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Dienstag, 15. Mai 2007

Hypertext (4): Suchen und Stöbern

siehe auch:
(1): Text und Linearität
(2): Computer und Hypertext
(3): Inhaltseinheiten und Verlinkung


Information Retrieval: an Informationen kommen

Der Ausdruck Information Retrieval bedeutet aus Anbietersicht die Art, wie Information zugänglich gemacht werden soll, und aus Anwendersicht die Art, wie Information zugänglich ist. Im Prinzip lassen sich dabei zwei grundsätzliche Verfahrensweisen unterscheiden: die eine ist das gezielte Suchen nach bestimmten Daten oder einer bestimmten Information, und die andere ist das Stöbern in einem Informationsangebot.

Die klassische Datenverwaltung setzt beim Information Retrieval eher auf das Suchen. Größere herkömmliche Anwendungen, egal ob in Versicherungen oder beim Arbeitsamt, bieten ihren Anwendern typischerweise mehr oder weniger ausgefeilte Suchmasken an. Aus den Eingaben der Maske wird eine Abfrage der Datenbank erzeugt. Die Datenbank sendet eine Ergebnismenge an gefundenen Daten zurück. Diese Ergebnisse werden dem Anwender angezeigt.

Hypertext unterstützt von Haus aus eher das Stöbern. Nicht zufällig lautet das englische Wort für Stöbern to browse. Die Standard-Zugangssoftware für das World Wide Web, also die Web-Browser, sind also namentlich Stöberprogramme.

Vor- und Nachteile von Suchen und Stöbern

Die Vor- und Nachteile beider Formen des Information Retrieval hängen in erster Linie vom jeweils verfolgten Ziel ab. Suchen ohne einsteigendes Informationsangebot ist dann von Vorteil, wenn man genau weiß, wonach man sucht. Wer am kommenden Freitag mit der Bahn von Hamburg nach München fahren will und eine Zugverbindung sucht, dem ist mit einem geeigneten Suchformular am schnellsten geholfen. Stöbern ist dagegen von Vorteil, wenn man nur ungefähr weiß, wonach man sucht. Wer einen Ausflug plant und noch nicht so recht weiß wohin, dem hilft kein Suchformular. In solchen Fällen ist es besser, über ein hinführendes Informationsangebot auf Entdeckungsreise nach Angeboten zu gehen.

Nun können suchorientierte Angebote durchaus helfen, ungefähre Vorstellungen zu präzisieren. Wer im Web eine Partnerbörse aufsucht, kann über zahlreiche Multiple-Choice-Fragen Eigenschaften und Vorlieben seines Wunschpartners zusammenklicken und so die Ergebnismenge eingrenzen. Dennoch ist man bei suchorientierten Angeboten von der eigentlichen Information zunächst einmal abgeschirmt. Erst eine wohlformulierte Suche fördert eine Ergebnismenge aus dem eigentlichen Inhalt zu Tage. An der Formulierung der Suche führt kein Weg vorbei. Dazu sind Dialoge mit dem Anwender erforderlich, die meistens als Formulare realisiert sind.

Stöbern führt dagegen oft zu ganz anderen Ergebnissen bei dem, was ein Anwender am Ende auswählt, konsumiert oder tut. In Web-Angeboten, die zum Stöbern einladen, wählt man zwanglos einen Einstieg und lässt sich ebenso zwanglos durch weitere Links leiten. Durch ein paar Links gelangt man zu konkreter Information. Diese wiederum enthält diverse Links zu anderer Information. Oder man orientiert sich neu. Jedenfalls befindet man sich schnell mitten im Informationsangebot. Man ist nicht getrennt von der eigentlichen Information, doch dafür droht schnell der Überblick verloren zu gehen. Das Mindeste, was man in einer solchen Situation benötigt, ist eine Navigation. Sie ermöglicht die Neuorientierung beim Stöbern.

Keine der beiden Formen des Information Retrieval ist also der Königsweg. Festzuhalten bleibt, dass die Software-Gattung der Datenbank Management Systeme (DBMS) das Paradigma des Suchens geprägt haben, während Hypertext das Paradigma des Stöberns geprägt hat.

Verschwimmende Grenzen

Im Web kommen die Paradigmen von Suchen und Stöbern häufig zusammen. Die meisten größeren Webprojekte bieten Anwendern sowohl einen stöbernden als auch einen suchenden Zugang an. Allerdings wird eine der beiden Zugangsformen meistens optisch deutlich favorisiert. Viele Websites von Zeitungen, großen Firmen oder Organisationen laden den Besucher primär eher zum Stöbern ein, da die Optik aus direkten Inhalten wie aktuellen News auf der Startseite und einer oder mehreren Navigationsleisten besteht. Dennoch wird — oft nicht auf den ersten Blick sichtbar — in aller Regel auch ein kleines Suchfeld angeboten, das eine Volltextsuche im Informationsangebot ermöglicht. Andere Projekte wiederum begreifen sich primär als suchorientiert, bieten aber zusätzlich noch eine Art Linkverzeichnis an, um Anwendern, die einen stöbernden Einstieg bevorzugen, entgegenzukommen.

