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Freitag, 11. Mai 2007

Neues von der Zukunft von HTML

Unter dem Titel Weiterentwicklung von HTML kommt voran ist im SELFHTML Weblog ein Beitrag erschienen, der den aktuellen Stand der Diskussionen rund um die Zukunft von HTML zusammenfasst. Auch andere Magazine berichten immer mal wieder über das Thema, so etwa der Golem-Beitrag W3C nimmt die Weiterentwicklung von HTML wieder auf.

Interessant ist, dass nun offenbar versucht wird, die drohende Spaltung zwischen W3-Konsortium und WHATWG zu vermeiden (wir berichteten). Die offene HTML-Arbeitsgruppe des W3-Konsortiums plant dem Blog-Beitrag zufolge, Teile der unter dem Code-Namen HTML 5 gehandelten Vorschläge der WHATWG in ein W3-gesegnetes HTML 5 zu übernehmen. Ein wichtiger Auslöser dazu war wohl dieses Mailinglisten-Posting von David Baron (Mozilla Foundation). Allerdings gibt es offenbar durchaus konträre Standpunkte innerhalb der offenen HTML-Arbeitsgruppe des W3-Konsortiums, sodass die letzte Entscheidung noch nicht gefallen ist.

Endlosdiskussionen kann sich die offene Arbeitsgruppe allerdings nicht erlauben. „The HTML working group has not yet begun working on a specification. While we wait for the work in the HTML working group to start, we are continuing on our work on the WHATWG specs.“ Diese Aussage auf der Startseite der WHATWG darf durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl verstanden werden, binnen einer angemessenen Frist zu einer klaren Entscheidung in Sachen HTML zu kommen.

Hintergrund der Querelen sind vor allem die Vorstellungen des W3-Konsortiums zum propagierten Nachfolgerstandard XHTML 2.0, der zum einen in vielen Punkten nicht mehr rückwärtskompatibel zu herkömmlichem HTML und XHTML 1.x ist, und der andererseits etliche Wünsche an HTML, die im Laufe der Jahre in der Praxis entstanden sind, nicht berücksichtigt. Der Entwurf der WHATWG orientiert sich dagegen bewusst an diesen Wünschen aus der Praxis. Dazu gehören beispielsweise verbesserte HTML-Formulare im Hinblick auf die immer zahlreicher werdenden Webanwendungen, mehr Klarheit beim Einbetten von Multimedia oder die HTML-seitige Unterstützung der Ajax-Schnittstelle.


Dienstag, 13. März 2007

Jens Meiert über den Kampf der HTML-Entwürfe

Zwar haben sich zu den klassischen Texten im Web mittlerweile eine Menge multimedialer Inhalte hinzugesellt. Doch das ändert nichts daran, dass immer noch HTML oder XHTML die Basis fast aller Webseiten ist, und daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Grund genug, die Entwicklung dieser Basis- und Schlüsseltechnologie zu verfolgen. Jens Meiert gehört zu denen, die diese Entwicklung genau mitverfolgen und darüber berichten. In dem gerade erschienen Artikel (X)HTML 5 und XHTML 2 im Vergleich, einem Artikel, den Meiert aus dem Englischen übersetzt hat, wird der aktuelle Stand der Dinge unter dem Aspekt beleuchtet, dass mittlerweile zwei konkurrierende Entwicklungsstränge existieren.

Der eine ist der offizielle Strang: XHTML 2.0 vom W3-Konsortium. Derzeit noch immer im Stadium eines Entwurfs (working draft), verfolgt XHTML 2.0 vor allem die perfekte Integration in die XML-Welt sowie den konsequenten Abschied von allem physischen Markup.

Die Vorstellungen der W3C-Arbeitsgruppe zu HTML sind in den letzten Jahren jedoch immer stärker in die Kritik der Fachwelt geraten. Praxisfernes HTML aus dem akademischen Elfenbeinturm sei das, was dort produziert werde, so die Kritiker. Gleichzeitig begannen auch vom W3-Konsortium mehr oder weniger unabhängige Arbeitsgruppen, alternative Entwürfe für einen künftigen HTML/XHTML-Standard zu entwickeln. Die bekannteste dieser Initiativen ist die WHATWG Community. Dort entsteht eine Spezfikation mit dem Titel Web Applications 1.0, die soeben (12.03.2007) in einer neuen Working Draft veröffentlicht wurde.

Meierts übersetzter Artikel leistet eine Gesamtschau über die Stärken und Schwächen der beiden Entwürfe. Dabei spart er nicht mit Wertungen. Es gibt eine Menge, was der Artikelautor cool findet, aber auch so einiges, was er für ganz und gar uncool hält. Der Artikel ist damit ein lebendig geschriebener, guter Einstieg, um sich vielleicht einmal näher mit den beiden Entwürfen zu befassen.

Insgesamt kommt der W3C-Entwurf zu XHTML 2.0 etwas besser weg. Es mag der Blick „in the long run“ sein, der einer konsequenten XML-Integration auf die Dauer den Vorzug gibt vor zweifellos nachvollziehbaren Bemühungen, (X)HTML der gegenwärtigen Praxis anzupassen.

Doch wer sagt eigentlich, dass es ein Rennen sein muss, das nur einen Sieger haben kann? Was sollte dagegensprechen, führende Browser künftig einfach mit Parsern für beide Dokumenttypen auszuliefern? Webautoren könnten sich dann für den Dokumenttyp entscheiden, den sie für ihre Zwecke besser gebrauchen können, oder mit dem sie einfach vertrauter sind. Vielleicht geht der Weg einfach dahin, sich von dem einen, alleinseligmachenden HTML zu verabschieden. Ein Zerbrechen der Einheit des Web wäre dadurch jedenfalls nicht zu befürchten.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Jens Meiert über den Kampf der HTML-Entwürfe


 

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