirklichkeit. Auch dieses Blog ist authentisch, denn selbst der Fundamentalismus in seiner widerlichsten Form ist da authentisch, wo er einfach Fakt ist.

Damit authentische gegenüber vorverdauter Information einen Mehrwert darstellt, darf nicht nur die Produzentenseite beleuchtet werden. Um Authentisches auf sich wirken zu lassen, muss man sich als Rezipient, also als Blog-Leser, entweder von allen Denkschubladen frei machen und wie Jiddu Krishnamurti fordert zum reinen, aufmerksamen und nicht wertenden Betrachter werden. Oder man tut das Gegenteil und muss, um die authentische Flut zu bewältigen, alles erst mal in Schubladen einordnen, also die Vorverdauung selbst besorgen. Egal für welchen Weg sich der Blog-Leser entscheidet: für Beides ist ein letztlich gewisses, nicht ganz niedriges Reflexionsniveau erforderlich — wir nennen es hier „Webkompetenz“.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Zum Blog-Eintrag: "Die Blogs und das Authentische"


Montag, 19. März 2007

Blog der Google-Webmaster-Zentrale

Seit Beginn des Web-Booms und dem Durchbruch großer Suchmaschinen versuchen Anbieter von Webseiten, ihr Angebot in den Suchmaschinen besser zu platzieren, damit es dort häufiger gefunden und bei Suchtreffern möglichst weit vorne aufgelistet wird. Seit einigen Jahren hat sich für diese Spezialdisziplin der Webseitenerstellung das Akronym SEO (steht für Search Engine Optimization) herausgebildet.

Das Thema ist vielschichtiger als man auf den ersten Blick meinen könnte. Dass ordentlich strukturiertes HTML dazugehört, wissen die meisten wohl. Einige haben vielleicht auch schon von dem ewigen Wettrüsten gehört: Seitenanbieter versuchen mit immer neuen, teilweise unlauteren Tricks bessere Suchmaschinenplatzierungen zu erzielen, und die Suschmaschinen selber erkennen immer mehr dieser Tricks. Wer bei Google auf diese Weise auf die schwarze Liste gerät, läuft Gefahr, komplett aus dem Suchindex ausgeschlossen und überhaupt nicht mehr als Suchtreffer aufgelistet zu werden.

Allein schon die Menge von Blogs zum Thema SEO ist imposant. Im Zentrum der Reflexionen steht verständlicherweise die Suchmaschine von Google, da diese einen geschätzten Verbreitungsgrad von etwa 90% unter den derzeit etwa 1,1 Milliarden Internet-Nutzern des Planeten Erde hat. Nun gibt es natürlich die Google-Richtlinien für Webmaster, doch was dort an Tricks verraten und an Maßnahmen empfohlen wird, ist für SEO-Spezialisten nur kalter Kaffee.

Andererseits wird im Bereich SEO so viel gefährlicher Irrglaube verbreitet und teilweise sogar teuer verkauft, dass „offizielle Quellen“ möglicherweise wertvoller sind als kaum nachprüfbares Vermutungswissen. Die eigentliche Rezeptur, also nach welchen Kriterien in welcher Gewichtung Suchtreffer bei Google zustande kommen, wird bei den Mountain Viewern nämlich so geheim gehalten wie in Atlanta die Mixtur für Coca Cola.

Eine interessante Ergänzung zu den bekannten Google-Richtlinien für Webmaster könnte deshalb das kürzlich gestartete Blog der Google-Webmaster-Zentrale sein. Zwar ist auch dort nicht mit der Offenlegung des Google Algorithmen-Mix zu rechnen, doch SEO-relevante Zusatzinformationen aus erster Hand dürfen durchaus erwartet werden. Eine englischsprachige Version des Blogs gibt es bereits seit August 2006. Die deutschsprachige Version soll zunächst vor allem übersetzte Artikel der englischsprachigen Version anbieten, doch nach und nach auch ein Eigenleben entwickeln. So jedenfalls geht es aus dem Blog-Eröffnungsbeitrag hervor.


