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Montag, 10. September 2007

Das nächste Webkompetenz-Tutorial

Nach dem Abschluss des Ajax-Tutorials fragen sich einige Freunde des Fortsetzungsromans vielleicht, was als nächstes dran kommt. Beschreibungswürdige Techniken gibt es ja zur Genüge. Meine Wahl ist allerdings auf etwas gefallen, das man eigentlich noch gar nicht wirklich zuverlässig dokumentieren kann, weil es noch gar keine endgültige Ausprägung hat und es auch noch gar keine vollständige Implementierung davon gibt. Dennoch wird aus der interessierten Fachwelt kaum jemand bezweifeln, dass es sinnvoll ist, sich möglichst frühzeitig damit auseinanderzusetzen. Es geht nämlich um nichts Geringeres als um die Brot-und-Butter-Sprache schlechthin: HTML.

Wie berichtet, soll HTML 5 nun definitiv kommen, und zwar wie gewohnt als Recommendation (offizielle Empfehlung) des W3-Konsortiums. Obwohl sich das Dokument, das später einmal die offizielle Empfehlung werden soll, noch in einem sehr frühen Working-Draft-Stadium (Arbeitsentwurf) befindet, lässt es doch schon erkennen, welche wesentlichen Neuereungen geplant sind. Und das sind mehr als nur einige. HTML wird in der neuen Vollversion „evolutionär“ erneuert, was heißen soll, dass ein Kompromiss zwischen Rückwärtskompatibilität und neuem Standard erreicht werden soll. Der Kompromiss besteht darin, dass Autoren keine veralteten Auszeichnungen mehr verwenden, Browser und andere User-Agents solche Auszeichnungen aber noch erkennen und verarbeiten sollen. Die Erneuerung besteht aus einer ganzen Reihe neuer Elemente und Attribute. Diese verfolgen vor allem zwei Ziele: erstens soll semantisch sinnvolles Markup wesentlich besser realisierbar sein als bisher, und zweitens soll HTML-Code besser für Scripting gerüstet sein, um moderne Webanwendungen besser zu unterstützen.

In dem geplanten Tutorial werden wir zunächst versuchen, etwas Klarheit in das Wirrwarr um die Spezifikation von HTML 5 zu bringen. Dann werden die derzeit absehbaren neuen Elemente und Attribute vorgestellt, und zwar im Zusammenhang mit den Konzepten, die dahinter stecken. Zuletzt wird das Tutorial noch erklären, was Sie selber tun können, um an HTML 5 mitzuarbeiten. Neben dem HTML-5-Tutorial wird die Einführung in Hypertext noch weitergeführt, so dass in nächster Zeit also diese beiden „Serien“ auf dem Webkompetenz-Kanal laufen werden.


Dienstag, 7. August 2007

HTML-5 reift nun auf W3C-Server

Wie berichtet, ist die Geschichte von HTML mittlerweile doch nicht mehr nur die Vorgeschichte von XHTML, sondern geht ihre eigenen Wege weiter. Das W3-Konsortium, hat, um eine Spaltung bei der Standardisierung der Basis-Sprache von Webseiten zu vermeiden, in letzter Zeit eine ungewöhnliche Eile an den Tag gelegt. Als Ergebnis davon ist nun unter der Adresse http://www.w3.org/html/wg/html5/ ein Frühstadium der geplanten neuen HTML-Version 5 zu sehen. Genaugenommen befindet sich das Dokument noch nicht mal im Working-Draft-Zustand, weshalb es als „W3C Editor's Draft“ ausgegeben wird, eine Art Vorab-Working-Draft.

Die ersten Abschnitte des Dokuments lassen deutlich das Tauziehen der letzten Monate erkennen. Eine mühsame Koalition mit der WHATWG soll das Dokument voranbringen. Immerhin können Interessierte dort mal schön auf einen Blick sehen, was an Neuerungen geplant ist. Web-Entwickler dürfen sich auf neue HTML-Elemente freuen wie nav (für Navigationsleisten), article (z.B. für News- oder Blog-Beiträge), aside (für Marginalspalten oder abgesetzte Kästen, die vom Haupttext getrennt sind, aber einen Bezug darin haben), header und footer (für Kopf- und Fußbereiche von Webseiten), diverse spezialisierte Multimedia-Elemente wie figure, audio, video, source und canvas. Alles Neuerungen, die aus der Wunschkiste der Praktiker kommen. Sogar alte, längst verstoßene Bekannte wie embed und iframe sind wieder mit von der Partie, weil sie in der Praxis nie totzukriegen waren. Mit Spannung verfolgt werden darf auch die neue Abteilung für interaktive Elemente, zu denen Neuerungen wie details, datagrid oder command gehören. Diese Elemente sollen vor allem Standardaufgaben bei Webanwendungen so beschreibbar machen, dass kein zusätzliches Scripting mehr dafür nötig ist.