Datenkonzept
Brainstorming für ein Datenhaltungskonzept — Quelle: Wikimedia

Viele Informationsangebote haben durchaus den Wunsch, Anwendern beide Formen des Information Retrievals gleichberechtigt anzubieten. in der Praxis ist das jedoch oft nicht so einfach. Der Grund dafür ist, dass die Entscheidung darüber, wie ein Angebot Informationen zugänglich macht, häufig schon im Vorfeld getroffen wird — nämlich beim Daten-Design. Aus Anbietersicht ist es deshalb wichtig, sich mit der Art, wie Informationsdaten gespeichert werden, eingehend auseinander zu setzen. Angenommen, die Nutzdaten einer Website werden in einer relationalen Datenbank gehalten. Dort gibt es beispielsweise Datenbanktabellen für Philosophen, philosophische Begriffe und Definitionen von Philosophien zu philosophischen Begriffen. In solchen Relationen ist jedoch nirgendwo festgehalten, was eine Inhaltseinheit sein soll, also etwa eine Webseite. Ein Web-Frontend könnte zwar das bequeme Durchsuchen der Datenbank ermöglichen. Doch aus den gespeicherten Daten lässt sich weder eine Navigation erzeugen noch ein Set an durchstöberbaren Webseiten. Die Inhalte einer Inhaltseinheit können durchaus dynamisch aus einer Datenbank erzeugt werden. Doch um einen stöbernden Zugang anzubieten, muss in den Datenstrukturen der Datenbank bereits das druchstöberbare Webseitenangebot abgebildet werden — in welcher Form auch immer.


Dienstag, 8. Mai 2007

Mehr Hypertext mit Hyperwords

Wie wir in unserer Hypertext-Einführung bereits gelernt haben, besteht das entscheidende Merkmal von Hypertext eigentlich darin, dass dem Benutzer verwandte oder weiterführende Inhalte zu einer aktuellen Inhaltseinheit direkt verfügbar gemacht werden. Das klassische Mittel dazu ist der Hyperlink. Wohlgemerkt — das klassische Mittel, aber längst nicht mehr das einzige. Eine spannende Erweiterung für den Firefox-Browser mit dem Namen Hyperwords sorgt für deutlich mehr Hypertext-Feeling beim Browsen.

Langes und breites Erklären können wir uns ersparen, denn das YouTube-Video zu Hyperwords demonstriert die Funktionsweise der Erweiterung. Sie reagiert auf das Selektieren von Text im Browser. Über ein Kontextmenü stellt die Erweiterung dann etliche Möglichkeiten zur Verfügung, den selektierten Text als Input für Services im Web zu nutzen. Der selektierte Text kann so beispielsweise als Input für Google (auch Google Maps), Technorati, Wikipedia, Amazon, EBay, delicio.us, und viele andere Services genutzt werden. Über entsprechende Services lässt sich selektierter Text auch von einer Sprache in eine andere übersetzen. Der Clou dabei: zu übersetzender Text wird direkt im Original-Layout in der angezeigten Webseite durch den übersetzten Text ersetzt. Auch Seiten-Informationen, z.B. Whois-Informationen, Versionen-Informationen entsprechend der Internet Wayback Machine, DNS-Informationen, PageRank, HTML-Quelltext des ausgewählten Textes und vieles andere lässt sich direkt übers Kontextmenü abrufen. Ausgewählter Text lässt sich ferner ins eigene Blog einfügen, in eine Datei kopieren oder ausdrucken. Es dauert sicher eine ganze Weile, um der Erweiterung ihr volles Potential zu entlocken, doch der Lohn ist ein möglicherweise völlig neues Hypertext-Gefühl beim Surfen im Web.

Zahlreiche Einstellmöglichkeiten runden das Tool ab. Eine deutschsprachige Oberfläche gibt es bislang nicht, doch bei wachsender Installationszahl wird die Erweiterung über kurz oder lang sicherlich internationalisiert. Firefox-Benutzer können die Hyperwords-Erweiterung sofort aktivieren.


Freitag, 4. Mai 2007

snap.com Kontext-Links

Seit Ende Februar werden im Webkompetenz-Blog externe Links automatisch mit einem Postfix-Symbol versehen. Dahinter steckt der Preview-Service von snap.com (wir berichteten im Beitrag Verlinken mit snap.com). Zumindest seit die Möglichkeit besteht, das Preview-Popup nur dann anzuzeigen, wenn der Anwender die Maus über das Symbol bewegt, und nicht bei jedem mouseover über dem Verweistext, ist der Service dezent genug, um Anwender nicht durch unerwünschte Effekte zu vergraulen.