Dienstag, 6. März 2007

Mit Rivva nur die echten News aus der Blogosphäre?

Für die Informationsversorgung im Reich der Weblogs bzw. ihrer RSS- und Atom-Feeds ist charakteristisch, dass sie weitgehend chaotisch und persönlich stattfindet. Genau das macht ja auch eigentlich den Charme aus: kein Zentralorgan mehr, das bestimmt, welche Nachricht eine Nachricht ist und welche nicht. Geschrieben wird, was für wichtig gehalten wird, und gelesen ebenfalls.

Nur hin und wieder sehnt man sich dann doch nach einer gewissen Übersicht und Vorauswahl. Denn vor allem das viele nichtssagende Kopieren, Syndizieren und Zitieren anderweitig aufgeschnappter News breitet sich wie eine Seuche aus. Authentische News, die aus eigenen Texten mit mehr als einem Halbsatz Länge bestehen, schwimmen in einem riesigen Strom mit lauter Blog-Einträgen, die nichts anderes als eines von Millionen YouTube-Videos präsentieren, oder nichts anderes enthalten als „gerade eben gelesen: [link]“, oder reine Trackbacking-Meldungen. Doch wer soll die Spreu vom Weizen trennen?

Ein Service namens Rivva versucht dies. Was dort bislang zu sehen ist, ist jedoch noch im Entwicklungsstadium. Frank Westphal, selbsterklärter Extrem-Programmierer, Ruby-on-Rails-Freelancer und Web-2.0-Technologist, entwickelt die Plattform. Rivva arbeitet mit einem Spider, also so wie Suchmaschinen. Der Spider klappert die deutschsprachige Blog-Landschaft ab und versucht dabei, wirklich authentische und lesenswerte News zu herauszufiltern. Durch die Vernetzung der Blogs untereinander lernt der Rivva-Spider auch leicht neue Blogs kennen.

In seinem eigenen Blog drückt Westphal seine Freude über den ersten Rivva-Entwicklungswurf jedenfalls ganz im Stil der guten alten Pointer Sisters aus: I'm so excited … and I just can't hide it!


Dienstag, 20. Februar 2007

Das Elend invalider Templates

Nun bin ich ja einer, der aus der Ecke selbstgemachtes HTML kommt. Da überkam mich natürlich das Gruseln, als ich mal den W3C-Validator auf dieses Blog loslies. Die Liste der HTML-Verfehlungen in der Template-Engine von blogger.com ist wirklich schlimmer als alles, was Homepage-Novizen so fabrizieren. Darüber können auch die ganzen im Quelltext so supercool und professionell aussehenden outer-wrapper-divs und dergleichen nicht hinwegtäuschen.

Es geht schon mit Blog-Einträgen wie diesem hier los: ein gesamter Blog-Eintrag wird von der Template-Engine automatisch in <p>...</p> eingeschlossen, was völliger Unfug ist. Denn dadurch führt jede Verwendung von Zwischenüberschriften, Listen und anderen Blockelementen innerhalb des Eintrags zu einem groben Verstoß (p-Elemente dürfen keine anderen Blockelemente enthalten). Aber die Liste der Mängel ist noch viel, viel länger. Ein Thread der Blogger Help Group hat das Elend bereits angeprangert.

Eine besondere Schwere der Schuld ist meiner Ansicht nach auch deshalb gegeben, weil es sich hierbei um Templates handelt, die zigtausendfach verwendet werden, und in denen abermillionen Webseiten produziert werden. Ein solch fahrlässiges Multiplizieren von invalidem HTML-Code macht wirklich alle Anstrengungen zunichte, mit denen in den letzten Jahren versucht wurde, Website-Betreiber zur Standardkonformität zu erziehen.