HTML 5 gibt also das mit XHTML 2 verfolgte Konzept der Elementreduzierung auf. Stattdessen soll eine ganze Reihe neuer Elemente und Attribute für mehr semantische Eindeutigkeit auf Webseiten sorgen. Eine Botschaft, die in der Praxis ankommt! Doch wie lange wird das Dokument auf dem W3-Server wohl noch reifen müssen, bis es den ersehnten Status einer offiziellen Recommendation (Empfehlung) haben wird, die dann auch für Browser-Anbieter zuverlässig gilt? Glaubt man dem Schedule of Deliverables der HTML-Arbeitsgruppe des W3C, soll die Empfehlung 2010 fertig sein. Da regt sich doch schon wieder Ärger an der Basis: ist denn der Review-Prozess tatsächlich nicht schneller durchführbar? Müssen dazu wirklich drei weitere Jahre vergehen?


Dienstag, 13. März 2007

Jens Meiert über den Kampf der HTML-Entwürfe

Zwar haben sich zu den klassischen Texten im Web mittlerweile eine Menge multimedialer Inhalte hinzugesellt. Doch das ändert nichts daran, dass immer noch HTML oder XHTML die Basis fast aller Webseiten ist, und daran wird sich wohl auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Grund genug, die Entwicklung dieser Basis- und Schlüsseltechnologie zu verfolgen. Jens Meiert gehört zu denen, die diese Entwicklung genau mitverfolgen und darüber berichten. In dem gerade erschienen Artikel (X)HTML 5 und XHTML 2 im Vergleich, einem Artikel, den Meiert aus dem Englischen übersetzt hat, wird der aktuelle Stand der Dinge unter dem Aspekt beleuchtet, dass mittlerweile zwei konkurrierende Entwicklungsstränge existieren.

Der eine ist der offizielle Strang: XHTML 2.0 vom W3-Konsortium. Derzeit noch immer im Stadium eines Entwurfs (working draft), verfolgt XHTML 2.0 vor allem die perfekte Integration in die XML-Welt sowie den konsequenten Abschied von allem physischen Markup.

Die Vorstellungen der W3C-Arbeitsgruppe zu HTML sind in den letzten Jahren jedoch immer stärker in die Kritik der Fachwelt geraten. Praxisfernes HTML aus dem akademischen Elfenbeinturm sei das, was dort produziert werde, so die Kritiker. Gleichzeitig begannen auch vom W3-Konsortium mehr oder weniger unabhängige Arbeitsgruppen, alternative Entwürfe für einen künftigen HTML/XHTML-Standard zu entwickeln. Die bekannteste dieser Initiativen ist die WHATWG Community. Dort entsteht eine Spezfikation mit dem Titel Web Applications 1.0, die soeben (12.03.2007) in einer neuen Working Draft veröffentlicht wurde.

Meierts übersetzter Artikel leistet eine Gesamtschau über die Stärken und Schwächen der beiden Entwürfe. Dabei spart er nicht mit Wertungen. Es gibt eine Menge, was der Artikelautor cool findet, aber auch so einiges, was er für ganz und gar uncool hält. Der Artikel ist damit ein lebendig geschriebener, guter Einstieg, um sich vielleicht einmal näher mit den beiden Entwürfen zu befassen.

Insgesamt kommt der W3C-Entwurf zu XHTML 2.0 etwas besser weg. Es mag der Blick „in the long run“ sein, der einer konsequenten XML-Integration auf die Dauer den Vorzug gibt vor zweifellos nachvollziehbaren Bemühungen, (X)HTML der gegenwärtigen Praxis anzupassen.

Doch wer sagt eigentlich, dass es ein Rennen sein muss, das nur einen Sieger haben kann? Was sollte dagegensprechen, führende Browser künftig einfach mit Parsern für beide Dokumenttypen auszuliefern? Webautoren könnten sich dann für den Dokumenttyp entscheiden, den sie für ihre Zwecke besser gebrauchen können, oder mit dem sie einfach vertrauter sind. Vielleicht geht der Weg einfach dahin, sich von dem einen, alleinseligmachenden HTML zu verabschieden. Ein Zerbrechen der Einheit des Web wäre dadurch jedenfalls nicht zu befürchten.

Diskussionen zu diesem Eintrag im Webkompetenz-Forum:
Jens Meiert über den Kampf der HTML-Entwürfe


 

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