Nun ist ja snap.com zunächst einmal eine neuartige Suchmaschine, die ihren Datenbestand nicht mehr durch klassische Such-Robots nährt, sondern eben dadurch, dass Website-Anbieter den Preview-Service nutzen und externe Links setzen. Dieses unkonventionelle, aber durchaus erfolgreiche Konzept erzeugt also einen Datenbestand, der darauf basiert, was Anbieter von Web-Inhalten an anderen Anbietern von Web-Inhalten für verlinkenswert halten. Falls snap.com also beispielsweise (wider Erwarten) den Artikel Snap.com - a Google Alternative? bislang noch nicht in seinem Datenbestand hatte, so wird sich das mit diesem Blogbeitrag hier ändern, nämlich dann, sobald jemand das Symbol hinter dem Link zu besagtem Artikel mit der Maus überfährt.

Da die Previews also das primäre Werkzeug für snap.com sind, um den Datenbestand der Suchmaschine zu füttern, ist es gar nicht verwunderlich, wenn versucht wird, diesen Service immer weiter zu verbessern. Eine der neuesten Neuerungen ist, dass einige Previews nicht mehr die oft nichtssagenden Thumbnail-Vorschau-Screenshots verlinkter Seiten zeigen, sondern lesbaren Text. Das gilt beispielsweise für Links zu Wikipedia. Beispiel: Was Wikipedia über Webcrawler weiß, darüber kann man ganz locker plaudern, denn wer Probleme mit einem Terminus technicus wie „Webcrawler“ hat, erhält über die Preview-Funktion der Links erste Hilfe.

Nicht nur bei Links zu Wikipedia, sondern auch bei solchen zu einigen anderen bedeutenden Inhaltsanbietern funktioniert die inhaltliche Detailvorschau. So etwa bei der Internet Movie Database. Als Beispiel ein Link zum Film Spiderman 3. Ebenfalls funktionieren soll die Spezialvorschau bei Direktlinks zu Fotos auf flickr.com. Als Beispiel ein Link auf das Spiderman-3-Poster. Weitere Details sind übrigens dem Artikel Snap.com Introduces Contextual Widgets zu entnehmen, und in der hauseigenen FAQ demonstriert snap.com weitere Beispiele. Sogar komplette YouTube-Videos lassen sich in den Previews abspielen.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu sich auszumalen, wie das weitergeht. So könnten beispielsweise Mikroformate auf Zielseiten erkannt und in Previews wiedergegeben werden. Anstelle der klassischen Vorschau-Screenshots könnten nach Benutzerwunsch auch Whois-Informationen zum Betreiber der verlinkten Seite angezeigt werden. Die Idee jedenfalls hat ihren Weg gefunden und wird ihn weiterverfolgen. Das Einzige, womit ich persönlich überhaupt nichts anfangen kann, ist die eigentliche Suche von snap.com. Hässliche Oberfläche, häufig unbefriedigende Suchergebnisse, übelstes Frameset-Gefrickel. Solange das alles so bleibt, wird Google wohl von snap.com wenig zu befürchten haben, aller innovativen Konzepte zum Trotz.


Montag, 19. März 2007

Blog der Google-Webmaster-Zentrale

Seit Beginn des Web-Booms und dem Durchbruch großer Suchmaschinen versuchen Anbieter von Webseiten, ihr Angebot in den Suchmaschinen besser zu platzieren, damit es dort häufiger gefunden und bei Suchtreffern möglichst weit vorne aufgelistet wird. Seit einigen Jahren hat sich für diese Spezialdisziplin der Webseitenerstellung das Akronym SEO (steht für Search Engine Optimization) herausgebildet.

Das Thema ist vielschichtiger als man auf den ersten Blick meinen könnte. Dass ordentlich strukturiertes HTML dazugehört, wissen die meisten wohl. Einige haben vielleicht auch schon von dem ewigen Wettrüsten gehört: Seitenanbieter versuchen mit immer neuen, teilweise unlauteren Tricks bessere Suchmaschinenplatzierungen zu erzielen, und die Suschmaschinen selber erkennen immer mehr dieser Tricks. Wer bei Google auf diese Weise auf die schwarze Liste gerät, läuft Gefahr, komplett aus dem Suchindex ausgeschlossen und überhaupt nicht mehr als Suchtreffer aufgelistet zu werden.