Sicher gibt es Auswege — eigenes Blog-Hosting mit selbst kontrollierbarer Blog-Software usw. Doch das ist nur ein Ausweg für ein paar Profis, nicht aber für die Masse der Blogger. Und ich möchte gar nicht wissen, in wie vielen anderen Web-2.0-Services der HTML-Standard ähnlich mit Füßen getreten wird. Die Validierung des Webkompetenz-Forums ist schon mal ähnlich vernichtend. Meine User-Seite bei Mr. Wong kommt mit 12 Validator-Meldungen fast noch glimpflich davon. Scheint aber wirklich ein ziemliches Schmuddel-Web zu sein, dieses „Web 2.0“ &mdash zumindest aus Markup-Sicht.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Betreff: Das Elend invalider Templates


Mittwoch, 14. Februar 2007

Web-2.0-Workshop vom Schockwellenreiter

Zu den bekanntesten und ältesten Ein-Mann-Blogs in deutscher Sprache zählt sicher der Schockwellenreiter alias Jörg Kantel. Im Blog-Eintrag Web 2.0: Werkzeuge für die Wissenschaft berichtet Kantel darüber, dass er beim 23. DV-Treffen der Max-Planck-Gesellschaft am 15.11.2006 einen Workshop gehalten hat. Daraus ist ein 34seitiges Dokument entstanden, das Kantel in PDF-Form zum Download anbietet:

Web 2.0: Werkzeuge für die Wissenschaft als PDF-Dokument (ca. 3 MByte)

Mein erster Leseeindruck: möglicherweise das Fundierteste, was es bislang in deutscher Sprache zum Themenkomplex „Web 2.0” gibt! Wer also nicht nur Kanonenfutter für die "User-generated-content-Maschine" sein will, sondern sich reflektiert mit der Materie auseinandersetzen möchte, dem sei die Lektüre dieses Dokuments unbedingt empfohlen!

Kantel bittet in dem zugehörigen Blog-Posting auch um Diskussion über das Dokument bzw. darin enthaltene Einschätzungen und Thesen. Soll er haben! (hoffentlich)


Samstag, 10. Februar 2007

Blogging Tim Berners Lee und die FOAF-Idee

Das Zitat von Web-Begründer Tim Berners Lee, das die Kopfzeile des Webkompetenz-Blogs ziert, stammt übrigens aus einem BBC-Interview mit dem Titel Berners-Lee on the read/write web.

Berners Lee ist ja seit einiger Zeit auch selbst bekennender Blogger — wer es noch nicht kennt, sollte das Blog von Tim Berners Lee auf jeden Fall einmal aufsuchen. „Timbl's blog” verrät uns neben Beiträgen zu semantischem Web, HTML-Weiterentwicklung und Netzneutralität in einem Beitrag mit dem Titel Blogging is great, was ihn am Bloggen überhaupt reizt.

In dem Posting geht es jedoch gar nicht so sehr ums Bloggen. Die Kernaussage lautet stattdessen: „The way quality works on the web is through links.” („Qualität im Web basiert auf Links”). In dem Zusammenhang taucht auch ein Akronym auf, das vermutlich noch nicht allzu bekannt sein dürfte: FOAF. Es steht für „Friend of a friend” und soll in XML-Form dazu beitragen, die Beziehungen der Menschen untereinander (wer hat mit wem zu tun) abzubilden. Wenn sich jeder Web-Aktive so eine FOAF-Datei zulegen würde und Suchmaschinen, die das semantische Web abgrasen, die ganzen daraus entstehenden Beziehungen als Hyperlinks abbilden, dann wird sich vermutlich so mancher Zeitgenosse wundern, wie wenige Klicks zwischen ihm und einem Milliardär oder zwischen ihm und einem seiner am meisten verachteten Menschen liegen.

Meine persönliche Einschätzung dazu ist, dass die XML-Repräsentation solcher Daten wie bei FOAF zwar eigentlich optimal ist. Doch sie wird sich voraussichtlich schwer tun gegen einfachere, HTML-basierte Mikroformate wie XFN (XHTML „Friends Network”). Wie auch immer: Wem jetzt der Kopf raucht, weil er allen Links in diesem Eintrag gefolgt ist, der weiß zumindest, woran derzeit fieberhaft gewerkelt wird im Web. Und besonders freut mich, dass Tim Berners Lee kräftig mitmischt dabei.


 

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