Allein schon die Menge von Blogs zum Thema SEO ist imposant. Im Zentrum der Reflexionen steht verständlicherweise die Suchmaschine von Google, da diese einen geschätzten Verbreitungsgrad von etwa 90% unter den derzeit etwa 1,1 Milliarden Internet-Nutzern des Planeten Erde hat. Nun gibt es natürlich die Google-Richtlinien für Webmaster, doch was dort an Tricks verraten und an Maßnahmen empfohlen wird, ist für SEO-Spezialisten nur kalter Kaffee.

Andererseits wird im Bereich SEO so viel gefährlicher Irrglaube verbreitet und teilweise sogar teuer verkauft, dass „offizielle Quellen“ möglicherweise wertvoller sind als kaum nachprüfbares Vermutungswissen. Die eigentliche Rezeptur, also nach welchen Kriterien in welcher Gewichtung Suchtreffer bei Google zustande kommen, wird bei den Mountain Viewern nämlich so geheim gehalten wie in Atlanta die Mixtur für Coca Cola.

Eine interessante Ergänzung zu den bekannten Google-Richtlinien für Webmaster könnte deshalb das kürzlich gestartete Blog der Google-Webmaster-Zentrale sein. Zwar ist auch dort nicht mit der Offenlegung des Google Algorithmen-Mix zu rechnen, doch SEO-relevante Zusatzinformationen aus erster Hand dürfen durchaus erwartet werden. Eine englischsprachige Version des Blogs gibt es bereits seit August 2006. Die deutschsprachige Version soll zunächst vor allem übersetzte Artikel der englischsprachigen Version anbieten, doch nach und nach auch ein Eigenleben entwickeln. So jedenfalls geht es aus dem Blog-Eröffnungsbeitrag hervor.


Sonntag, 11. Februar 2007

Ach, Ms. Dewey, können Sie mir sagen ...?

Es soll ja Leute geben, denen der spartanische Look der Standard-Startseite von Google überhaupt nicht gefällt. Manche lieben es halt eher überladen, mit 487 Links, 37 Kästchen, 11 Bannern und irgendwo in den Tiefen dazwischen versteckt das Suchfeld.

Und dann gibt es noch die Marketing-Strategen. Falls Sie sich jetzt nicht vorstellen können, was ein Marketing-Stratege sich unter einer gelungenen Suchmaschine vorstellt, dann klicken Sie hier: www.msdewey.com.

Nun gut, die Dame braucht einen Moment, bis sie geladen ist. Als nächstes folgt ein Intro, das offenbar bei jedem Aufruf eine andere Szene darstellt. Hat man das Intro jedoch hinter sich, ist man plötzlich ganz allein mit ihr, vor so einer supercoolen Manhatten-Skyline-Wand. Keiner sagt was. Warten Sie lieber nicht zu lange, sonst klopft Ihnen Ms. Dewey von innen an den Bildschirm und fordert sie energisch auf, doch endlich etwas in das Suchfeld einzugeben. Es sei denn, sie wollen Ms. Dewey tiefenpsychologisch erkunden — dann warten Sie einfach gnadenlos und schauen ihr zu.

Bei neuen Suchmaschinen probiere ich es immer erst mal mit dem Suchbegriff SELFHTML. Jede halbwegs ernstzunehmende Suchmaschine sollte das kennen, doch die Projektstruktur ist etwas knifflig zu durchschauen für Robots. Also Ms. Dewey, legen Sie los!

... Hm, Ms Dewey, wie kommen Sie darauf, dass das Forumsarchiv von 2006 das Wichtigste an SELFHTML sei, so dass es an erster Stelle gelistet werden muss? Also das kann Google dann doch etwas besser.

Böse Zungen werden nun gleich wieder betonen, dass dies nur daran liege, weil Ms. Dewey von Microsoft sei. Dagegen lässt sich allerdings einwenden, dass das Original, also die Suche von live.com, durchaus eine klare Vorstellung von SELFHTML hat.

Andere böse Zungen werden dagegen behaupten, Ms. Dewey denke halt wie eine Frau, also irgendwie mittenrein und völlig ohne Übersicht. Selbst wenn man diese Behauptung ernst nimmt, wäre das marketingstrategisch sehr unklug, da Ms. Dewey ja wohl vor allem Männer ansprechen soll, rein äußerlich zumindest. Wenn aber diese Männer spätestens bei den präsentierten Suchergebnissen genauso irritiert sind, wie sie es zu Hause oft sind, dann könnten Ms. Deweys Erfolgsbemühungen ernsthaft gefährdet sein.

Also Ms. Dewey: freut mich, Sie kennengelernt zu haben, aber ins Geschäft kommen wir glaube ich vorerst nicht. Konsultieren Sie mich wieder, wenn Sie sich etwas besser ins Metier eingearbeitet haben!

(Tipp gefunden auf newz.at/suchen-mal-anders)


 

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